Schweizer Zentralbank warnt vor expansiver Geldpolitik

Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hat vor den Gefahren der expansiven Geldpolitik gewarnt. Diese hat in der Schweiz bereits zu einer Flucht ins Bargeld geführt. In der EU wird versucht, eine solche Entwicklung durch eine Beschränkung der Bargeldnutzung schon vorsorglich zu erschweren.

Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank, Thomas Jordan, hat vor den schädlichen Nebenwirkungen der expansiven Geldpolitik wichtiger Zentralbanken gewarnt. Diese könnten ihre Zinsen nicht unbegrenzt weiter senken ohne ihre Handlungsfähigkeit langfristig mit immer neuen Programmen aufs Spiel zu setzen.

Jordan zufolge müssten Notenbanken stets das Kosten-Nutzen-Verhältnis ihrer aussergewöhnlichen Massnahmen abwägen. „Die Geldpolitik muss angepasst werden, wenn die langfristigen Kosten den kurzfristigen Nutzen übersteigen“, sagte er. Der SNB-Chef sprach auf einer Veranstaltung in Frankfurt am Main, wo die Europäische Zentralbank ihren Hauptsitz hat. Diese dürfte nach Einschätzung vieler Beobachter ihre Geldpolitik bereits im März weiter lockern.

Das wiederum könnte die SNB unter Druck setzen, ebenfalls nachzulegen, um eine weitere Aufwertung des Franken im Vergleich zum Euro zu verhindern. Denn ein allzu starker Franken schadet der exportorientierten Schweizer Wirtschaft. Da die SNB in ihrem Kampf gegen die Frankenstärke schon einschneidende Sondermassnahmen durchgesetzt hat, dürfte es auch ihr zunehmend schwerer fallen, den verbliebenen Spielraum zu nutzen. Der Schweizer Einlagenzinssatz liegt bei minus 0,75 Prozent – so tief wie nirgendwo sonst – und die Bilanz der Notenbank umfasst angesichts wiederholter Devisenkäufe inzwischen mehrere hundert Milliarden Franken.

SNB-Chef Jordan ist sich dieser Risiken durchaus bewusst: „Zinsen können nicht beliebig tief in den negativen Bereich gesenkt werden, irgendwann dürfte eine Flucht ins Bargeld einsetzen. (…) Devisenmarktinterventionen und quantitative Lockerungsprogramme bergen mit wachsendem Umfang die Gefahr, dass eine Zentralbank ihre langfristige Handlungsfähigkeit einschränkt“, sagte er in Frankfurt.

Bemerkenswert ist, dass die von Jordan prognostizierte Flucht ins Bargeld in der Schweiz bereits angelaufen ist. So hat sich die Zahl der im Umlauf befindlichen 1000-Franken-Noten allein im vergangenen Jahr um rund 17 Prozent erhöht. Der Gesamtwert der im Umlauf befindlichen Tausender beträgt demzufolge über 45 Milliarden Franken. Nach Einschätzung eines Bankiers hat diese Entwicklung unmittelbar mit den von der SNB erhobenen Negativzinsen zu tun.

Auffallend ist vor diesem Hintergrund, dass in der EU derzeit nicht nur eine Beschränkung von Barbezahlungen in Höhe von 5000 Euro diskutiert wird, sondern auch über die Abschaffung des 500-Euro-Scheins beraten wird. Diese Vorstösse gegen das Bargeld werden wohl nicht zufällig zu jener Zeit lanciert, in der eine immer repressivere Gesamtstrategie der EZB erkennbar wird. Die Flucht der Bürger ins Bargeld könnte auf diese Weise schon präventiv erschwert werden.

Der Schweizer Franken baute nach den Äusserungen Jordans seine Gewinne aus und kletterte auf ein neues Monatshoch zum Euro: Die Gemeinschaftswährung kostete am Dienstag 1,0917 Franken nach 1,1022 Franken am Vortag. Einem Händler zufolge hatte Jordan so für Spekulationen gesorgt, die SNB könnte bei einer nochmaligen Lockerung der EZB-Geldpolitik von einer Zinssenkung absehen. Das würde den Franken deutlich teurer machen. „Natürlich haben Jordans Aussagen einige Leute überrascht, die gedacht haben, es ist eine ausgemachte Sache, dass die SNB der EZB bei einer weiteren Lockerung folgt“, sagte ein Anleger zu Reuters.

 

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