Billiger Ölpreis macht Suezkanal unattraktiver

Der traditionelle Suezkanal wird derzeit von deutlich weniger Schiffen genutzt als üblich. Die seit 150 Jahren bestehende Handelsroute ist derzeit teurer als eine Umschiffung ums Kap der Guten Hoffnung.

Fast 20 Jahre und etliche Leben hat der Bau des Suezkanal gekostet. Fertiggestellt 1869, konnten die Händler mit ihren Schiffen erheblich Zeit sparen. Der Suezkanal ist seitdem ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Roten Meer und dem Mittelmeerraum. So wichtig, dass sich die Regierung sogar entschlossen hat, ihn auszubauen, weil die Schiffe in den vergangenen Jahrzehnten immer größer geworden sind und der Handel zugenommen hat.

Der Ausbau soll dem ägyptischen Präsidenten eigentlich höhere Staatseinnahmen ermöglichen Abd al-Fattah as-Sisi. Im August des vergangenen Jahres wurde eine 35 Kilometer lange zweite Rinne eingeweiht. Die Staatseinnahmen sollen mit dem Ausbau von 8 Prozent auf fast 20 Prozent erhöht werden. Bis 2023 sollte der Ertrag auf 13,2 Milliarden Dollar gesteigert werden. Doch die aktuellen Ölpreise machen Ägyptens Regierung einen Strich durch die Rechnung.

Denn immer mehr Schiffe entscheiden sich, eben nicht die Route durch den Suezkanal zu nehmen.  Stattdessen nehmen sie wieder die ursprüngliche Route über das Kapp der guten Hoffnung am südlichsten Punkt Afrikas. Immerhin über 100 Schiffe sind allein zwischen Oktober 2015 und Ende Dezember 2015 dort entlang gefahren.

Ich befasse mich seit acht Jahren mit der Schifffahrt“, zitiert die BBC Michelle Wiese Bockmann von OPIS Tanker Tracker. „Es ist sehr selten, einen solchen Betrieb rund um das Kap zu sehen.“ Und das, obwohl eine Umrundung des Kaps den Weg von Rotterdam nach Singapur um 6.500 Kilometer verlängert. Einer der triftigen Gründe für diese Entwicklung seien die niedrigen Ölpreise.

Der niedrige Ölpreis hat dafür gesorgt, dass der Schiffsdiesel ebenfalls gesunken ist: Von 400 Dollar (Mai 2015) auf 150 Dollar pro Tonne. Nimmt man die Angaben von Maersk, wonach eine Durchfahrt durch den Suezkanal etwa 350.000 Dollar pro Schiff und Passage kostet, ist eine Umfahrung des Kaps derzeit einfach billiger als eine Durchfahrt durch den Kanal. Hinzu kommt, dass die Schiffe, die den Kanal durchqueren auch für diese Zeit auch noch eine heimische Crew beherbergen muss.

 

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