Österreichs Start-ups brauchen mehr Kapital

Zwei Drittel der österreichischen Start-ups sind zurzeit bereits international tätig. Doch, um sich noch besser zu etablieren, fehlt das Kapital. Im Schnitt haben die Start-ups weniger Geld von Investoren eingesammelt als ihre europäische Konkurrenz.

Start-ups sind in der Welt der Wirtschaft und des Mittelstandes nicht mehr wegzudenken. Um einen Überblick über die Bedürfnisse und Aktivitäten der Start-ups zu erhalten, hat der European Startup Monitor mehr als 2.300 Start-ups mit über 31.000 Angestellten in 28 Ländern befragt. Die Start-up-Szene ist sehr durchmischt. Allein bei den österreichischen Start-ups kommen fast 20 Prozent der Gründer aus einem anderen Land. Und immerhin zwei Drittel der österreichischen Start-ups sind bereits international tätig. Neun von 10 haben zudem den Plan, sich weiter zu internationalisieren bzw. den Blick über den nationalen Tellerrand zu werfen.

Genau an dieser Stelle zeigt sich eine generelle Problematik für die Start-ups in Österreich. Im Vergleich zu Unternehmen aus anderen Ländern sind Beteiligungen ausländischer Investoren noch gering. Nur elf Start-ups gelang es im vergangenen Jahr, Investitionen von mindestens einer Million Euro einzusammeln, wie der Start-up-Report 2015 zeigte. 20 Jungunternehmen konnten zwischen 250.000 und 999.999 Euro an Finanzierung erreichen. 40 Prozent der Firmenchefs gaben an, dass ein „bedeutender Teil der Investitionen“ von europäischen Investoren kamen. Im Gegensatz dazu haben Start-ups in anderen europäischen Ländern im Schnitt 2,5 Millionen Euro erhalten, so der European Startup Monitor.

Fast die Hälfte der jungen österreichischen Unternehmen haben staatliche Gelder erhalten, aber immerhin 89,9 Prozent haben ihr eigenes Geld investiert. Die geringe Höhe der bisher eingesammelten Investitionen führt dazu, dass mehr als 70 Prozent der Unternehmen in den kommenden 12 Monaten weniger als 500.000 Euro Kapital anwerben wollen. Im Schnitt planen die anderen europäischen Unternehmen Kapitalspritzen von etwa 3,3 Millionen Euro im gleichen Zeitraum an Land zu ziehen.

„Augenscheinlich ist, dass die bisherigen und die geplanten Finanzierungsrunden der österreichischen Start-ups niedriger ausfallen als im ESM-Vergleich“, zitiert trendingtopics.at Rudolf Dömötör vom WU Gründungszentrum. „Von daher ließe sich ein Bedarf an Risikokapital für größere Runden (ab Series A) ableiten, um die internationale Marktdurchdringung österreichischer Innovationen zu beschleunigen.“

Die sogenannten Start-ups nehmen mittlerweile einen festen Platz in der europäischen Unternehmerlandschaft ein. Durchschnittlich arbeiten 12,9 Menschen in den jungen Unternehmen. Zwischen sechs und sieben neue Stellen wollen die Unternehmen in diesem Jahr noch schaffen. Das Wachstumspotential ist groß. Während in Asien und in Nordamerika etwa 13 Prozent der Erwachsenen in jungen Jahren ein Unternehmen gründen, sind es in Europa lediglich 7,8 Prozent.

Als klassisches Start-up bezeichnet der European Startup Monitor Unternehmen, die ein innovatives bzw. disruptives Geschäftsmodell verfolgen oder Technologien entwickeln, nicht älter als zehn Jahre alt sind oder auch ein schnelles Wachstum bei Umsatz und Wachstum aufweisen. Im Schnitt sind die Start-ups in der EU 2,5 Jahre alt. Am ältesten sind sie in Schweden mit einem Durchschnittsalter von 5,3 Jahren.

 

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