Schweizer Uhrenhersteller wagen sich ins Online-Geschäft

Erstmals werden mehr Smartwatches als Schweizer Uhren verkauft. Die Konkurrenz für die traditionellen Schweizer Uhrhersteller ist stark geworden. Neben eigenen Smartwatches setzen die Hersteller nun auch vermehrt auf neue Vertriebswege und wagen den Sprung ins Internet.

Im vergangenen Jahr wurden 8,1 Millionen Smartwatches verkauft, vier Mal mehr als noch ein Jahr zuvor. Ein enormes Wachstum, das es den Herstellern von Smartwatches ermöglichte, erstmals die Schweizer Uhrenhersteller hinter sich zu lassen. Hier lagen die Verkäufe bei 7,9 Millionen, nach 8,3 Millionen im Jahr 2014.

Die Branche kämpft mit Exportrückgängen nach Asien (-40 Prozent) und dem großen Erfolg der Smartwatch-Industrie. Zu lang hatten die Schweizer Hersteller gewartet, bis sie selbst das Projekt Smartwatch aufnahmen. Ob sie den Tipping Point verpasst haben, bleibt abzuwarten. Nokia ist das beste Beispiel dafür gewesen, wie schnell ein verpasster Trend zu erheblichen, wirtschaftlichen Schwierigkeiten führen kann.

„Die Schweizer Uhrenindustrie hat sehr langsam auf die Entwicklung von Smartwatches reagiert“, sagt auch Neil Mawston von Strategy Analytics. „Sie haben den Kopf in den Sand gesteckt und gehofft, dass die Smartwatches verschwinden.“ Die Schweizer Uhrenindustrie muss sich dringend auch auf die zunehmende Digitalisierung einlassen. Sicher werden die traditionellen Uhren weiter gern im Geschäft gekauft, doch die heranwachsenden Generationen wollen vielleicht nicht nur eine klassische Uhr, sondern auch ein paar digitale Features. Und genau diese Generationen lernen jeden Tag, dass alle Produkte jederzeit online verfügbar sind.

Bei den Schweizer Uhren ist das nicht immer der Fall, außer vielleicht über den Verkauf von Privatanbietern oder über große Plattformen wie chrono24.com. Die Schweizer Uhrenmarke Hublot hat deshalb nun begonnen, auch ins Online-Geschäft einzusteigen. „Es wird kein Weg an E-Commerce vorbeigehen“, zitiert die Handelszeitung Jean-Claude Biver, den Präsident von Hublot. „Über Jahre haben die Marken auf selektive Distribution gesetzt und ihre Partner über Exklusivverträge an sich gebunden.“ Diese müssen nun auslaufen, bevor das Online-Geschäft begonnen werden kann. 2018 will Hublot damit starten.

2015 exportierte die Schweizer Uhrenindustrie Uhren im Wert von 21,5 Milliarden Euro. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einem Minus von drei Prozent. Da könnte der Verkauf von Smartwatches aus Schweizer Hallen ein lukratives Nebengeschäft werden. Schließlich rechnen Experten für Smartwatches mit einem Umsatzvolumen von 117 Milliarden Dollar bis 2020.

Selbst der Schweizer Taschenmesser-Hersteller Victorinox will in das Geschäft mit den Smartwatches einsteigen – zusammen mit Acer. Für die hauseigenen Uhrenmarke I.N.O.X. soll ein Cybertool angeboten werden. Dabei handelt es sich um einen Ringaufsatz, der aus einer herkömmlichen Uhr schnell eine Smartwatch machen kann.

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