Österreichs Unternehmen haben riesige Steuerschulden

Etwa zehn Prozent des jährlichen Steueraufkommens in Österreich landet am Ende nicht wie vorgesehen beim Fiskus. Tatsächlich steigt die Summe der Steuergelder, die nicht bezahlt wurden.

Wie der Rechnungshof in einem Bericht über den Umgang der Finanz mit Abgabenrückständen zeigt, haben die nicht bezahlten Steuern von Unternehmen einen Wert von 7,65 Milliarden Euro erreicht (Stand: Ende 2013).

Zwischen 2010 lag der Abgabenrückstand bei 6,68 Milliarden Euro. Davon belief sich der „vollstreckbare Rückstand“ jedoch lediglich auf 1,8 Milliarden Euro. Das führte dazu, dass die Finanz jedes Jahr etwa 478 Millionen Euro als uneinbringlich aus den Büchern streichen musste – wie bei faulen Krediten in den Büchern der Banken. Den Rest versucht der Fiskus mit Zahlungsaufschub und Aussetzung in den kommenden Jahren doch noch einzutreiben.

Am stärksten scheint die Umsatzsteuer die Firmen zu belasten. Die Mehrwertsteuer machte fast die Hälfte der rückständigen 7,65 Milliarden Euro aus. Einkommenssteuer und Körperschaftssteuer machten etwa 394 und 141 Millionen Euro aus. Wie sehr die Aufschübe der Finanz ins Leere laufen können, zeigte das Beispiel einer Firma, die von 2004 bis 2013 vier Insolvenzverfahren nach sich zog und fünf Mal einen Erlass der Steuerschulden erreichte.

Nichtsdestotrotz waren die Unternehmenspleiten im ersten Halbjahr 2013 insgesamt um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 2.828 Fälle zurückgegangen. Die eröffneten Verfahren fielen sogar um zehn Prozent. „Der niedrigste Insolvenzwert innerhalb von zwölf Jahren (Stand jeweils September) bestätigt aber auch die Richtigkeit der Politik in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts: Entstaatlichung, Deregulierung und Beitritt zum großen europäischen Wirtschaftsraum“, sagte damals Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner der KSV1870.

Kommentare

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  1. Alfred Beer sagt:

    Vielleicht auch mal bedenken, dass der Staat einer der schlechtesten Zahler überhaupt ist.
    Da werden Zahlungsfristen immens überzogen und bringen sehr viele Unternehmen in Bedrängnis oder gar in den Ruin.

    Prüffristen der Rechnungen von 3 Monaten, 14 Tage vor Ablauf wird der Rechnungsteller darüber informiert, dass bei der Rechnung etwas nicht passt, und dann beginnt bei Neueinreichung die Prüffrist von Neuem zu laufen !!

    Da kann es schon zu Wartezeiten von mehr als 1 Jahr kommen, ist in Österreich nicht ungewöhnlich, leider !!

  2. Brigitte sagt:

    Nun ja, die Umsatzsteuer wurde bereits von den Konsumenten beim Kauf von Gütern an die Unternehmen bezahlt. Die Firmen müssten nun diese lediglich weiterleiten an das Finanzamt. Doch wenn die eigene Rendite, mangels zahlender Konsumenten, „in den Boden saust“, evtl. nicht einmal mehr die Kosten über Verkäufe ersetzt werden, dann wundert es mich nicht, dass Steuern nicht mehr bezahlt werden.

    Wie wäre es denn mit der Abschaffung der Umsatzsteuer und der derzeitigen Besteuerung der Arbeitnehmer und Unternehmen und stattdessen der Einführung einer prozentual einheitlichen Besteuerung der Arbeitnehmerentgelte, jeglichen Gewinn und der Abschreibungen (Investitionen)? So würde sich die steuerliche Belastung, welche derzeit hauptsächlich auf den Schultern der Arbeitnehmer und deren Familien liegt, innerhalb der Unternehmen auf alle Beteiligte besser verteilen. Die Nachfrage nach Mitarbeitern würde steigen, deren Verhandlungsbasis dadurch gestärkt und die Konsumnachfrage angeregt werden.