Handelsriese Metro will sich aufteilen

Der Handelskonzern Metro prüft eine Aufspaltung in zwei Teile. Das Geschäft mit Lebensmitteln wird vom Elektronikgeschäft abgetrennt. Insider halten auch einen Verkauf der kriselnden Supermarktkette Real für möglich.

Der Handelsriese Metro will sich aufspalten. Metro prüfe eine Aufteilung des Konzerns in zwei unabhängige, börsennotierte Geschäftseinheiten, teilte der Düsseldorfer Konzern am Mittwoch mit. Das Großhandels- und Lebensmittelgeschäft um die Cash&Carry-Märkte und die Real-Supermärkte solle im Wege einer Abspaltung auf eine neue Gesellschaft übertragen werden, bei der heutigen Metro solle die Elektronikhandelskette Media-Saturn verbleiben. Durch die Aufspaltung sollten beiden Teilen neue Wachstumsperspektiven eröffnet werden. Auch solle der Börsenwert deutlich gesteigert werden.

Unter anderem der Aufsichtsrat muss den Plänen aber noch zustimmen, die dann bis Mitte 2017 umgesetzt werden könnten. Die Großaktionäre Haniel, Schmidt-Ruthenbeck und Beisheim unterstützten das Vorhaben, zwei unabhängige Unternehmen zu schaffen. „Wir begrüßen die strategische Entscheidung“, sagte ein Haniel-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters.

Europas größter Elektronikhändler vereint Media Markt, Saturn und Redcoon unter einem Dach. Die Holding hat ihren Sitz in Ingolstadt. Chef ist der Niederländer Pieter Haas, der auch im Konzernvorstand der Metro sitzt. Media-Saturn hatte zuletzt einen Jahresumsatz von 21,7 Milliarden Euro eingefahren – gut ein Drittel des Konzernumsatzes der Metro. Mit rund 65.000 Mitarbeitern ist die Kette in 15 Ländern Europas vertreten. Mehr als die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet sie außerhalb des deutschen Heimatmarktes. Metro kontrolliert fast vier Fünftel der Anteile, gut ein Fünftel gehört Media-Saturn-Mitgründer Erich Kellerhals.

Metro und Kellerhals liefern sich seit Jahren einen erbitterten Machtkampf um das Sagen bei Media-Saturn. Media-Saturn-Chef Haas soll nun die Leitung der neuen Consumer Electronics Gruppe übernehmen. Bei Kellerhals wird das wenig Freude auslösen: „Haas sollte besser freiwillig seine CEO Position aufgeben (und) das Unternehmen verlassen“, schreibt er. Immerhin: Steht Media-Saturn als unabhängiges Unternehmen dar, können die Streithähne neue Lösungsmöglichkeiten ausloten. Kellerhals müsste dann nicht mehr mit Metro-Chef Olaf Koch um Auswege ringen, zwischen beiden ist das Tischtuch Insidern zufolge zerschnitten.

Denn Koch soll den Plänen zufolge Chef des neuen Großhandels- und Lebensmittel-Spezialisten werden. Dieser soll abgespalten werden und vor allem die Cash&Carry-Märkte sowie die Supermarktkette Real umfassen. Planspiele, die stark auf eine internationale Expansion setzenden Großmärkte unabhängig zu machen, hatte es bei der Metro immer wieder gegeben.

Cash&Carry betreibt rund 750 Großhandelsmärkte in 25 Ländern – darunter Wachstumsmärkte wie China oder Indien. Auch in Osteuropa, vor allem aber in Russland, hat die Kette eine starke Position. Cash&Carry erzielte zuletzt mit knapp 30 Milliarden Euro gut die Hälfte der Erlöse des Metro-Konzerns, über 110.000 Menschen arbeiten für die Kette. Koch hatte Cash&Carry eine stärkere Orientierung an Dienstleistungen verordnet, unter anderem durch Belieferung der Kunden soll die Firma wachsen.

Die Supermarktkette Real ist derzeit das Sorgenkind der Metro. Sie betreibt rund 293 Märkte in der Bundesrepublik, das Auslandsgeschäft hat Koch bereits verkauft. Der Umsatz sank zuletzt um über acht Prozent auf 7,7 Milliarden Euro. Koch modernisiert die Real-Märkte, die Kette hat sich zuletzt zudem aus der Tarifbindung verabschiedet. Die Gewerkschaft Verdi antwortet mit Streiks. Koch zufolge liegt das Gehaltsniveau bei Real deutlich über dem der Konkurrenten. Insidern zufolge lotet Metro auch einen möglichen Verkauf von Real aus.

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