Chinas Investoren erobern die Welt

In den vergangenen zwei Jahren sind die ausländischen Direktinvestitionen chinesischer Investoren immens gestiegen. Aus kaum einem Land kommen mehr Investitionen: schätzungsweise 140 Milliarden Dollar allein im vergangenen Jahr. Der Abschwung im eigenen Land lässt die chinesischen Investoren nach neuen Wachstumsmöglichkeiten im Ausland suchen. Vor allem in der EU und in den USA.

Im vergangenen Jahr erreichten die chinesischen Übernahmen in der EU (28) ein Volumen in Höhe von 20 Milliarden Euro. Das entspricht einer Steigerung von 44 Prozent gegenüber 2014. „China ist zu einer der Hauptakteure im weltweiten Kapitalfluss geworden und damit auch zu einem der drei größten ausländischen Investoren überhaupt“, heiß es in einer aktuellen Studie des Mercator Institute for China Studies. Experten rechnen mit weiteren Direktinvestitionen aus China in Höhe von einer Billion Dollar, die in den kommenden fünf Jahren nach Europa fließen werden.

„Das neue Rekordhoch im vergangenen Jahr stützt unsere Annahme, dass das sprunghafte Wachstum der chinesischen Investitionen nicht nur eine vorübergehende Episode opportunistischer Käufe war“, so die Studie. Vielmehr müsse es als strukturelle Angelegenheit gesehen werden, die von den Veränderungen in der chinesischen Wirtschaft angeheizt wird. Tatsächlich ist die Reaktion in Europa auf den Abschwung in China umgekehrter Natur. Hier sind die Direktinvestition europäischer Investoren zuletzt zurückgegangen. Das wiederum kann auf lange Sicht zu starken Ungleichgewichten führen.

Ein genauerer Blick auf die chinesischen Investoren zeigt, dass sowohl die Privatwirtschaft als auch der Staat beteiligt sind. 2015 erreichte das Investment privater chinesischer Unternehmen in Europa 6 Milliarden Euro, der höchste Wert seit den Aufzeichnungen. Zur gleichen Zeit waren aber auch die ausländischen Investitionen von staatlicher Seite gestiegen. Der Anteil staatlicher, chinesischer Investitionen kletterte innerhalb nur eines Jahres von 62 auf 70 Prozent in der EU.

Besonders interessant in Europa sind Deutschland, Großbritannien und Frankreich für die chinesischen Investoren. In diese Länder flossen in den vergangenen fünf Jahren konstant zwischen vier und acht Milliarden Euro. Aber das Interesse an südeuropäischen Ländern hat zuletzt zugenommen.  2015 konnten südeuropäische Länder fast die Hälfte der chinesischen FDI in der EU auf sich vereinen. Dazu zählten Deals wie ChemChina mit Pirelli, Wanda mit Atletico Madrid und Haitong mit Banco Espirito Santo.

Gerade die Automobilindustrie und der Maschinenbau sind seit langem immer wieder Ziel chinesischer Investitionen. Im vergangenen Jahr flossen 400 Millionen in abgeschlossene Transaktionen in diesen beiden Branchen. Aber auch Biotechnologie, Dienstleistungen und Immobilien sind für die Investoren mittlerweile interessant.

Der Abschwung in China trägt dazu bei, dass sich die chinesischen Investoren nach Industrieanleihen, Immobilien und Dienstleistungsbranchen umschauen. So ist nicht nur Europa Ziel für chinesische Investoren. Weltweit lagen die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) aus China im vergangenen Jahr bei 130 bis 140 Milliarden Dollar, so die Studie. Ein Jahr zuvor waren es 123 Milliarden Dollar. Damit sind allein zehn Prozent der FDI weltweit chinesischer Natur.

Neben der EU sind vor allem auch die USA ein beliebtes Ziel für chinesische Investoren. Allein in den ersten zwei Monaten dieses Jahres sind in den USA 102 Deals zwischen US-Firmen und chinesischen Investoren bekannt gegeben: Der Wert dieser liegt bei 81,6 Milliarden Dollar. Im Vorjahreszeitraum gab es 72 Deals im Wert von 11 Milliarden Dollar. „Mit der Verlangsamung der Wirtschaft, suchen chinesische Konzerne zunehmend anorganische Wege, um ihre Wachstum zu stützen“, zitiert die US-Ausgabe des Businessinsider Vikas Seth von der Credit Suisse.

Für besonders viel Aufregung sorgt weiterhin die angekündigte Übernahme der Börse von Chicago durch die chinesische Chongqing Casin Enterprise Group. Anfang Februar wurde bekannt, dass es eine Einigung zwischen beiden Parteien gegeben habe. In der zweiten Jahreshälfte soll die Transaktion abgeschlossen werden. In dieser Woche unterzeichneten nun 45 Mitglieder des US-Kongress einen Brief an das zuständige Komitee für ausländische Investitionen in den USA (CFIUS). Darin fordern sie „vollständige und umfangreiche Untersuchungen“ zu diesem Deal.

„Diese geplante Übernahme wäre das erste Mal, dass eine chinesische, wahrscheinlich staatlich beeinflusste, Firma direkten Zugriff auf den 22 Billionen Dollar schweren US-Aktienmarkt erhält“, heißt es in dem Brief als Begründung für die verlangte Untersuchung.

Zwar könnte die chinesische Regierung angesichts des beschleunigten Kapitalabflusses die Kapitalkontrollen verstärken, was kurzfristig zu einem Rückgang chinesischer Investitionen führen würde. Auf lange Sicht aber, werden chinesische Firmen jedoch weiterhin ins Ausland investieren, so die Studie.

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  1. Max Lenz sagt:

    Wie kann man den chinesischen Vormarsch aufhalten? Warum versagt die Politik? Warum finden sich keine deutschen Partner z.B für Kuka oder SGL Carbon?