Österreichs Wirtschaft wächst langsamer als erwartet

Österreichs Wirtschaft wird in den zwei kommenden Jahren weniger wachsen als angenommen. Gleichzeitig wird ein Anstieg der Arbeitslosigkeit erwartet.

Die beiden führenden österreichischen Wirtschaftsinstitute haben ihre Konjunkturprognosen zurückgeschraubt. Gegenüber dem Vorjahr dürfte die Wirtschaft aber kräftiger wachsen, teilten das Wifo und das IHS mit. Die Schwäche der Weltwirtschaft dämpfe zwar vorübergehend das Exportwachstum in Österreich, die kräftig steigenden Konsumausgaben stützten jedoch die Konjunktur.

Neben Schwellenländern wie Russland, Brasilien und Venezuela ist vor allem die Entwicklung in China ausschlaggebend für die Entwicklung des Welthandels in den kommenden Monaten. Ein konjunktureller Einbruch hier sei das größte Risiko. Die Entwicklung der Rohstoffpreise spielt hierbei eine genauso wichtige Rolle wie die geplante Wirtschaftsumstellung des chinesischen Premiers Li Kequiang, warnt auch das deutsche Wirtschaftsforschungsinstitut RWI.

Für 2016 und 2017 erwartet das Wifo für Österreich dennoch jeweils einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 1,6 Prozent. Im Dezember hatten die Forscher noch ein Wachstum von je 1,7 Prozent vorausgesagt. Etwas weniger optimistisch ist hingegen das IHS, das für 2016 und 2017 je ein Plus von 1,5 (vorherige Prognose: 1,6) Prozent prognostiziert. 2015 wuchs die Wirtschaft nur wenig: Mit 0,9 Prozent blieb der Anstieg des BIP das vierte Mal in Folge unter einem Prozent.

Im Jahr 2015 wuchs die Wirtschaft in Österreich nur wenig. Mit +0,9 Prozent nahm das Bruttoinlandsprodukt das vierte Jahr in Folge gegenüber dem Vorjahr um weniger als 1 Prozent zu. Die privaten Konsumausgaben erhöhten sich hingegen wegen der hohen Arbeitslosigkeit und einer schwachen Einkommensentwicklung nur wenig. Die Konjunktur beschleunigte sich im Jahresverlauf kaum, die Wirtschaftsleistung stieg im vierten Quartal gleich stark wie in den zwei Quartalen davor, so das Wifo.

Die schwache Grunddynamik der Konjunktur dürfte im 1. Halbjahr 2016 anhalten. Die Steuerreform, die Anfang 2016 in Kraft trat, entlastet die Einkommen der privaten Haushalte und erhöht die Konsumausgaben ebenfalls, auch wenn dieser Effekt durch die Gegenfinanzierungsmaßnahmen abgeschwächt wird. Da die Zahl der Asylanträge 2016 voraussichtlich unter der von 2015 liegen wird, wird das Wachstum der Konsumausgaben 2017 wieder geringer ausfallen. Auch die Steuerreform liefert dann keine zusätzlichen Impulse mehr.

Das außenwirtschaftliche Umfeld dürfte im Jahresverlauf wieder an Dynamik gewinnen. In den USA bleibt die Konjunktur robust, und im Euro-Raum setzt sich die zögerliche Erholung der Wirtschaft fort. Zudem dürften die Rohstoffpreise die Talsohle bereits durchlaufen haben, sodass sich die Aussichten für die Schwellenländer allmählich wieder bessern. Die österreichischen Exporte dürften demnach 2017 wieder kräftiger zunehmen.

Die Zahl der Beschäftigten steigt auch im Prognosezeitraum deutlich. Zugleich erhöhen die Ausweitung der Erwerbsbevölkerung, u. a. bedingt durch die Flüchtlingsmigration, und der Anstieg des Pensionsantrittsalters sowie der Frauenbeschäftigungsquote das Arbeitskräfteangebot. Die Zahl der Arbeitslosen nimmt daher weiter zu. 2016 dürfte die Arbeitslosenquote auf 9,5 Prozent und 2017 auf 9,8 Prozent steigen.

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