Norwegischer Staatsfonds bestimmt Schweizer Wirtschaftspolitik

Der Chef des norwegischen Staatsfonds hat angekündigt, eine Kürzung von Manager-Gehältern vorzubereiten. Das könnte auch die Schweizer Unternehmen treffen. Denn der der Staatsfonds hat Milliarden in diese investiert.

Ähnlich wie in Deutschland sind auch in der Schweiz die hohen Managergehälter ein Streitpunkt. Ausgerechnet der norwegische Staatsfond könnte im Fall der Schweiz nun jedoch den hohen Gehältern einen Riegel vorschieben. Der Staatsfonds ist neben den USA der größte Investor in der Schweiz.

Der weltgrößte Staatsfonds warte auf den richtigen Beispielfall, um seine Prinzipien darzulegen, sagte Fondschef Yngve Slyngstad der FT. Die Entlohnung von Managern sei inzwischen ein weltweites Thema. Der Fonds müsse sich damit beschäftigen, welche Gehaltshöhe angemessen sei, sagte Slyngstad. Der Fonds, der Norwegens immense Einnahmen aus der Öl- und Gasförderung anlegt, ist ein Gigant in der Finanzwelt. Er verwaltet Vermögenswerte von mehr als 830 Milliarden Dollar. Ende 2015 hielt er Anteile von mehr als 9000 Unternehmen.

Aktionäre machen immer öfter Front gegen die aus ihrer Sicht überhöhte Entlohnung von Managern. Vor wenigen Wochen hatte das Beispiel BP für Aufsehen gesorgt. Nach einem Rekordverlust der Ölfirma wehrten sich die Aktionäre gegen die vorgesehene Gehaltserhöhung von 20 Prozent für Konzernchef Bob Dudley. Auf der Hauptversammlung stimmten mehr als 59 Prozent der Anteilseigner gegen Pläne, Dudley 20 Millionen Dollar für 2015 zu zahlen. Die Abstimmung war zwar nicht bindend, stand aber im deutlichen Kontrast zu den Zustimmungsquoten von bis zu 90 Prozent früherer Jahre. Auch bei der Credit Cuisse sprachen sich die Kleinanleger bei der Generalversammlung in der vergangenen Woche gegen die Millionen-Gehälter aus. Doch die einflussreichen ausländischen Anteilseigner stellten sich auf Seiten des Managements.

Das könnte sich nach den neuesten Überlegungen des norwegischen Staatsfonds bald ändern. Aufgrund des starken Engagements des Fonds in der Schweiz, könnten zahlreiche Firmen des Landes von dem Richtungswechsel betroffen sein. Drei Schweizer Unternehmen gehören zu den sechs Unternehmen, an denen der norwegische Fonds die größten Beteiligungen hält. Nestle steht an der Spitze, gefolgt von Apple. Die Roche Holding und Novartis gehören ebenfalls dazu.

2015 besaß der Staatsfonds Beteiligungen an Schweizer Unternehmen in Höhe von mehr als 27,93 Milliarden Dollar. Schweizer festverzinsliche Wertpapiere im Wert von über 5 Milliarden Dollar gehören ebenfalls dazu. In 1.400 Schweizer Firmen findet man den Fonds. Dazu gehören unter anderem bei der Basellandschaftliche Kantonalbank, der Basler Kantonalbank, der Centralschweizerische Kraftwerke AG, der Flughafen Zuerich AG, Kuehne + Nagel International AG und der Swatch Group AG.

Norwegens Staatsfonds umfasst 870 Milliarden Dollar. Neben der Überlegung, die Gehälter zu deckeln, will der Fonds zukünftig auch stärker in die unternehmerische Leitung eingreifen, vor allem, wenn es um Direktoren oder die Zusammensetzung des Vorstands geht. Anfangs wollte man sich nicht in diese Belange einmischen und erklärte das mit dem Standpunkt, dass man nur ein Finanzinvestor sei. Angesichts des rasanten Anstiegs an Beteiligungen weltweit drängt sich mittlerweile die Frage nach mehr Verantwortung eines solch großen Investors auf.

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