EU will Zulassung für Glyphosat verlägern

Anfang März will die EU-Kommission über eine Verlängerung der Zulassung für das Pflanzengift Glyphosat entscheiden. Dabei geht es um eine Verlängerung um 15 Jahre. Mittlerweile wurde auch in deutschem Bier Glyphosat gefunden. Das Bundesamt für Risikoforschung hält das jedoch für unbedenklich.

Die EU-Kommission will die Zulassung des umstrittenen Pflanzengifts Glyphosat um 15 Jahre verlängern. Darauf wies der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Europaparlament, Martin Häusling, am Mittwoch in Brüssel hin. Aus Kreisen der Kommission verlautete, die Entscheidung werde am 7. und 8. März in einem Ausschuss zusammen mit Experten und Vertretern der EU-Mitgliedstaaten fallen.

Mit der Verlängerung der Zulassung bis 2031 verstoße die EU-Kommission gegen das Vorsorge-Prinzip und werfe „alle Bedenken von Wissenschaftlern über Bord“, sagte Häusling. „Die EU-Kommission hat offenbar nicht die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger im Blick, sondern die Interessen der Agrarindustrie wie die des Herstellers des Pestizids, Monsanto“. Seinen Angaben zufolge soll die Wiederzulassung „weitgehend ohne Mengen- und Anwendungsbeschränkung“ erfolgen.

Glyphosat ist welt- und deutschlandweit einer der am meisten eingesetzten Wirkstoffe in Unkrautvernichtungsmitteln und das am weitesten verbreitete Pflanzengift. Das Mittel ist seit vielen Jahren umstritten. Umweltschützer halten den Stoff für hochgiftig und fordern seit Jahren ein Verbot von Glyphosat.

Die Zulassung in Europa läuft im Sommer aus. Die Grünen fordern von der Bundesregierung, der Wiederzulassung nicht zuzustimmen, und wollen dazu am Donnerstag einen entsprechenden Antrag im Bundestag zur Abstimmung bringen.

„Gerade Deutschland muss jetzt bremsen in Brüssel“, forderte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner. Er appellierte vor allem an die SPD, für den Antrag seiner Partei zu stimmen. So könne die Partei zeigen, dass sie es ernst meine „mit ihren glyphosatkritischen Äußerungen der letzten Tage und Wochen“.

Die EU-Kommission stützt sich auf eine Stellungnahme der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa), die das Mittel im vergangenen November als wahrscheinlich nicht krebserregend beurteilte. Kritiker warnen dagegen seit Jahren vor möglichen Gesundheitsgefahren durch Glyphosat, beispielsweise Greenpeace und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Sogar die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat eine Gefährdung festgestellt. Die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehörende Agentur urteilte im März 2015, dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserzeugend bei Menschen“ sei.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass mehrere deutsche Biere einer Untersuchung des Münchner Umweltinstituts zufolge mit dem Pestizid Glyphosat belastet sind. Beim Test von 14 der beliebtesten Biermarken Deutschlands wurden Spuren des Unkrautvernichters gefunden. Die Werte lagen zwischen 0,46 und 29,74 Mikrogramm pro Liter und damit im extremsten Fall fast 300-fach über dem gesetzlichen Grenzwert für Trinkwasser von 0,1 Mikrogramm. Einen Grenzwert für Bier gibt es allerdings nicht. Das Pflanzengift steht im Verdacht, krebserregend zu sein. «Ein Stoff, der wahrscheinlich krebserregend ist, hat weder im Bier noch in unserem Körper etwas verloren», erklärte Sophia Guttenberger vom Umweltinstitut. Der Deutsche Brauer-Bund kündigte eine Stellungnahme bis zum Mittag an.

Marike Kolossa, Leiterin des Fachgebiets gesundheitsbezogene Umweltbeobachtung im Umweltbundesamt, sagte dazu, da nach wie vor zwischen Experten nicht abschließend geklärt sei, ob Glyphosat Krebs beim Menschen erregen könne, sei eine Belastung des Menschen «nicht wünschenswert».

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hingegen sieht keine Gefahr für die Gesundheit der Verbraucher. Glyphosatrückstände in Bier seien aus wissenschaftlicher Sicht plausibel und grundsätzlich erwartbar, da Glyphosat ein zugelassener Pflanzenschutzmittelwirkstoff sei. Selbst die höchsten Werte von rund 30 Mikrogramm pro Liter seien jedoch so niedrig, dass die rechnerisch resultierende Aufnahmemenge bei einem Erwachsenen mehr als 1000-fach niedriger liegen würde als die derzeit als unbedenklich geltenden Aufnahmemengen, teilte das BfR auf Anfrage mit. «Um gesundheitlich bedenkliche Mengen von Glyphosat aufzunehmen, müsste ein Erwachsener an einem Tag rund 1000 Liter Bier trinken.»

Das Umweltinstitut hatte zunächst mit der sogenannten Elisa-Methode messen lassen, die zwar bei niedrigen Werten anspricht, aber nicht unumstritten ist. Die drei Biere mit Werten ab 20 Mikrogramm pro Liter waren mit der weniger sensiblen LC-MS/MS-Methode gegengecheckt worden, die Werte bestätigten sich. Mit der Elisa-Methode gemessene und dann mit der LC-MS/MS-Methode bestätigte höhere Werte können als nachgewiesen gewertet werden, sagte Kolossa. Sie berichtete auch, dass bei Studien mit Studenten in den vergangenen 15 Jahren die Belastung mit Glyphosat im Urin gestiegen ist.

 

 

Kommentare

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  1. Bernd sagt:

    Das BfR hat wahrscheinlich recht, dass die Konzentrationen von Glyphosphat im Bier nicht überbewertet werden sollten. Den Test finde ich trotzdem gut, denn einige Brauer haben dank optimaler Rohstoffauswahl sehr geringe Belastungen und andere zu hohe. Die Bier-Diskussion lenkt von der viel interessanteren Frage ab, welche Gesamtbelastung an Glyphosphat über die gesamten Nahrungsmittel für bestimmte Zielgruppen wie Kleinkinder derzeit aufgenommen werden. Und ob die o.g. Bewertungsgrundlagen und Grenzwerte schon die relativ neue Einstufung der WHO als Krebsverdachtstoff berücksichtigen.

  2. supafly sagt:

    Chemie hat in und auf der Nahrung nichts zu suchen und Genmanipulation schon gar nicht. Jeder muss das zugeben, wenn man nur die Sache zuende denkt. Diese Vergiftung und Zerstörung ist schlimmer, als das Menschen hungern müssen (wenn dieses Argument vorgebracht wird, nötig ist auch das nicht).

  3. Rudolf Steinmetz sagt:

    DIE EU macht das, was die Konzerne wollen.
    DiE BÜRGER werden nicht gefragt – Demokratie eben.