Österreichs Mittelständler wollen weniger investieren

Die Stimmung bei den europäischen Mittelständlern hat sich deutlich im Vergleich zu den Vormonaten verbessert. In Österreich jedoch ist man skeptischer und plant auch, weniger zu investieren. Zu unsicher sind viele Unternehmer.

Das Europäische KMU-Barometer für das erste halbe Jahr ist deutlich positiver ausgefallen, als zunächst angenommen. So stieg der Geschäftsklima-Index auf 75,5 Punkte und damit deutlich über die 70-Punkte-Marke. „Erstmals äußern sich die KMU per Saldo positiv in Hinblick auf die Investitionen“, sagt Ulrike Rabmer-Koller, die Präsidentin des europäischen KMU- und Handwerksverbandes UEAPME und Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). „Erfreulich ist auch, dass die Erwartungen zur Beschäftigung nach fünf Jahren negativer Ergebnisse erstmals wieder positiv ausfallen“. Das sei ein wichtiges Signal für eine mögliche Trendwende. Vor allem der angezogene Konsum trage zu dieser Stimmungsaufhellung bei.

Ein Blick nach Österreich zeigt jedoch, dass hier die Stimmung durchaus noch kritischer ist als im Rest der EU. Nur in Griechenland ist die Stimmung noch schlechter als in Österreich. Das spiegelt sich auch in der Investitionsbereitschaft wider. Gerade in Österreich brauche es deshalb vertrauensbildende Maßnahmen und eine spürbare Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Unternehmen, so Rabmer-Koller.

Die Ungewissheit hinsichtlich des österreichischen Wachstums, das im vergangenen Jahr eher zu den Schlusslichtern der EU gehörte, ist für das geringe Investitionsinteresse der KMU verantwortlich. Aber auch der mögliche Brexit, der Abschwung in China und die möglichen Konsequenzen aus TTIP und CETA spielen dabei eine Rolle. Die wichtigsten Handlungsfelder der österreichischen Politik für das Jahr 2016 sollten daher mehr Entlastung und weniger Bürokratie, Impulse für Investitionen und die Verbesserung der Standortbedingungen sein.

„Gerade KMU brauchen Möglichkeiten, um geplante Investitionen zu finanzieren. Ein leichterer Zugang zu Finanzierung ist gemeinsam mit gut ausgebildeten Fachkräften und einem Abbau der Bürokratie das Hauptanliegen von KMU“, sagt die Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Nicht nur der Mittelstand auch Start-ups aus Österreich sehen die Frage nach Finanzierung als eine der Hauptgründe für ihre Existenzängste. Das erklärt auch die wachsende Nachfrage nach Investitionen über Crowdfunding-Plattformen.

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