Britische Unternehmen fürchten Brexit

Die Unsicherheit über den Ausgang des Referendums dominiert die britische Wirtschaft. Bisher gibt es Umfragen zufolge keine klare Mehrheit gegen einen EU-Austritt. Aus diesem Grund halten sich immer mehr Investoren und Unternehmen aus anderen Ländern mit ihren Aktivitäten in Großbritannien zurück. Besonders hoch ist die Unruhe aber unter den britischen Finanzchefs.

Am 23. Juni sollen die Briten über den Verbleib ihres Landes in der EU entscheiden. Das Land ist gespalten. In keiner Umfrage konnte bisher eine eindeutige Mehrheit für einen Verbleib oder einen Austritt gefunden werden. Trotz des ausstehenden Referendums spüren viele britische Unternehmen die potentiellen Folgen eines Brexits schon.

Für die britischen Finanzvorstände ist das derzeit größte Risiko ihrer Unternehmen bei einem Austritt Großbritanniens aus der EU zu finden. Drei Viertel der von Deloitte befragten Vorstände nannten einen Verbleib des Landes in der EU vorteilhaft für ihre Unternehmen. Ende des vergangenen Jahres waren es nur 62 Prozent. Es gebe bereits spürbar weniger Fusionen und Übernahmen, da Pläne aufgrund der hohen Unsicherheit hinsichtlich des Referendums in der Schublade liegen bleiben, so David Sproul von Deloitte. Bisher haben der Umfrage zur Folge hat ein Viertel der Unternehmen bereits einen Notfallplan.

„Eine Entscheidung für einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union („Brexit“) würde zu anhaltender Unsicherheit führen und wäre negativ für die Bonität der in Großbritannien ansässigen Unternehmen aus der Automobilbranche, dem verarbeitenden Gewerbe, der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie sowie dem Dienstleistungssektor“, hieß es von der Ratingagentur Moody’s zum Referendum. „Das größte Bonitätsrisiko, das sich für die Unternehmen aus einem Brexit kurzfristig ergeben könnte, besteht in der Unsicherheit, die sich in Bezug auf Handelsbeziehungen, Branchenregulierung und Arbeitsmobilität ergeben würde“:

„Ohne neue Vereinbarungen würden nach einem Brexit für viele britische Unternehmen EU-Einfuhrzölle gelten, so z. B. 10 % auf Automobile, was für Hersteller wie Jaguar Land Rover Automotive Plc (Ba2, positiv) oder Aston Martin Holdings (UK) Limited (B3, stabil) relevant wäre. Von neuen Zöllen oder zollunabhängigen Handelsschranken könnten ferner die Lieferketten derjenigen Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe betroffen sein, die Waren aus der EU einführen. (…).“

Mitte der Woche warnte der IWF vor einem Brexit. Dieser könnte global und regional schweren Schaden anrichten, da er etablierte Handelsbeziehungen unterbrechen würde, so IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld. „Wenn die Briten sich dazu entscheiden, die  EU zu verlassen, werden viele Dinge geschehen. Es wird eine große Unsicherheit entstehen – nicht nur bezüglich Großbritanniens, sondern bezüglich der gesamten Europäischen Union,“ sagte auch der Ökonom Nouriel Roubini jüngst in einem Gespräch mit dem Nachrichtensender Bloomberg.

Die EU hat extra aufgrund des ungewissen Ausgangs des Referendums nun auch einen geplanten EU-Gipfel verschoben. Dieser hätte am 23. und 24. Juni stattfinden sollen. Nun soll er einige Tage nach dem Referendum stattfinden, so dass der Gipfel genutzt werden kann, um mögliche Konsequenzen über den Ausgang zu ziehen.

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