Hoher Franken und Fleischkritik schwächen Fleischindustrie

Die Schweizer Fleischindustrie steckt in Schwierigkeiten. Nach der Aufhebung des Mindestkurses ist der Kauf von Fleisch im Ausland innerhalb des vergangenen Jahres um mindestens zehn Prozent gewachsen. Auch die Fälle geschmuggelter Ware haben zugenommen. Zusätzlich dazu kritisiert die Fleischindustrie die „Bevormundung“ der Bürger, wenn es darum geht, weniger Fleisch zu essen.

„Aufgrund des unverändert hohen Margendrucks sowie des nach wie vor zunehmenden Einkaufstourismus ist das Fleischjahr 2015 aus wirtschaftlicher Sicht verhalten ausgefallen“, so lautet die Bilanz des Schweizer Fleisch-Fachverbands. Die Branche sieht sich mit zahlreichen Problemen konfrontiert. Im vergangenen Jahr ist dem Verband zufolge der statistisch erfasste Fleischkonsum pro Kopf um zwei Prozent gesunken. Vor allem der Konsum von Schweine-, Kalbs-, Pferde- und Rindfleisch ging zurück.

Dies unter anderem ist auf den starken Anstieg der Fleischpreise aufgrund der massiven Aufwertung des Franken zurückzuführen. Dieser hat gerade auch bei Lebensmitteln zu einem verstärkten Einkaufstourismus geführt. Zahlreiche Schweizer haben ihre Lebensmittel im angrenzenden Ausland gekauft. Allein der Einkaufstourismus beim Fleisch soll innerhalb von 12 Monaten um mindestens zehn Prozent gestiegen sein, so der Verband.

Entsprechend hat der Schweizer im vergangenen Jahr im Schnitt zwischen acht und zehn Kilogramm Fleisch im grenznahen Ausland gekauft. „Seit dem Beginn der Aufwertung des Schweizer Frankens im Jahre 2008 haben sich die Fleischeinkäufe ennet der Grenze ungefähr verdreifacht.“ In diesem Zusammenhang sei auch der Grenzschmuggel zu sehen. Dieser hat im vergangenen Jahr um 40 Prozent zugenommen. „Der Natur der Sache entsprechend ist hier zusätzlich mit einer sehr grossen Dunkelziffer zu rechnen.“

Die Fleischindustrie sucht die Gründe für den gesunkenen aber auch in der Politik:

„Im Zusammenhang mit dem Fleischkonsum machen sich in unserer Gesellschaft gerade in den letzten Monaten und Jahren bedenkliche Tendenzen breit, die anstelle der Wahlfreiheit des einzelnen die Bevormundung durch Gebote und Verbote in den Vordergrund rücken. Beispiele hierfür gibt es zuhauf, wie dies die Aufrufe bzw. inakzeptablen Zwangsvorgaben für fleischlose Tage (…) sowie die unsäglichen Krebsstudien der WHO bzw. der Eidgenössischen Ernährungskommission bestens illustrieren. Dieses anhaltende und einseitige Sperrfeuer auf das Lebensmittel Fleisch bereitet der gesamten Fleischbranche zunehmend Sorgen, zumal sich die damit verbundenen Botschaften mit der Zeit ungerechtfertigterweise in den Köpfen der Schweizer Bevölkerung festsetzen könnten, was wohl die Absicht der Initianten ist.“

Die Höhe der Fleischproduktion in der Schweiz indes blieb relativ konstant bei mehr als 345.000 Tonnen. Die Exporte der Schweizer Fleischindustrie gingen – auch aufgrund der Frankenaufwertung – um 11,4 Prozent bzw. 973 Tonnen zurück.

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