Schweiz: Nationalrat stärkt Mittelständler mit Lehrlingen

Der Schweizer Nationalrat will die mittelständischen Betriebe entlasten. Der Aufwand für die Betreuung von Lehrlingen sei zu hoch. Aus diesem Grund erwägen bereits einige Unternehmen, auf die Aufnahme von Lehrlingen zu verzichten.

In dieser Woche hat nun auch der Ständerat den schriftlichen Antrag von Nationalrat Albert Rösti befürwortet. Dieser „hatte geltend gemacht, für viele KMU lohne es sich wegen des vorgeschriebenen Betreuungsaufwandes nicht mehr, Lehrlinge auzubilden“, so der Nationalrat. Zuvor hatte sich bereits der Bundesrat Röstis Motion ausgesprochen.

„Die finanziellen Folgen von praxisfernen Vorschriften und Betreuungspflichten übersteigen deren Ressourcen“, sagte Rösti im Sommer des vergangenen Jahres. „Es sind aber oft gerade diejenigen Unternehmen, welche lokal verankert auch in Bezug auf die soziale Verantwortung Lehrlinge ausbilden würden.“

„Der Aufwand für die Betreuung von Lehrlingen ist nach Ansicht des Parlaments zu hoch“, so der Nationalrat. Deswegen habe man nun den Bundesrat beauftragt, entsprechende Maßnahmen zur Reduzierung des finanziellen und verwaltungstechnischen Aufwandes zu ergreifen. „Der Bund arbeite bereits jetzt in diese Richtung und prüfe etwa die Vereinfachung von Prüfungsordnungen oder des Jugendarbeitsschutzes.“

Aktuelle Zahlen der Schweizerischen Eidgenossenschaft zeigen, dass 2013/ 2014 etwa 230.000 Lernende sich in einer beruflichen Grundbildung befanden. Besonders beliebt waren die Branchen Wirtschaft und Verwaltung, Handel und Baugewerbe.

Dass den Unternehmen die Ausbildung der Lehrlinge aufgrund des hohen Aufwandes auch mal über den Kopf wächst, zeigte zuletzt eine Studie. Diese zeigte, dass fast jeder dritte Lehrling beispielsweise in der Gastronomie und im Bau seine erste Lehre abbricht. „Die Betriebe müssen jetzt Gas geben, wenn sie weiterhin qualifizierten Nachwuchs wollen“, zitiert der SRF Patrizia Hasler, Projektleiterin beim Schweizerischen Baumeisterverband (SBV). „Das heißt, sie müssen genau prüfen, ob sie sich trotz des Termindrucks auf dem Bau genug Zeit nehmen für die Ausbildung.“

Schaut man auf die Abbrecherzahlen unabhängig von der Branche, werden der Schweizerischen Berufsbildungsämter-Konferenz SBBK zufolge zehn Prozent der Lehrberufe abgebrochen. Wobei dies natürlich nicht nur auf die fehlende Betreuung durch die Betriebe zurückzuführen ist. Teilweise haben sich die Lehrlinge im Vorfeld auch nicht ausgiebig genug mit dem gewählten Beruf auseinandergesetzt.

Regelmäßig entschließt sich der Bundesrat, Betriebe von administrativen Belastungen zu befreien. Allein 2006 waren es 125 Maßnahmen. Doch trotz dieser vielen Maßnahmen sind wieder viele neue bürokratische Lasten entstanden. Wie der Bürokratiemonitor 2014 zeigt, investiert mehr als die Hälfte der KMUs (66 Prozent) bis zu 20 Stunden pro Monat für administrative Aufwände. „10 Prozent der befragten KMUs berichten keine externen, finanziellen Aufwände, knapp ein Drittel hat finanzielle Auslagen in der Höhe bis zu 500 Schweizer Franken monatlich.“

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