Harte Einschnitte in Österreichs Bankensektor

Für Österreich erwarten die Bank-Manager einen besonders radikalen Stellenabbau in der Branche. Schlechte Zeiten für die Bank-Angestellten in Europa: Mehr als die Hälfte aller Banken (54 Prozent) will in den kommenden zwölf Monaten Personal abbauen. Vor einem Jahr gingen noch 43 Prozent von Einschnitten aus.

Österreich liegt mit 60 Prozent der Banken mit an der Spitze. Nur in den Niederlanden, Spanien (67 Prozent der Banken) und Deutschland (61 Prozent) gehen noch mehr Banker von Entlassungen aus. Zu diesem Ergebnis kommt der European Banking Barometer von Ernst & Young (EY). Befragt wurden insgesamt 250 Banken in Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, den Niederlanden, Österreich, Polen, den skandinavischen Ländern, Schweiz und Spanien.

Die Banken machen den Niedrigzins und die hohen Auflagen für den Sparkurs hauptverantwortlich. „Im aktuellen Niedrigzinsumfeld gibt es für die Banken im klassischen Kreditgeschäft kaum noch etwas zu verdienen.“ Die Lage werde sich vorerst auch nicht verbessern: „Die Eurozone lockert ihre Geldpolitik weiter und die schwache Entwicklung an den Kapitalmärkten führt zu sinkenden Einnahmen aus dem Wertpapierhandel“, so Georg von Pföstl zum Trend. Immer neue Wettbewerber auf dem Markt würden den Preisdruck weiter verschärfen.

Die Banken müssten daher ihren Sparkurs fortsetzen. Das wiederum belastet die Beschäftigungslage im gesamten Bankensektor weiter. Vor allem deswegen, weil die Personalkosten rund die Hälfte der operativen Kosten der Branche ausmachten, so von Pföstl.

Wer allerdings seinen Job behält, kann sich wohl über eine Gehaltserhöhung freuen. Im europäischen Durchschnitt will jede fünfte Bank (22 Prozent) das Gehalt erhöhen, in Österreich allerdings nur zehn Prozent, doppelt so viele österreichische Institute (20 Prozent) planen allerdings eine Reduktion.

Etwa 80 Prozent der befragten Banker erwarten in Österreich in den kommenden zwölf Monaten eine „mittlere“ oder gar „erhebliche“ Konsolidierung im Bankensektor. In keinem anderen Land ist die Zahl so hoch. Die Manager rechnen allerdings auch mit einer Marktbereinigung.

Trotz der schwachen Aussichten wollen die Banken mehr Kredite vergeben. Die Banker vermuten sogar eine Lockerung ihrer Kreditvergabepolitik für die meisten Branchen. Profiteur wäre der Mittelstand. Während im europäischen Durchschnitt 49 Prozent aller Banken von mehr Krediten an kleine und mittelständische Unternehmen ausgehen, sind es in Österreich allerdings nur 28 Prozent.

Trotz des schwierigen Umfelds blicken die meisten Banker optimistisch in die Zukunft. 52 Prozent erwarten, dass sich das operative Geschäft in den kommenden zwölf Monaten verbessern wird. Etwa 23 Prozent erwarten eine Eintrübung. In Österreich rechnen sogar sechs von zehn Banken mit besseren Geschäften in den kommenden zwölf Monaten. Nur die Banken in Irland (76 Prozent), Großbritannien (68 Prozent) und Spanien (66 Prozent) sind noch zuversichtlicher.

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