Nord Stream: Österreichischer Stahl-Riese holt Großauftrag aus Russland

Der österreichische Stahlkonzern voestalpine hat beim Bau der russisch-europäischen Pipeline Nord Stream 2 den größten Auftrag seiner Geschichte bekommen. Die EU und Deutschland stehen den Plänen äußert kritisch gegenüber.

Der österreichische Konzern voestalpine hat beim russisch-europäischen Pipeline-Projekt „Nord Stream 2“ einen Großauftrag erhalten. Der Konzern soll mehrere hunderttausend Tonnen an Spezialblechen für den Bau von Gasleitungen liefern. Das ist bisher der größte Auftrag, den voestalpine in seiner Konzerngeschichte erhalten hat. Genaue Zahlen zum Auftragsvolumen wurden noch nicht veröffentlicht.

Bei Nord Stream 2 handelt es sich um eine insgesamt 1200 Kilometer lange Pipeline, die Erdgas von Sibirien durch die Ostsee nach Deutschland transportieren soll. Voestalpine hatte bereits zwischen 2008 und 2010 für den ersten Teil der Gasleitung „Nord Stream 1“ 170.000 Tonnen Röhrenbleche geliefert. „Angesichts des aktuell hoch kompetitiven Marktumfeldes bei Investitionen in der Öl- und Gasindustrie ist dieser Großauftrag äußerst erfreulich. Er beweist einmal mehr, dass die voestalpine bei technologisch anspruchsvollen Pipeline-Projekten als verlässlicher Partner für Spezialprodukte mit höchsten Qualitätsanforderungen gilt“, sagt der Chef der Stahlabteilung von voestalpine, Herbert Eibensteiner, in einer Mitteilung.

Der russische Energieriese Gazprom hatte im September mit europäischen Partnern vereinbart, die bestehende Pipeline Nord Stream, die Gas aus Russland über die Ostsee nach Deutschland bringt, auszubauen. Mit dem Bau der Pipeline soll die Ukraine und Polen umgangen werden. Moskau fürchtet, dass die Abhängigkeit der polnischen Regierung von den USA zu Feindseligkeiten wie mit der Ukraine führen könnte. Russland will sicherstellen, dass die Kunden in Westeuropa trotz geopolitischer Spannungen bedient werden.

Einige europäische Politiker sind der Ansicht, dass durch dieses Projekt die EU-Abhängigkeit von russischem Gas bestehen bleiben soll. Es spreche viel dafür, dass Nord Stream 2 die Ziele der vereinbarten europäischen Energiepolitik konterkariert, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen im Dezember. „Wir wollen die Abhängigkeit von Russland in der Energiefrage reduzieren. Nord Stream 2 widerspricht diesem Ziel“. Die EU-Kommission hatte bereits angekündigt, das Projekt zu prüfen.

Die EU setzt weiter auf eine Energie-Union, bei der die Energie-Politik der Nationalstaaten zentralisiert werden soll. Im Februar hatte die EU angekündigt, dass sie Einblick in die Gas-Verträge der europäischen Energie-Unternehmen mit Russland fordert. Für den Kamp um den europäischen Markt ist ein Konflikt mit Russland unvermeidlich.

Kommentare

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  1. götz von berlichingen sagt:

    Es scheint aber Sinn zu machen, Gas aus Übersee mit Schiffchen nach Rotterdamm zu bringen – dabei ist es völlig unwichtig, wie teuer dieser Transport, Herstellung etc. ist, solange nur Banken aus Übersee die „Zwischenfinanzierung“ machen…
    Ferstehen dürfte bei diesem Geschäft, dass der Dumme der Verbraucher ist. Ob man nun Putin mag oder nicht, er hat nun mal die besseren Karten…