Chinas Exporte brechen ein

Nach einer kurzen Verschnaufpause im Dezember geht es mit Chinas Außenhandel wieder steil bergab: Sowohl Exporte als auch Importe der zweitgrößten Volkswirtschaft blieben im Januar erneut hinter den Erwartungen zurück. Wie die Zollverwaltung am Montag mitteilte, sanken die Ausfuhren im Vergleich zum Januar des Vorjahres um 6,6 Prozent.

Der Sorge vor einer Dauerkrise der Weltwirtschaft erhält durch die Schwäche der beiden größten asiatischen Volkswirtschaften neue Nahrung. In China brachen im Januar sowohl die Exporte als auch die Importe überraschend stark ein, während das japanische Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2015 schrumpfte. An den Börsen gingen die Kurse zum Wochenauftakt dennoch nach oben.

Die chinesischen Ausfuhren fielen im Januar um 11,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, teilte die Zollverwaltung am Montag mit. Das war bereits der siebte Rückgang in Folge, der überdies sechsmal so stark ausfiel wie von Ökonomen erwartet. Überdurchschnittlich stark nahmen die Exporte in die Europäische Union ab, auch die in benachbarte Staaten wie Südkorea und Taiwan sowie die Ausfuhren in die USA schrumpften. Angesichts der unsicheren Entwicklung wolle die Regierung in diesem Jahr kein Wachstumsziel für den Außenhandel ausgeben, sagte ein Insider aus dem Handelsministerium der Nachrichtenagentur Reuters. 2015 war der Handel um acht Prozent gesunken, während die Regierung ein Plus von sechs Prozent angestrebt hatte.

Die Importe brachen zum Jahresauftakt sogar um 18,8 Prozent ein. Für deutsche Unternehmen sind das schlechte Nachrichten, schließlich fielen ihre Exporte in die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt bereits im vergangenen Jahr und damit erstmals seit 1997. Einer Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young zufolge verkauften Volkswagen, Daimler und BMW im vergangenen Jahr noch 4,4 Millionen Pkw in China und damit ein Prozent weniger als 2014.

Kummer bereitet der Weltwirtschaft aber nicht nur China, sondern auch Japan. Das Bruttoinlandsprodukt fiel von Oktober bis Dezember auf das Jahr hochgerechnet um 1,4 Prozent, wie die Regierung mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einem Minus von 1,2 Prozent gerechnet. Offenbar fruchten die Anreize der Regierung zum Ankurbeln des Konsums bislang nicht: Die Ausgaben der Privathaushalte, die 60 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachen, gingen um 0,8 Prozent zurück. Exporte in Schwellenländer konnten das nicht ausgleichen.

Das befeuert Spekulationen, wonach die japanische Notenbank (BOJ) ihre Geldpolitik weiter lockern wird. „Es ist eine Frage der Zeit, wann die BOJ und die Regierung zusätzliche Maßnahmen beschließen werden“, sagte die Chefökonomin von Sumitomo Mitsui Banking, Junko Nishioka. „Ich möchte, dass der Finanzminister die Lage genau beobachtet und mit angemessenen Maßnahmen reagiert, sollte dies erforderlich sein“, sagte Ministerpräsident Shinzo Abe.

Nach der Börsentalfahrt in der vergangenen Woche gab es an den asiatischen Märkten eine deutliche Erholung. Insbesondere in Tokio ging es steil bergauf: Dort schloss der Nikkei-Index 7,2 Prozent höher auf rund 16.023 Punkten, nachdem er in der abgelaufenen Woche noch elf Prozent eingebüßt hatte. „Heute geht es allein um eine technische Erholung“, sagte Takuya Takahashi vom Wertpapierhandelshaus Daiwa Securities.

Kommentare

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  1. weber sagt:

    Die Globalisierung stößt an die Decke. Und nun wird’s teuro.

  2. Brigitte sagt:

    Exportüberschüsse sind erwünscht, da diese, ohne die dafür benötige Neuverschuldung innerhalb des Exportlandes, für den in diesem Land benötigen Gewinn sorgen, sprich es verschuldet sich stattdessen das importierende Ausland. Wenn allerdings dem importierenden Ausland die Schulden über den Kopf wachsen und es diese nicht mehr bedienen kann, ist der Jammer groß. Es werden Bad Banks gegründet, Staatseigentum verscherbelt, Sozialleistungen gekürzt und stattdessen künstliche Nachfrage nach Konsumgütern (Zuschüsse) erzeugt. Ausbuchungen werden verstärkt das ach so tolle Exportland treffen.

    Mehr Bedeutung sollte meiner Ansicht nach auf die inländische Nachfrage nach Konsumgüter aber auch nach Arbeitnehmern, Ausgleich von Sozialleistungen über Ein- und Auszahlung, ausgeglichener Staatshaushalt, Auswirkung von Besteuerungen, usw. gelegt werden.

    Kann ein Land keine oder nur noch geringe Exportüberschüsse erwirtschaften, muss sich für Importware sogar verschulden, wird sich letztlich derzeit der Staat verschulden müssen um so für den nötigen Gewinn innerhalb der Unternehmen zu sorgen. Könnte er jedoch über eigene Unternehmen Gewinn in den Wirtschaftskreislauf geben, könnte er z.B. Steuersätze reduzieren oder auftauchende Lasten ohne/mit geringerer Neuverschuldung oder ohne Steuererhöhungen stemmen. Gleiches gilt, wenn er die Nachfrage nach Arbeitnehmern über steuerliche Änderungen (Aufteilung der Besteuerung der Arbeitnehmer auf Investitionen und Arbeitnehmer) erhöhen würde. Hierzu werden allerdings die Unternehmen kleinere Brötchen backen müssen, sprich der Gewinn wird nicht mehr so sprudeln. Aber das tut er ja jetzt bereits nicht mehr, da die natürliche Nachfrage, siehe wie erwähnt in Japan, aufgrund einer verfehlten Verteilung des wirtschaftlichen Kuchens, stagniert bzw. weiter sinken wird.

  3. Friedrich 2 sagt:

    Auf den ersten Blick sieht es für die Chinesen schlecht aus. Aber der folgende Satz enthüllt die Probleme: „Überdurchschnittlich stark nahmen die Exporte in die Europäische Union ab, auch die in benachbarte Staaten wie Südkorea und Taiwan sowie die Ausfuhren in die USA schrumpften.“ Der schwache Export ist die Schwäche der Käufer, d.h. auch unser Problem. Nicht nur die Chinesen sondern auch die anderen stecken in der Krise.