Unternehmen sind nicht krisensicher

Viele Unternehmens-Chefs kennen die Risiken für ihr Unternehmen. Doch statt hier vorzubeugen und Krisenpläne auszuarbeiten, werden die Risiken lediglich benannt. Vor allem Reputationsschäden und Cyberangriffe fürchten die Konzerne.

Brexit, wirtschaftlicher Abschwung in China, fallende Rohstoffpreise, Unruhen, Terror – derzeit gibt es zahlreiche Aspekte, die zu einem schnellen wirtschaftlichen Abschwung bzw. zu riskanten Aktionen am internationalen Finanzmarkt führen können. Umso wichtiger ist eine Krisenstrategie für Unternehmen, um zumindest kurzfristig auf drastische Veränderungen adäquat reagieren zu können. Doch trotz der Erfahrungen mit der Lehmann-Pleite und der folgenden Finanzkrise sind die Unternehmen jedoch noch immer nicht krisenfest.

Zwar glaubt die überwiegende Mehrheit der Vorstandsmitglieder, dass ihre Unternehmen in einer plötzlichen Krisensituation richtig reagieren würden, aber lediglich 49 Prozent verfügen über ein Krisenhandbuch. Das geht aus einer aktuellen Deloitte-Studie hervor, die 300 Vorstandsmitgliedern führender Unternehmen mit Jahresumsätzen zwischen 500 Millionen und 20 Milliarden Dollar befragt hat.

„Die Ergebnisse der globalen Studie decken sich mit unseren Erfahrungen in Österreich“, sagt Alexander Ruzicka, Partner Enterprise Risk Services bei Deloitte Österreich. In sehr vielen Unternehmen herrsche zwar Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zur Krisenbewältigung, es mangele aber an konkreten Präventionsmaßnahmen. „Diese Fehleinschätzung kann gefährliche Folgen haben“, so Ruzicka. „Jedes Unternehmen wird früher oder später mit Krisen konfrontiert – dann zeigt sich, ob den Worten auch Taten folgen können.“

Als größte Gefahren für ihr Unternehmen nennen die Vorstandsvorsitzenden den Reputationsverlust (73 Prozent) und Gefahren durch Cyberkriminalität (70 Prozent). Hier zeigt sich ein ähnliches Bild wie zuvor. Trotzdem viele Vorsitzende die Gefahr kennen, haben nur etwas mehr als ein Drittel einen Notfallplan für diese Situationen.

„In den Unternehmen muss ein stärkeres Bewusstsein für die Wichtigkeit der Prävention, Erkennung und Bekämpfung von Krisen geschaffen werden“, sagt Ruzicka. Doch das funktioniert nur, wenn Vorstand und Management eng zusammenarbeiten und zusammen früh genug Vorsichtsmaßnahmen und Krisenpläne schaffen. „Wenn es bereits eine Krise gibt, ist es zu spät.“

Wie real die Gefahr durch beispielsweise Cyberangriffe ist, zeigte jüngst der Mobilfunkanbieter A1. Hacker hatten das mobile Datennetz des Anbieters im Februar bewusst überlastet und damit immer wieder für Ausfälle gesorgt. Millionen Handy- und Festnetzkunden waren von dem Angriff betroffen. „Cyberangriffe werden immer besser, komplexer und spezifischer“, sagte Lukas Praml, Geschäftsführer der Österreichischen Staatsdruckerei (OeSD) bei einer Diskussionsrunde des Fachmagazins futurezone.at.

Viele österreichische Unternehmen seien Georg Chytil, dem Geschäftsführer des Telekommunikationsdienstleistungs- und Beratungsunternehmens next layer, zufolge nicht ausreichend für die Gefahren von Cyberangriffen sensibilisiert. „Es gibt kleine Firmen, die gut aufgestellt sind, es gibt genauso welche, die das ein bisschen vernachlässigen.“

Dabei gibt es Kompetenzen im Land, die die österreichischen Unternehmen nutzen könnten. Seit April des vergangenen Jahres gibt es das Josef-Ressel-Zentrum an der FH St. Pölten. Dieses hat es sich zur Aufgabe gemacht, Cyberangriffe zu erforschen und zu verhindern.

 

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