Wirtschaftskrise in Brasilien: Moody’s senkt Bonität auf Ramsch-Niveau

Das von Korruptionsskandalen und Rezession geplagte Brasilien verliert zusehends an Kreditwürdigkeit. Mit Moody's stufte am Mittwoch die dritte große Ratingagentur die Bonität der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas auf Ramsch-Status herab.

Sie vergab die entsprechende Note Ba2 und begründete einen negativen Ausblick mit der tiefen Wirtschafts- und Schuldenkrise. Das Land werde voraussichtlich in den nächsten Jahren nur ein schwaches Wachstum erreichen. Binnen drei Jahren drohe zudem die Staatsverschuldung die Grenze von 80 Prozent zu überschreiten. Finanzminister Nelson Barbosa versicherte, die Regierung arbeite weiter an der Sanierung der Staatsfinanzen.

Für Staat und Unternehmen in Brasilien hat eine Herabstufung tendenziell eine Verteuerung neuer Kredite zur Folge, da Geldgeber bei einem schlechteren Rating oft einen höheren Risikoaufschlag verlangen. Vor Moody’s hatten bereits Fitch und Standard & Poor’s die Bonität des Landes auf Schrott-Niveau heruntergestuft. Die politische Lage gilt als instabil: Präsidentin Dilma Rousseff wird vorgeworfen, Steuergesetze verletzt und Staatsfinanzen manipuliert zu haben, um ihren Wahlkampf 2014 zu finanzieren. Die Staatschefin weist dies zurück. Ihre Kritiker machen sie auch für den Wirtschaftsabschwung im Land verantwortlich.

Die wirtschaftlichen Schwiergkeiten spürt auch die deutsche Industrie in Brasilien und Argentinien aus. Im ersten Halbjahr 2015 fiel etwa die Produktion der brasilianischen Kfz-Industrie um 18,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Neuzulassungen gingen um mehr als 20 Prozent zurück. Die Summe aller hergestellten Waren und Dienstleistungen sank zwischen April und Juni um 1,9 Prozent zum Vorquartal. Der Internationale Währungsfonds rechnet in diesem Jahr mit einem Rückgang des brasilianischen BIPS um 1,5 Prozent. Um jährlich 200 Millionen Real (45 Millionen Euro) einsparen zu können, kündigte die Präsidentin Rousseff die Abschaffung von acht Ministerien und 3.000 Stellen an.

„Die gesamtwirtschaftliche Lage und die ungünstigen Finanzierungskonditionen in Brasilien beeinträchtigen hingegen nach wie vor die Investitionstätigkeit, sodass auch für die kommenden Monate deutlich rückläufige Verkaufszahlen erwartet werden“, hieß es bereits im Juli bei Daimlers. Bei BMW brachen die Zulassungen im ersten Halbjahr In Brasilien (– 19,8%) und Russland (– 36,6%) ein, heißt es im aktuellen Finanzbericht des Unternehmens.

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