Brasiliens Öl-Riese Petrobras muss Rekordverlust verkraften

Brasiliens größter Konzern muss illegale Zahlungen als Verluste verbuchen. Niedrigere Erdölpreise drücken das Ergebnis weiter ins Minus. Die Justiz verurteilt einen ehemaligen Petrobas-Direktor.

Der skandalgeschüttelte brasilianische Ölkonzern Petrobras hat innerhalb von drei Monaten einen Rekordverlust von rund zehn Milliarden Dollar angehäuft. Im vierten Quartal hätten der Preisverfall und hohe Abschreibungen auf Ölfelder diese Lücke in die Bilanz gerissen, teilte der größte Konzern des Landes in der Nacht zu Dienstag mit. Dies war deutlich mehr als erwartet und dürfte der bereits am Boden liegenden brasilianischen Wirtschaft weiter zusetzen. Damit weitete Petrobras den Verlust aus dem Vorjahreszeitraum um fast die Hälfte aus, als vor allem Abschreibungen im Zusammenhang mit Preisabsprachen und Bestechungen für die roten Zahlen verantwortlich waren.

Der Ölpreis ist in den vergangenen Monaten eingebrochen, was die Branche weltweit hart getroffen hat. Viele Konzerne rutschten in die Verlustzone, setzten den Rotstift an und kürzten Investitionsprojekte zusammen. Auch die Brasilianer haben bereits Tausende Stellen gestrichen und Ausgaben reduziert.

Bei Petrobras kommt erschwerend ein Korruptionsskandal hinzu, in dessen Mittelpunkt Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff steht. In dem Zeitraum zwischen 2003 und 2010, als die Schmiergeldzahlungen stattfanden, war Rousseff Aufsichtsratsvorsitzende des Staatskonzerns. Sie weist jegliches Fehlverhalten zurück. Ihr Rückhalt in der Bevölkerung schwindet derzeit rapide. Immer wieder kommt es zu Massen-Demonstrationen. Zudem läuft ein Amtsenthebungsverfahren.

Petrobras kämpft sich durch einen regelrechten Sumpf von Schmiergeldvorwürfen. Unter anderem soll der Ölriese unrechtmäßig Gelder an politische Parteien geschleust haben. Mehrere Ex-Manager wurden festgenommen, die Konzernspitze trat im vergangenen Jahr zurück. Firmenchef Almir Bendine versicherte, Petrobras könne trotz des Rekordverlusts seine Schulden bis Ende 2017 bedienen, ohne frisches Geld zu benötigen. Zu Jahresende waren die Verbindlichkeiten des Konzerns um 40 Prozent zum Vorjahr gestiegen.

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