Österreich: Bahn-Manager Christian Kern könnte neuer Kanzler werden

Der Chef der Staatsbahnen (ÖBB), Christian Kern, hat die besten Aussichten, neuer Bundeskanzler in Österreich zu werden. Die Sozialdemokraten haben sich offenkundig auf ihn geeignet. Allerdings hat der Koalitionspartner ÖVP Bedingungen gestellt, um der SPÖ weiter den Kanzler zu gewähren.

In Österreich deutet alles auf den Bahn-Manager Christian Kern als neuen SPÖ-Parteichef und Bundeskanzler hin. Sein wichtigster Konkurrent im Rennen um die Nachfolge des zu Wochenanfang zurückgetretenen Regierungschefs Werner Faymann, der frühere RTL -Boss und derzeitige Turner-International -Präsident Gerhard Zeiler, habe am Donnerstag das Handtuch geworfen, berichtete die Nachrichtenagentur APA unter Berufung auf einen Sprecher des Medienmanagers. Kern ist somit offenbar der einzige verbliebene Kandidat für den Posten.

Zuvor hatten bereits diverse Medien berichtet, dass die Würfel zugunsten von Kern gefallen seien. Die SPÖ bestätigte dies zunächst nicht. Die Mehrheit der SPÖ-Landesorganisationen hat sich allerdings bereits öffentlich für Kern ausgesprochen. Offiziell präsentiert werden soll der neue Mann an der Spitze der Sozialdemokraten nach derzeitigem Stand am Dienstag.

Der 50-jährige Kern hatte 2010 bei der hochdefizitären, staatlichen Bahn ÖBB das Ruder übernommen. In den vergangenen Jahren war es ihm gelungen, den Konzern wieder in die Gewinnzone zu führen. Davor war er unter anderem Manager bei Österreichs größtem Stromkonzern Verbund. Politische Erfahrung sammelte Kern als Sprecher des SPÖ-Parlamentsclubs. Punkten konnte Kern zuletzt, als er auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise in Österreich den massiven Zustrom an Migranten an den Bahnhöfen des Landes koordinierte.

Faymann, der seit 2008 die Geschicke das Landes lenkte, erklärte zu Wochenbeginn seinen Rücktritt. Nach der Schlappe der SPÖ in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl Ende April kam er immer stärker unter Druck. Zuletzt musste er die Frage, ob er noch die volle Unterstützung der SPÖ habe, mit Nein beantworten. Der SPÖ- wie auch der ÖVP-Kandidat waren bei der Bundespräsidentenwahl weit abgeschlagen und landeten jeweils bei rund zehn Prozent. Klarer Sieger wurde der Kandidat der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei (FPÖ). Die FPÖ hat im Zuge der Flüchtlingskrise auch bei Regionalwahlen deutlich zugelegt. Selbst der ehemalige Grünen-Chef und mittlerweile parteilose Alexander Van der Bellen schnitt besser ab als die Vertreter von SPÖ und ÖVP. Van der Bellen geht nun gegen den FPÖ-Mann Norbert Hofer am 22. Mai in die Stichwahl.

 

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *