Abgas-Skandal ist für Europas Autobauer größte Krise seit 30 Jahren

Die Absätze von VW in Europa und den USA sinken. Die Abgas-Affäre zeigt Wirkung. Doch nicht nur VW, auch andere europäische Autobauer sind durch den Skandal belastet. Sie haben zu stark auf Dieseltechnologie gesetzt. Ein Umdenken ist überfällig, gerade in Sachen Elektromobilität ist Deutschland beispielsweise noch auf dem Niveau von Ghana, sagt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer.

Im Januar ist der Absatz der Marke VW trotz gestiegener Neuzulassungen um vier Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gesunken. Der Marktanteil VWs sank um 1,3 Prozent auf 24,2 Prozent, so die aktuellen Zahlen des Herstellerverbandes ACEA. Auch in den kommenden Monaten wird man die Folgen der Abgas-Affäre in Europa noch spüren können, sagte Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR-Center Automotive Research der Uni Duisburg-Essen, den Deutschen Mittelstands Nachrichten. Hierzulande und vor allem aber in den USA werden die kommenden sechs bis neun Monate für die Zukunft von VW entscheidend sein.

Sowohl der Umgang mit Rückkaufaktionen sowie Nachbesserungen für Käufer, als auch die Wertschätzung der auferlegten Strafe sowie der Umgang mit den Klagen von Aktionären sind wichtig. „In den ersten Monaten hat man gesehen, dass VW die Bedeutung der USA deutlich unterschätzt hat“, so Dudenhöffer. „Aber jetzt hat VW verstanden, wie ernst es ist.“ Die Lösungen – wie zum Beispiel die mögliche Forderung nach einer eigenen Elektroauto-Produktion durch US-Behörden – werden Dudenhöffer zufolge teuer sein. „Aber besser teure Lösungen, die in absehbarer Zeit kommen, als lange Verfahren, die immer wieder den Finger in die Wunde legen.

Das und eine interne Umstrukturierung erscheinen notwendig, um den Schaden zu begrenzen. Schon jetzt sei die Abgas-Affäre für die „europäische Automobilindustrie die größte Belastung der vergangenen 30 Jahre“, sagte Dudenhöffer den Deutschen Mittelstands Nachrichten. Milliarden müssten nun in die Dieselforschung gesteckt werden, um hier wieder Anschluss zu finden und das bedeute für die deutschen Autobauer, aber auch die französischen und die italienischen, einen Wettbewerbsnachteil. Einen Wettbewerbsnachteil beispielsweise gegenüber den USA und Korea, deren Autobauer nicht so stark auf die Dieseltechnologie gesetzt haben.

Mit Blick auf die deutschen Autobauer setzt Dudenhöffer eher auf die Förderung von Elektromobilität als auf die von Verkehrsminister Dobrindt angekündigten jährlichen Dopingtests für Autoabgase. „Das ist nur eine Rechtfertigungsorgie von Dobrindt, um seine Behörde zu retten.“ Vielmehr sollte  man trotz des derzeit billigen Öls den Umschwung hin zu Elektroautos schaffen, auch wenn die deutsche Industrie dazu einen gesetzlichen Rahmen benötigt, um sich tatsächlich stichhaltiger um diese Technologie zu kümmern.

Und das heißt, die Steuervorteile für Diesel zu kappen und stattdessen Vorschläge wie Gabriels Kaufprämie für Elektroautos tatsächlich auch umzusetzen, statt nur über sie zu sprechen, so Dudenhöffer. Ohne Anstöße, gesetzlich und finanziell geht es hierzulande wohl nicht. Das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen zu haben sei schon jetzt „völlig unrealistisch“. Dieses Ziel sei „so fern wie die nächste Galaxie“.

Es werde einfach zu viel geredet und konzeptionslos gehandelt. Für eine Industrienation wie Deutschland ist die Misere um die Elektromobilität kaum zu entschuldigen. Und das betrifft nicht nur fehlende Fortschritte in Sachen bezahlbare E-Autos mit ausreichender Reichweite, sondern auch der zu sehr vernachlässigte Ausbau von Ladestationen. „Was die Elektromobilität betrifft, hat Deutschland das Niveau von Ghana und Nigeria“, sagt Dudenhöffer.

Kommentare

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  1. Volker K. sagt:

    Ein Herr Dudenhöfer sollte wissen , daß der Strom für das Elektromobil auch zuerst von einem
    mehr oder weniger dreckigem Kraftwerk bereitgestellt und zum Verbraucher verteilt werden muß,
    wobei zwangsläufig Übertragungsverluste einkalkuliert werden müssen.
    Vom Beitrag der Photovoltaik und der Windnutzung sollte man sich gedanklich gleich verabschieden, da deren Beitrag Weltweit derzeit bei unter 1% am Primärenergieaufkommen
    liegt und keine Grundlastfähigkeit vorhanden ist.
    Somit ist ein Verbrennungsmotor im Hinblick auf die Effektivität dem Elektrofahrzeug überlegen.
    In die Diskussion das Niveau von „Ghana und Nigeria“ einzubringen ist unseriös.
    Mittels der „Elektromobilität“ sollen wieder zum Zwecke der Bereicherung der Lobbygruppen
    – wie beim EEG-Gesetz – Gelder vom Steuerzahler umverteilt werden.

  2. ohneworte sagt:

    umweltschutz, ja gerne:

    – die neusten SUV haben anstatt eine 2,8 nun eine 3,5 liter maschine
    – um im stau zur arbeit zu stehen nimmt man eine RS4. verbrauch: lasche 10 bis 17 liter
    – wichtige menschen fliegen aus spargründen jeder mit eigenen flugzeug zum weltklimagipfel
    – wichtige leute essen sparsame 4 cm dicke 700 gr t-bone steaks im edelrestaurant
    – scheichs haben 20 autos in der garage. aber gut, manche autos haben nicht mehr soviel blech, für dessen gewinnung strom ohne ende gebraucht wird
    – da ja bald alle menschen in europa leben, könnte man die eherstellung von 100 containerschiffen pro jahr in korea auf – sagen wir – auf 99 schiffe drosseln
    – in DE brauch man ja unbedingt alle paar tage neue software in den ämtern. Allein zur softwareherstellung/planung laufen mio von computern.
    – obwohl jeder normale mensch schon jahre das papierlose büro beherrscht, laufen in ämtern mio von laserdrucker. Lecker!
    – der feinstaub von kraftfahrzeug/züge-räderbremsen ist sowas von lecker. ist aber wurst und wird nicht drüber geredet

    …diese liste könnte man noch 1 meter weiter führen

    viel spass beim energiesparen :-))
    .

  3. Hans von Atzigen sagt:

    Gelegentlich fragt man sich denn doch, was Experten
    noch an fundiert zusammenhängender Sachkenntnis drauf haben.
    Der Rückgang der Absatzzahlen hat seine Ursache insbesondere
    im Rückgang der Kaufkraft die Ursachen sind breit.
    Elektromobilität:
    Elektromibilität Zb. in USA, Stromnetz= Lachnummer.
    So schnell geht das nicht mit einer Umstellung.
    Es fehlt schlicht die zwingend notwendige Infrastruktur.
    a.) Die Stromproduktionskapazitäten sind nicht vorhanden!
    b.) Die aktuellen Verteilnetze sind nur beschränkt für
    zusätzliche Stromverteilung ausgelegt!
    c.) Wo ist das notwendige Infestitions-Kapital für die Kapazitätsausweitung?
    Jeder Kompetente Elektromeister weiss für den
    Transport von entsprechender Stromleistung,
    braucht es entsprechende sog, Querschnitte, sowie
    eine entsprechende Auslegung weiterer Schaltelemente,
    Transvormatoren usw. Ist das nicht gegeben läuft alles
    heiss und Kollabiert.
    Leider zu oft bleiben nur noch Kopfschütteln und Lacher.