Kritik an Kaufprämie für Elektroautos

Auf dem so genannten Autogipfel haben sich die Beteiligten auf eine Kaufprämie in Höhe von 4.000 Euro für reine Elektroautos geeinigt. Doch für etliche Kritiker trägt die Entscheidung wieder einmal zu stark die Handschrift der Autoindustrie. Tatsächlich würden der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel und Investitionen in neue Umwelttechnologien einen viel höheren Einfluss auf den Umweltschutz haben.

„Wer Kaufanreize ohne Berücksichtigung der Effizienz der Fahrzeuge, deren Einsatzzweck oder des verwendeten Stroms einführt, wird keinen die Umwelt oder das Klima schützenden Effekt erzielen“, sagte Hubert Weiger, der Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) anlässlich der Kaufprämie:

„Die Förderung der Elektromobilität ist sinnvoll, wenn es um die Förderung intelligenter öffentlicher Verkehrssysteme geht. Grundlage dafür ist der entschlossene Ausbau erneuerbarer Energien. Die Pläne der Bundesregierung zur Förderung von Elektroautos tragen die Handschrift der Autoindustrie, die dann gönnerhaft erklärt, sich an der Finanzierung beteiligen zu wollen. Vor dem Hintergrund nicht nachvollziehbarer Aufpreise für Elektroautos und seit Jahren erzielten Rekordgewinnen können die Autokonzerne die von ihnen angebotenen Zuschüsse aus der Portokasse zahlen.“

Tatsächlich trage der Deal zur Privilegierung hochpreisiger und hochmotorisierter Autos bei. Vor allem vor dem Hintergrund, dass Die Autohersteller Elektroautos derzeit teuer verkaufen. Im vergangenen Jahr veröffentlichte der BUND ein Gutachten, das zeigte, dass diese teuren Preise nicht durch Mehrkosten für die Entwicklung neuer Bauteile gerechtfertigt werden könnten.

Zusätzlich dazu spielt in Sachen Umweltschutz auch die Frage, welchen Strom die Elektroautos nutzen, eine wichtige und doch oft vernachlässigte Rolle. „Die 600 Millionen Steuergelder wären besser in der Erforschung und Entwicklung neuer Umwelttechnologien angelegt“, sagt auch der neue Chef des Ifo-Instituts, Clemens Fuest. Schließlich sei die Technologie, die gefördert wäre, nicht neu.“

Die Bundesregierung hatte sich diese Woche mit den Spitzen der Autoindustrie auf die Förderung verständigt. Die Kaufprämie für reine Elektro-Autos soll 4.000 Euro betragen, für sogenannte Plug-In-Hybridfahrzeuge 3000 Euro. Staat und Industrie teilten sich die Kosten des Prämienprogramms von insgesamt 1,2 Milliarden Euro je zur Hälfte. Beginnen soll die Förderung schon Mitte Mai.

Die Kaufprämie wird sicher zu einem besseren Absatz der E-Autos führen. Doch das Ziel bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen, ist auch damit kaum zu halten. In Deutschland wurden im Jahr 2014 rund 8.500 E-Autos neu zugelassen. Autos mit alternativem Antrieb – dazu gehören auch Hybrid- und Erdgas-Autos – erreichten laut Kraftfahrt-Bundesamt einen Marktanteil von 1,7 Prozent. In Norwegen hingegen hatten Elektroautos 2014 einen Marktanteil von 17,1 Prozent erreicht. Der Marktanteil liegt hier bei 12,5 Prozent.

Die Niederländer sind bei der Förderung der E-Autos noch radikaler. Niederländische Politiker haben für einen Antrag gestimmt der den Verkauf von neuen Benzin- und Diesel-Pkw ab dem Jahr 2025 verbieten. In weniger als zehn Jahren könnten damit nur noch E-Autos in den Verkauf kommen. In Österreich werden ähnliche Pläne diskutiert.

Kommentare

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  1. syssiphus sagt:

    Ich dachte immer,unsere Klima-und nun auch Subventionskanzlerin wär alternativlos,aber die Niederländer und Östereicher setzen noch einen drauf.