Schweizer Rohstoffhändler bangen um Geschäftsgrundlage

An diesem Wochenende könnte sich für die Rohstoff-Industrie in der Schweiz einiges verändern. Gewinnt die Initiative „Keine Spekulation mit Nahrungsmitteln!“ die Abstimmung, könnte das spekulativen Finanzgeschäften mit Agrarrohstoffen oder Nahrungsmitteln in der Schweiz zukünftig Einhalt gebieten.

Die Schweiz ist einer der weltweit größten Handelsplätze für Rohstoffe. Vor allem spekulative Finanzgeschäfte auf Nahrungsmittel und Agrarrohstoffe tragen dazu bei. An diesem Wochenende könnte sich für diese Branche jedoch einiges ändern. Dann nämlich stimmen die Schweizer über eine Initiative gegen die Spekulation mit Nahrungsmitteln ab. Ziel der Initiative ist ein Verbot der Finanzspekulation auf Lebensmittelpreise. Eine Preisabsicherung für Händler und Produzenten soll jedoch weiterhin möglich bleiben.

„Die Finanzialisierung der Rohstoffmärkte hat dazu geführt, dass Preisblasen immer wahrscheinlicher werden, so wie dies 07/08 und ein weiteres Mal 2011 der Fall war“, so die Initiative. In der Folge könnten sich Menschen in Entwicklungsländern die Nahrungsmittel nicht mehr leisten und erleiden Hunger, auch wenn die Preisspitzen nur kurzfristig sind.

Die Unruhe in der Branche ist zu spüren. „Die Initiative gegen Spekulationen mit Lebensmitteln der Schweizer Jungsozialisten (…) ist ein Indikator dafür, wie die Gesellschaft insgesamt sowohl unsere Rolle in der Branche als auch unsere Rolle in der globalen Wirtschaft missversteht“, schreibt Stephane Graber, Generalsekretär des Branchenverbands STSA in Genf, in aktuellen Bericht des Verbandes. Gerade in einer offenen Demokratie wie der Schweiz sei es deshalb wichtig, dass man die Bedeutung der Rohstoffhandels verdeutliche.

Neben den von der EU geforderten höheren Steuern und der möglichen Begrenzung  der Migration könnte die neue Initiative die Rohstoffbranche der Schweiz hart treffen. Unternehmen aus der Branche könnten sich von der Schweiz abwenden, was die Wirtschaft des Landes belasten würde. Die Konkurrenz in Sachen Rohstoffhandel – London, Houston, Dubai und Singapur – hat in den letzten Jahren gegenüber der Schweiz stark aufgeholt und lockt Unternehmen.

Der Schweizerischen Eidgenossenschaft zufolge sind in der Schweiz rund 500 Unternehmen mit etwa 10.000 Mitarbeitern tätig. Die Daten der Schweizer Nationalbank belegen, dass die Einnahmen aus dem Transithandel 2014 bei 25,2 Milliarden Franken lagen. Das entspricht in etwa 3,9 Prozent des Schweizer BIP. „Ein geordneter, gut funktionierender und verantwortungsvoller Rohstoffhandel trägt damit weltweit zu einem nachhaltigen Wirtschaftswachstum bei“, so die Schweizerische Eidgenossenschaft. „Die Schweiz mit ihrer Rohstoffbranche leistet dazu einen bedeutenden Beitrag.“

Besonders wichtig sind in diesem Zusammenhang Genf und Zug. Hier sind einige der größten Rohstoffunternehmen der Welt ansässig. Drei Viertel des russischen Rohöls werden in Genf gehandelt. Ein Drittel des weltweiten Handels mit Agrarrohstoffen findet in Genf statt, Zug gilt als  Zentrum für den Handel mit Bergbauprodukten. „Genf ist auch im Agrarhandel bedeutend, findet dort doch knapp ein Drittel des Welthandels und rund drei Viertel des europäischen Handels mit Getreide und Ölsaaten statt“, so Etzensberger. „Auch Zucker ist ein wichtiges Handelsgut, von dem – ex aequo mit London – etwa ein Drittel des Welthandels abgewickelt wird. Im Handel mit Baumwolle beträgt der Anteil der Schweiz rund ein Achtel des Welthandels.“

„Von Bedeutung für die Schweizer Volkswirtschaft sind aber auch die zahlreichen im Umfeld des Rohstoffhandels angesiedelten Dienstleistungen wie Versicherungsschutz, Anwaltskanzleien, Beratungsunternehmen, Treuhänder, Speditions- und Sicherheitsfirmen sowie ein breiter Fächer an Finanzdienstleistungen“, schreiben Christian Etzensberger und Claude Maurer von der Credit Suisse.

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