Kredite an Ölindustrie gefährden Europas Banken

Finanzinstitute gehören zu den größten Verlierern der gegenwärtigen Turbulenzen an den Aktienmärkten. Ihre Titel haben in wenigen Tagen auf breiter Front erheblich an Wert eingebüßt. Dahinter steckt die Befürchtung der Anleger, dass viele der Darlehen, die an Rohstoffunternehmen vergeben wurden, nicht zurückgezahlt werden. Die Krise der Rohstoffbranche droht sich somit auf das Finanzsystem zu übertragen.

Finanzinstitute gehören zu den größten Verlierern der gegenwärtigen Turbulenzen an den Aktienmärkten. Ihre Titel haben in wenigen Tagen auf breiter Front erheblich an Wert eingebüßt. Dahinter steckt die Befürchtung der Anleger, dass viele der Darlehen, die an Rohstoffunternehmen vergeben wurden, nicht zurückgezahlt werden. Die Krise der Rohstoffbranche droht sich somit auf das Finanzsystem zu übertragen.

Besonders in den vergangenen Tagen hat sich der Abschwung an den Aktienmärkten deutlich verstärkt. Vor allem Bankaktien trugen zu der Verkaufswelle bei: Titel der Deutschen Bank verbilligten sich auf Wochensicht um über zwölf Prozent, jene der Commerzbank um neun Prozent. Im Fokus stand auch die Schweizer Credit Suisse, die in den vergangenen vier Wochen rund 37 Prozent ihres Aktienwerts eingebüßt hat. Verschärft wurden die Verkäufe durch die Bekanntgabe eines Verlusts von fast drei Milliarden Franken für das vergangene Jahr. Die Aktie der Großbank war am Donnerstag so billig wie seit 25 Jahren nicht mehr.

Sorge bereitet den Anlegern die potentiell große Zahl ausfallgefährdeter Darlehen in den Bankbilanzen. Einem Bericht der Bank of America-Merrill Lynch zufolge sind weltweit rund 2,5 Billionen Dollar Schulden von Öl- und Gasproduzenten ausstehend. Davon seien etwa 1,5 Billionen Dollar in Form von Anleihen und rund eine Billion Dollar als Kredite direkt ausgegeben worden, meldet Finanz und Wirtschaft. Rund 400 Milliarden Dollar entfielen auf europäische Banken, davon wiederum rund 320 Milliarden auf börsennotierte Institute. Die tiefen Preise für Öl, Eisenerz, Kupfer und andere Rohstoffe gefährden jedoch die Rückzahlungsfähigkeit der Unternehmen. Wenn nur ein Teil der gewährten Kredite ausfallen würden, müssten die Banken Abschreibungen im Milliardenhöhe tätigen. Hierin liegt ein Hauptgrund für den seit einigen Tagen stattfindenden Verkauf von Bankaktien in großem Stil.

Die Skepsis ist berechtigt, weil wichtige Bergbau- und Ölfirmen in der jüngsten Vergangenheit in Schwierigkeiten gerieten. Hierzu zählt beispielsweise der weltgrößte Rohstoffhändler Glencor mit Sitz in der Schweiz. Wie am Donnerstag bekannt wurde, verkauft Glencor Minenbeteiligungen in Peru im Wert von etwa 500 Millionen Dollar an einen kanadischen Bergbaukonzern, um Kapital zur Stabilisierung seiner Bilanz zu generieren. Glencor plant, bis zum Ende des laufenden Jahres Kosten von 13 Milliarden Dollar einzusparen. Bislang seien durch abgesagte Dividendenzahlungen, Einsparungen und Verkäufe rund 8,7 Milliarden Dollar zusammengekommen, schreibt die Financial Times. Der Aktienkurs des Unternehmens hatte aufgrund des Preisverfalls von Kohle, Edelmetallen und Eisen im vergangenen Jahr bis zu 70 Prozent an Wert eingebüßt. Erst in der vergangenen Woche hatte die Ratingagentur Standard & Poor’s die Kreditwürdigkeit des Rohstoffunternehmens auf eine Stufe über „Ramschniveau“ herabgestuft.

Auch der Schweizer Rohstoffhändler Gunvor verfolgt einen Sparkurs. Anfang Februar hat das Unternehmen bekanntgegeben, dass es sich aus dem Markt für Metalle zurückziehen und sich stattdessen auf die Geschäfte mit Öl und Gas beschränken will. „Bei der Analyse der Situation ist uns aufgefallen, dass die Rentabilität abnahm, während die Risiken zunahmen und der Ausblick nicht zu unserer Eigenkapitalrendite passt“, zitiert die Financial Times einen Sprecher.

Die schwierige Lage am Rohstoffmarkt könnte noch lange anhalten. Das Beratungsunternehmen Wood Mackenzie geht davon aus, dass Ölunternehmen im vergangenen Jahr Investitionsentscheidungen im Volumen von 380 Milliarden Dollar aufgeschoben haben. Betroffen seien weltweit 68 große Projekte, die für rund 27 Milliarden Barrel (159 Liter) Öl- und Gasäquivalent stehen. Der Chef des Genfer Rohstoffhändlers Vitol sagte kürzlich in einem Interview, dass sich der Ölpreis in den kommenden zehn Jahren wahrscheinlich in einem Korridor zwischen 40 und 60 Dollar bewegen wird. Die Risiken für den Bankensektor dürften demnach in Zukunft eher zunehmen als abnehmen.

Kommentare

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  1. weber sagt:

    Ich habe auf Sputnik Deutsch gelesen, daß erheblich mehr Ölkontrakte an den Terminbörsen gehandelt würden als tatsächliches Öl. Damit ließe sich der Preis auch in den Keller treiben. Mich würde interessieren, ob da was dran ist?

    Als der Kupferbergbau begann, enthielt das Kupfererz 15% Kupferanteil. Heute liegt der Anteil bei 0,5%. Nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage müßte der Preis steigen, aber er verfällt. Und der Preisverfall trifft die ganze Rohstoffbranche.
    Kupfer gehört wie Uran zu den kritischen Rohstoffen. Der Energieeinsatz beim Abbau steigt, während die gewonnene Energie sinkt. Das sind zwei gegenläufige Kurven. Wo sich die Kurven schneiden, wird der Einsatz höher als der Gewinn.

    Auch bei der Kohle widerspricht die Preisentwicklung dem Marktgesetz, denn der Kohlaabbau erlebt eine Renaissance. Um den Energiehunger zu stillen, sind 2012 in China, Indien aber auch Deutschland Kohlekraftwerke geplant worden mit einer Gesamtleistung von 1.400.000 MW.

    Ich halte die Kriege und Bürgerkriege in Afrika, im Orient und in Lateinamerika für den Ausdruck einer globalen Rezession. In der Deflation floriert die Kriegswirtschaft.

    Die Wirtschaft kann sich der Totalität der Globalisierung dabei nur nähern. Zum Gipfel wird die Luft immer dünner, der return on invest wird negativ. Vielleicht platzt die Blase gerade jetzt?

    • Hans von Atzigen sagt:

      Ölkontrakte:
      Sicher laufen solche Geschäfte,das ist das übliche, Spekulation.
      Die Wirkung:
      Beschleunigung der Preisentwicklung nach oben resp. nach unten.
      Das da eine ,,Hintergrundmacht,, Steuert kann man ausschliessen.
      Einmal wegen der enormen Risiken die ein einzelner Markteilnemer
      nicht eingeht,zum anderen es gibt trotz Konzentrationen immer noch
      diverse Marktteilnehmer die auch Konkurenten sind.
      Grundsätzlich können solche Marktpreisverzerrungen nur auf Zeit
      wirken. Letztlich entscheiden sich die Preise immer auf der Kernlinie,
      die bildet sich aus der realen Produktion sowie dem realen Verbrauch.
      Die Preise werden mit sicherheit wieder steigen wenn, Anbietern die
      Finanziellen Reserven wegbrechen, oder Anbieter durch gewaltsame Ereignisse als Anbieter ausfallen.