Trübe Aussichten für die Schweizer Wirtschaft

Der Schwache Welthandel und die anhaltende Stärke des Schweizer Franken werden das Wachstum der Wirtschaft in diesem Jahr noch einmal verringern. Die Wachstumsprognose wurde auf 1,4 Prozent gesenkt, nach 09 Prozent Wachstum im vergangenen Jahr.

Die Zeichen zeigen auf geringeres Wachstum. Ob in der Schweiz, in Österreich oder auch in Deutschland, in allen Volkswirtschaften wurden die Prognosen für dieses und das kommende Jahr gesenkt. So erklärte das Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), dass es in diesem Jahr nur mit einem BIP-Wachstum von 1,4 Prozent rechnet. Im Dezember des vergangenen Jahres wurde noch ein BIP-Wachstum von 1,95 Prozent prognostiziert.

„Die konjunkturdämpfenden Wechselkurseffekte dürften im Verlauf von 2016 und 2017 sukzessive nachlassen“, so das SECO. Demgegenüber habe die internationale Konjunktur in den letzten Quartalen an Schwung verloren und es zeigten sich derzeit keine Anzeichen einer deutlichen Beschleunigung des weltweiten Wachstums. Gerade die Entscheidung der EZB, den Leitzins noch einmal zu senken, wird den Kurs des Schweizer Franken erneut belasten. Die SNB ist Draghis Kurs zwar in dieser Woche nicht gefolgt, betonte aber, notfalls einzugreifen.

„Wir schließen weitere Maßnahmen nicht aus“, sagte SNB-Präsident Thomas Jordan am Donnerstag im Schweizer Rundfunk. Derzeit gebe es jedoch keinen Handlungsbedarf. Daher beließen die Währungshüter den Leitzins auf dem Rekordtief von minus 0,75 Prozent. „Wir erwarten, dass die SNB die Zinsen stabil hält und frühestens in der zweiten Hälfte 2017 ändert“, sagte UBS-Experte Alessandro Bee. Über eine weitere Zinssenkung dürfte die SNB nach seiner Einschätzung erst bei einer starken Aufwertung auf einen Kurs von 1,05 Franken pro Euro nachdenken. Derzeit kostet ein Euro 1,0960 Franken.

Der wirtschaftliche Abschwung in China setzt den Welthandel weiter unter Druck. Zusätzlich dazu belastet die schlechte Performance in Russland und in Brasilien das Wirtschaftspotential der EU-Länder, die wiederum wichtige Abnehmer von Schweizer Produkten sind. Gerade Deutschland spielt hierbei eine große Rolle. Erst in dieser Woche hatte das Wirtschaftsforschungsinstitut RWI den Ausblick für das deutsche BIP-Wachstum für dieses Jahr von 1,4 von 1,8 Prozent gesenkt.

Entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland und in der Schweiz sind zudem die Rohstoffpreise. Der gefallene Kurs vieler Rohstoffe hat etlichen deutsche Unternehmen ein Gewinnplus beschert und diese vor notwendigen Sparprogrammen bewahrt. Steigende Rohölpreise würden in den kommenden Monaten die Bilanzen einiger Unternehmen also stark belasten. Gleichzeitig leidet gerade in der Schweiz derzeit eine ganz Branche unter den niedrigen Rohstoffpreisen. Die Erdölindustrie ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor des Landes. Nicht nur große Unternehmen wie Glencore sind in Schwierigkeiten, auch Zulieferer geraten zunehmend unter Druck.

Die pessimistischere wirtschaftliche Entwicklung in der Schweiz wird demnach in den kommenden Monaten zu einem weiteren Anstieg der Arbeitslosenzahlen führen. Erst im kommenden Jahr soll sich ein leichter Rückgang bei den Arbeitslosenzahlen zeigen, so die Wirtschaftsexperten der SECO.

Neben der Flüchtlingskrise sorgt zudem der mögliche Brexit für Unsicherheit bei den Schweizer Unternehmen. Das könnte sich in einer Reduzierung der Investitionen und einer Verknappung der Produktion widerspiegeln. Zumal beide Faktoren auch ein wirtschaftliches Risiko für den so wichtigen Handelspartner EU darstellen.

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