Betrugsfälle in Österreichs Unternehmen häufen sich

In den vergangenen zwei Jahren ist die Zahl der Unternehmen, die von Betrugsfällen betroffen wurden, rasant gestiegen. Dabei ist nicht nur Korruption aus dem Inneren ein Problem. Denn vermehrt müssen sich Unternehmen mit Cyber-Kriminalität und Angriffen von außen auseinandersetzen.

Die Zahl der Betrugs- und Korruptionsfälle in österreichischen Unternehmen ist größer als der internationale Durchschnitt. 24 Prozent der Unternehmen waren in den vergangenen zwei Jahren von derartigen Fällen betroffen. Weltweit waren es lediglich 12 Prozent der Firmen. „Nur in der Ukraine (48 Prozent), Kenia (36 Prozent) und Südafrika (26 Prozent) gibt es laut Aussage der dort tätigen Manager noch mehr entdeckte Betrugsfälle als in Österreich“, heißt es in der aktuellen „Global Fraud Survey“ des Beratungsunternehmens Ernst & Young.

„Eine explizite Steigerung der Kriminalität in Unternehmen in Österreich ist aus den Untersuchungsergebnissen per se nicht abzuleiten“, so Andreas Frohner, Leiter der Abteilung Fraud Investigation & Dispute Services bei EY Österreich. Unternehmen würden im Gegenteil eher professioneller in der Aufarbeitung sowie zunehmend transparenter im Umgang mit derartigen Fällen. Insbesondere hätten sich hier die verstärkte Implementierung von Hinweisgebersystemen, also sogenannten Whistleblower-Hotlines, und die Stärkung der Rolle der Internen Revision positiv ausgewirkt. „Allerdings ist die Kriminalität von außen in Form von Cyber-Attacken tatsächlich stark ansteigend.“

Ähnlich sieht es auch Benjamin Weissmann, der Leiter der Cyber-Forensik bei EY Österreich. Aber neu sei, dass die Angriffsziele spezifischer werden und nun auch der Mittelstand ins Fadenkreuz der Angreifer gerät. „Die Tricks der Angreifer werden dabei immer ausgefeilter und schwerer zu durchschauen – sie reichen von klassischen Hacker-Angriffen bis hin zu sogenanntem Social Engineering, bei dem Betrüger meist unternehmensinterne Systeme infiltrieren und sich als hochrangige Mitarbeiter ausgeben, um Zahlungen zu beauftragen.“

Mehr als die Hälfte der Unternehmensmanager bezeichneten Cyber-Attacken auch von sich aus als großes Risiko. Vor zwei Jahren waren es deutlich weniger (42 Prozent). International gesehen ist die Angst vor Cyberangriffen nicht so groß wie in Österreich (47 Prozent).

Im Gegensatz zu Unternehmen aus Ländern wie Südafrika oder der Ukraine nehmen die österreichischen Manager die nationalen Behörden ernst. So sind 52 Prozent dieser Manager der Ansicht, dass die österreichischen Strafverfolgungsbehörden Fälle von Bestechung und Korruption verfolgen und zu einer Verurteilung bringen. Was allerdings nicht damit gleichzusetzen ist, dass entsprechend auch seltener korrumpiert wird.

Tatsächlich wird die International tätige Financial Action Task Force (FATF) aller Wahrscheinlichkeit nach im Sommer einen Bericht zum Thema Geldwäsche und Korruption veröffentlichen. Der Bericht soll Österreich teils erhebliche Defizite im Bereich der Geldwäscheprävention ausstellen. Aber auch eine mangelnde Gewerbeaufsicht beim Handel mit Edelmetallen soll Inhalt des Berichts sein. „Der FATF-Länderbericht ist noch nicht endgültig. Er wird derzeit noch endbesprochen, im Sommer wird er veröffentlicht“, zitiert profil.at die Sprecherin des Bundeskriminalamtes Silvia Strasser. „Grundsätzlich ist es aber richtig, dass er kritisch sein wird.“

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