Stahlarbeiter demonstrieren gegen Konkurrenz aus China

Tausende Stahlarbeiter wollen am Montag bei einem Aktionstag für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstrieren, wie die Nachrichtenagentur dpa meldet. Die europäische Stahlbranche beklagt seit Längerem einen ruinösen Preiswettbewerb mit der Konkurrenz aus China. Mit Kundgebungen in Duisburg, Berlin und dem...

Tausende Stahlarbeiter wollen am Montag bei einem Aktionstag für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstrieren, wie die Nachrichtenagentur dpa meldet. Die europäische Stahlbranche beklagt seit Längerem einen ruinösen Preiswettbewerb mit der Konkurrenz aus China.

Mit Kundgebungen in Duisburg, Berlin und dem Saarland wollen die Beschäftigten auf die Bedrohung der deutschen Stahlbranche durch die Billig-Konkurrenz aus China aufmerksam machen. Nach Ansicht von IG-Metall-Chef Jörg Hofmann soll sich die Bundesregierung stärker für die Jobs einsetzen. „Die Bundesregierung muss sich klar positionieren, wie sie die Arbeitsplätze sichern will“, sagte Hofmann der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung.

Sorge bereitet auch die in der EU geplante Neuregelung des Emissionshandels, durch die hohe Kostenbelastungen befürchtet werden. „Deutschland muss ein Treiber in Brüssel sein auch für effektivere Schutzmaßnahmen gegen Dumpingstrategien“, forderte Hofmann. Mit ihren Klimaschutzplänen und „zu laschen“ Zöllen auf chinesische Importe gefährde die Eu-Kommission außerdem die europäische Stahlindustrie. Hofmann warnte, dass wenn die Weichen nicht anders gestellt würden, in den deutschen Werken in absehbarer Zeit die Lichter ausgingen.

Am Montagmorgen sollen die Anlagen beim größten deutschen Stahlhersteller Thyssenkrupp in Duisburg heruntergefahren werden, bevor dann am Nachmittag Vertreter der Gewerkschaft IG Metall, der Politik und der Unternehmen sprechen werden. Zu einer Kundgebung vor den Toren des größten deutschen Stahlstandorts in Duisburg werden neben IG-Metall-Chef Hofmann auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, erwartet.

Die Umweltorganisation BUND hält es dagegen für „scheinheilig“, dass die Stahl-Unternehmen den Klimaschutz für ihre wirtschaftlichen Probleme mitverantwortlich machten. „Wie kaum ein anderer Industriezweig hat die Stahl-Branche vom Emissionshandel profitiert, weil dieser energieintensive Unternehmen stark begünstigt“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger am Sonntag. Die deutsche Eisen- und Stahlindustrie habe den Daten der Deutschen Emissionshandelsstelle zufolge bislang stets alle Emissionen mit kostenlosen Zertifikaten decken können.

Bereits am Donnerstag hatten rund 4000 Beschäftigte der niedersächsischen Stahlindustrie protestiert. Dass China billigen Stahl auf den Weltmarkt werfe, habe zu einem „ruinösen Preiswettbewerb“ geführt, hatte der Vorstandsvorsitzende der Salzgitter AG, Heinz Jörg Fuhrmann, beklagt. „Das ist ein Tsunami, dem wir aus eigener Kraft nicht viel entgegensetzen können“, warnte der Chef des zweitgrößten deutschen Stahlkonzerns.

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  1. Volker K. sagt:

    „Die Bundesregierung muss sich klar positionieren, wie sie die Arbeitsplätze sichern will“

    Nun weint eine Gewerkschaftsführung, welche vermutlich nie die Interessen der
    eigenen Klientel im Auge hatte , wieder einmal bittere Krokodilstränen.
    Und was erwarten die Herrschaften von dieser Regierung? Wenn die bis heute nicht in der
    Lage war, mit Zollbarrieren den Dumpingpreisen den Kampf anzusagen, dann werden die
    dies auch jetzt nicht schaffen.
    Solange man in diesem Land glaubt, statt mit Wissen und Können nur mit immer niedrigeren Löhnen dem Wettbewerb standhalten zu können, wird die bewußte Verblödung der Bevölkerung durch die Medien und das verrottete Schulwesen weitergehen.
    Immer mehr Arbeitsplätze werden ausgelagert werden.
    Als vor Jahren Chinesen & Koreaner begannen, stillgelegte deutsche Stahlwerke komplett
    in Deutschland abzubauen und in China und Korea neu aufzubauen, da war die Welt noch
    in Ordnung.
    Aber man plante mit der Schließung hiesiger Werke neue Kapazitäten in den USA, welche
    man nach wenigen Jahren Betrieb wieder zu verscherbeln suchte – die Krise….
    Hatte man ja nicht gewußt.

    Und woher soll denn die Nachfrage nach Stahl kommen, wenn es diese Regierung
    ihrem Herrn und Gebieter erlaubt, der eigenen Automobilindustrie ans Bein zu pinkeln.