Konkurrenzdruck: Österreichs Banken setzten auf Crowdfunding

Corwdfunding, Crowdinvestund und Crowdlending werden immer stärker auch zum Thema der Banken. Die neuen Formen der Kreditbeschaffung bzw. des Generierens von Investitionen sind auf dem Vormarsch und können für die Bankenwelt schnell zum Störfeuer werden, wenn diese den Anschluss an die neuen Bedürfnisse ihrer Kunden verlieren.

Im vergangenen Jahr wurden der österreichischen Wirtschaftskammer zufolge 8,1 Millionen Euro über so genannte Crowdfunding-Plattformen investiert. Beschränkt man sich nicht nur auf die Investitionen über Crowdfunding-Plattformen in Österreich, sondern schaut auch auf österreichische Projekte, die auf anderen Plattformen weltweit Kampagnen gestartet haben, ist das Finanzierungsvolumen noch deutlich höher als die 8,1 Millionen Euro. Mehr als 1.200 Crowdfunding-Plattformen existieren weltweit. Insgesamt haben 43 Crowdfunding-Projekte ihre anvisierte Finanzierungssumme im vergangenen Jahr erreicht. Das Investitionskapital lag bei mehr als 34 Milliarden Dollar. Das neue Crowdfunding-Gesetz unterstützt diese Entwicklung in Österreich.

Während der Deutsche Sparkassen- und Giroverband diese neuen Finanzwelt noch nicht als Konkurrenz wahrnimmt, sind Österreichs Banken schon deutlich wachsamer. Mittlerweile haben drei Banken, die Raiffeisen, die Erste Bank und die BAWAG erste Schritte in Richtung Crowdfunding unternommen. So rief die Vorarlberger Raiffeisen ihre eigene Crowdfunding-Plattform mit.einander.at ins Leben. Eine Plattform, mit der Vereine und gemeinnützige Initiativen Gelder einsammeln können. Eine Ausweitung auf andere Regionen Österreichs wird angestrebt. Seit mittlerweile eineinhalb Jahren gibt es www.crowfunding.at. Dasist die Crowdfunding-Plattform der Bawag P.S.K., mit der ebenfalls soziale Projekte unterstützt werden sollen.

Mit den Crowdfunding-Plattformen haben die Banken eine weitere Möglichkeit, ihre Bank bei Stammkunden positiv zu überraschen und gleichzeitig Neukunden zu finden. Gelingt es Projekten, das benötigte Geld einzusammeln, erhalten die Banken als Plattform-Betreiber zudem eine Provision. Das so genannte Crowdinvesting könnte aber eine Möglichkeit sein, tatsächlich ein weiteres Geschäftsfeld heranzuziehen. Hierbei vergeben Investoren über Plattformen wie Conda oder 1.000×1.000 Nachrangdarlehen an Projekte. Die Investoren erhalten dafür auch Zinsen. Das könnte auch für Banken interessant sein.

„Wir haben keine Ambitionen, selbst zum Plattformbetreiber zu werden. Aber wir prüfen zurzeit die Möglichkeiten von Kooperationen mit Crowdinvesting-Plattformen“, sagt Emanuel Bröderbauer, zuständig für Start-ups und Kooperationen bei der Erste Bank, dem Online-Magazin Trendingtopics.at. Tatsächlich hatte aber auch die Erste Bank ursprünglich über eine Plattform nachgedacht.

„Die Menschen haben Geld. Für Gute Ideen sind sie bereit Microinvestements zu tätigen. Die Erste Bank Oesterreich und Sparkassen können mit einer eigenen Crowdfunding-Plattform diesen Markt erobern und ein wichtiges Asset in die Nische bringen: Vertrauenswürdigkeit.“ – heißt es Ende 2013 auf der Internetseite der SLAB, der Co-Creation Plattform der Erste Bank und Sparkasse. Beim Status wurde jedoch vermerkt: „Derzeit keine Umsetzung.“

Mit Blick auf Crowdinvesting darf auch Crowdlending als Schlagwort nicht fehlen. Diese Form der Kreditbeschaffung wird für Mittelständler immer interessanter. Crowdlending vermittelte im vergangenen Jahr international ein Kreditvolumen in Höhe von schätzungsweise 50 Billionen Dollar. In den kommenden vier Jahren soll sich das Volumen auf rund 490 Billionen Dollar ausweiten. Im Vergleich dazu ist der deutsche Crowdlending-Markt noch relativ klein. Der deutsche Markt steht derzeit bei einem Volumen von 660 Millionen Euro. Vor allem der hohe bürokratische Aufwand, die Dauer der Bearbeitung und die notwendigen Sicherheiten für Kredite bei Hausbanken machen die digitale Plattform für die Mittelständler attraktiver.

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