Zu teuer: Investoren scheuen Schweizer Mittelstand

Die Abkoppelung des Schweizer Franken hat die Übernahme- und Fusionslust bei den ausländischen Investoren gesenkt. Schweizer Mittelständler waren im vergangenen Jahr deutlich weniger beliebt als noch im 2014.

Die Aufwertung des Schweizer Franken war für die Schweizer Wirtschaft im vergangenen Jahr in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung. Kurzarbeit, Shoppingflucht und Kündigungen gingen damit einher. Wie eine aktuelle Deloitte-Studie zeigt, hat die Abkopplung des Franken vom Euro auch Auswirkungen auf die Aktivität der ausländischen Investoren bei der Übernahme oder Beteiligung von Schweizer KMU gehabt, Inbound.

So sank das Volumen der Inbound-Transaktionen gegenüber dem Vorjahr deutlich ab: um 41 Prozent. 2015 gab es nur mehr 48 Transaktionen, bei denen ausländische Investoren sich an Schweizer KMU beteiligt bzw. diese übernommen haben. „Der starke Franken und die sich daraus für ausländische Investoren ergebende Verteuerung von Schweizer Aktiva sowie das Klima der Ungewissheit und die zum Teil schwache Performance der Schweizer KMU sind die Grundlage des Rückgangs der Übernahmen von KMU durch ausländische Unternehmen“, so die Studie. Zahlreiche Akquisitionsprojekte seien für eine bestimmte Zeit auf die Warteliste gesetzt oder sogar aufgegeben worden.

Mit großem Abstand sind die USA weiterhin der führende Käufer von mittelständischen, Schweizer Unternehmen. So gab es im vergangenen Jahr 11 Übernahmen durch US-Investoren, echt durch deutsche und sechs durch französische Investoren. Generell gibt es eine starke Beziehung zwischen den USA und der Schweiz. So sind beispielsweise etwa ein Drittel der Aktien von börsennotierten Unternehmen aus der Schweiz in amerikanischer Hand. Regional gesehen, haben Unternehmen aus Europa mit 58 Prozent den größten Anteil an den Inbound-Transaktionen.

Am beliebtesten waren Schweizer KMU, die im Technologie und Dienstleistungssektor tätig waren. Bei der Wahl der Branche spielte auch der Franken eine Rolle. So waren bisher gerade die KMU aus der Industrie bevorzugt, aber diese „besitzen in der Regel zahlreiche Produktionsanlagen, deren Kosten de facto höher sind als bei Mitbewerbern im übrigen Europa“. Aus diesem Grund gab es hier weniger Transaktionen. „Sektoren mit hoher Wertschöpfung bleiben für ausländische Investoren, die in der Schweiz nach High-Tech, äusserst qualifizierten Arbeitskräften oder auch nach Patenten und anderen immateriellen Werten Ausschau halten, attraktiv“, so die Analyse-

Insgesamt ging das Transaktionsvolumen im Schweizer KMU-Geschäft um 19 Prozent zurück, wobei hier auch etwaige Übernahmen etc. von Schweizer KMU durch Schweizer Investoren und von ausländischen KMU durch Schweizer KMU mit einberechnet werden. Insgesamt gab es 2015 176 Transaktionen, nach 216 im Jahr zuvor.

Die Übernahmen und Beteiligungen von Schweizer KMU im Ausland sind im vergangenen Jahr nur leicht um zwei Prozent zurückgegangen. Dabei war mit Abstand Deutschland am interessantesten. Hier tätigten die Schweizer KMU 12 Transaktionen, gefolgt von Käufen in den USA; Spanien und Frankreich. Die meisten Übernahmen konzentrierten sich dabei auf die Industrie. Geht es um die Industriebranche ist das Ausland für Schweizer KMU interessanter als die nationale Industrie. Gegenüber dem Jahr 2014 sind die Übernahmen von Schweizer KMU in der Industrie durch Schweizer Mittelständler um die Hälfte eingebrochen. Im Ausland sind nach der Frankenaufwertung die Produktionsprozesse im Ausland einfach noch günstiger geworden.

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