Carsharing in Deutschland boomt

Mehr als 50 Prozent der Carsharing-Autos in Europa fahren mittlerweile in Deutschland. Während die Verkäufe von Neuwagen bei den jungen Menschen abnehmen, erfreuen sich Gebrauchtwagen und Carsharing-Angebote großer Beliebtheit.

Im vergangenen Jahr waren weltweit etwa 90.000 Autos in der Carsharing-Branche unterwegs. In der Asien-Pazifik-Region nutzten 3,3 Millionen die Angebote, in Europa waren es 2,1 Millionen Nutzer, in Nordamerika 1,5 Millionen. In Europa ist Carsharing vor allem in Deutschland beliebt. Jedes zweite Carsharing-Auto fährt auf deutschen Straße, wie eine aktuelle Studie der Boston Consulting Group zeigt. Mittlerweile sind Carsharing-Anbieter mit 15.400 Fahrzeugen in Deutschland vertreten: 140 Anbieter in 490 Städten. 2001 waren es gerade mal 1.000 Autos.

Im vergangenen Jahr nutzten dem Bundesverband CarSharing zufolge etwa 1,26 Millionen Deutsche das Carsharing. 2012 könnten es mehr als zwei Millionen sein, schreiben die Autoren der Studie. „Carsharing hat in Deutschland gegenwärtig erst einen Anteil von 0,1 Prozent an den urbanen Mobilitätsoptionen. Die Branche hat noch sehr großes Wachstumspotenzial“, so Marco Gerrits von der Boston Consulting Group. Die global anhaltende Urbanisierung der Gesellschaft sorge dafür, dass der Markt auch in Zukunft noch sehr stark wachsen werde. Für 2021 rechnet die Studie weltweit mit etwa 35 Millionen Nutzern und weltweiten Umsätzen von bis zu 4,7 Milliarden Euro.

Die Studie geht davon aus, dass Carsharing noch keine Gefahr für den Verkauf von Neuwagen sein wird. Ein Blick hinter die Zahlen der hohen Neuzulassung in Deutschland allerdings zeigt, dass dies schneller gehen könnte, als gedacht. Viele der Neuzulassungen seien schon heute auf Tages- und Aktionszulassungen der Autohändler und Hersteller zurückzuführen. Ganz zu schweigen davon, dass das Alter derjenigen, die einen Neuwagen kaufen, in den vergangenen Jahren gestiegen ist: auf zuletzt 53 Jahre.

Zu den anhaltend hohen Neuzulassungen tragen natürlich die Carsharing-Unternehmen ebenfalls bei. Denn etwa alle zwölf Monate werden die Autos ausgetauscht. Zumal die Autohersteller selbst begonnen haben, den Trend des Carsharings für sich zu nutzen. So bietet BMW beispielsweise zusammen mit SIXT das DriveNow-Angebot.

Wichtig ist die Beteiligung am Carsharing-Markt für Autohersteller gerade auch, um mit der angebotenen Flotte auch zukünftige Neuwagenkäufer zu überzeugen. Gerade in Sachen E-Mobilität ist es kein Zufall, dass BMW bei DriveNow auch den BMWi3 anbietet. Die Skepsis gegenüber E-Autos ist in der Bevölkerung weiterhin hoch, aber das vor allem auch, weil die meisten noch nicht einmal selbst in einem entsprechenden Auto saßen. Mit der Aufnahme des i3 schafft es BMW, mehr potentielle Käufer mit dem Elektroauto in Berührung zu bringen.

Derzeit sind die Fahrer von E-Autos überwiegend aus dem „(hoch)gebildeten Milieu“ mit höherem Einkommen. „Das Durchschnittsalter der Nutzer beträgt rund 51 Jahre“, wie eine Analyse des DLR Instituts für Verkehrsforschung zeigt. Und die Mehrheit dieser kommt aus dem kleinstädtischen bis ländlichen Raum und nicht etwa aus der Großstadt. Gründe hierfür sind die noch immer sehr hohen Anschaffungskosten für E-Autos. Ganz abgesehen von dem Netz aus Ladestationen, das in Deutschland noch erheblich ausgebaut werden muss.

Umso dringender ist es, dass die Branche versucht, mit Angeboten auch die jüngere Generation anzusprechen. Sie sind die wichtigen Kunden von morgen und gerade hier ist der Durst nach neuen technischen Raffinessen stark ausgeprägt. Carsharing kann da Mittel und Wege bieten. Und sind die potentiellen Kunden erst einmal in Berührung mit einem Elektroauto gekommen, so steigert dies deutlich das Interesse. So würden auch 84 Prozent der privaten Halter von Elektrofahrzeugen die Anschaffung eines solchen Autos empfehlen. Jeder zweite denkt sogar über einen Zweitwagen etc. nach.

Kommentare

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  1. Syssiphus sagt:

    Die Parkplatznot in vielen Großstädten ist ein Faktor,gleich nach dem schmalen Geldbeutel.Begünstigt wird der Verzicht auf ein eigenes Auto von einem guten städtischen Nahverkehrsnetz.

  2. Simon sagt:

    Es ist und war die Nachkriegsgeneration, die von schnellen Autos mit viel PS träumt. Viele aus heutige jungen Generation haben diese emotionale Einstellung zum Auto nicht mehr. Das ist auch sicherlich der Hauptgrund für das sinkende Zuschauerinteresse an der Formel 1, hier sterben sozusagen die Fans weg.

    Natürlich spielt auch die Gehaltssituation eine Rolle, wenn immer mehr Arbeitnehmer im Geringst- und Niedringlohnbereich beschäftigt werden. Wenn diese Leute ihre Wohnungsmiete bezahlt haben, dann bleibt kein Geld mehr übrig um ein Auto zu finanzieren und zu unterhalten.

    Der Anteil der Arbeit am BIP geht immer weiter zurück, während der Anteil des Kapitals steigt. Daraus wird die Situation der Deutschen AN deutlich. Deutschland ist leider kein Paradies für Arbeitnehmer. Während die Reallöhne seit 2000 fast keine Steugerung hatten sind in der gleichen Zeit die Unternehmensgewinne um 40 Prozent gestiegen. Wir haben Vollbeschäftigung, weil die Löhne weit unten sind, Gewinner der Vollbeschäftigung sind deshalb nur die Eigner der Unternehmen.