Glyphosat: Grüne fordern klares Nein von Bundesregierung

Grünen-Chef Anton Hofreiter fordert eine einheitliche Haltung der Bundesregierung gegen die Neuzulassung von Glyphosat. Das Pestizid schade der Gesundheit. Die CDU, die seit neuestem die Grünen umwirbt, fährt die gegenteilige Linie.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Das EU-Parlament bekräftigte zuletzt unter bestimmten Voraussetzungen eine Zustimmung zu einer Neuzulassung von Glyphosat. Wie beurteilen Sie diese Entscheidung?

Anton Hofeiter: Glyphosat soll gar nicht neu zugelassen werden, solange die Risiken nicht abschließend geklärt sind. Auch neun weitere Jahre wären neun Jahre zu viel. Das EU-Parlament hat nicht der Zulassung von Glyphosat zugestimmt, sondern im Falle einer Zulassung etliche sehr weitgehende Einschränkungen der Anwendung gefordert, von denen die Kommission keine einzige übernommen hat. Außerdem hat das Parlament gefordert, wenn überhaupt, dann in dieser stark eingeschränkten Form für maximal sieben Jahre zuzulassen.

Nach einem gemeinsamen Treffen zwischen der WHO und der Welternährungsorganisation FAO heißt es in einem gemeinsamen Statement:

„The Meeting concluded that glyphosate is not carcinogenic in rats but could not exclude the possibility that it is carcinogenic in mice at very high doses. In view of the absence of carcinogenic potential in rodents at human-relevant doses and the absence of genotoxicity by the oral route in mammals, and considering the epidemiological evidence from occupational exposures, the Meeting concluded that glyphosate is unlikely to pose a carcinogenic risk to humans from exposure through the diet.“

Wie schätzen Sie es ein, dass in dem Statement nur Stellung zum Krebsrisiko hinsichtlich der Ernährung genommen wird?

Anton Hofeiter: Das Ergebnis hat keinerlei Neuigkeitswert, schließlich hat die Arbeitsgruppe Glyphosat schon früher einen Freispruch erteilt. Die Frage nach dem grundsätzlichen Risiko von Glyphosat, Krebs zu verursachen, hat die gemeinsame Arbeitsgruppe von WHO und FAO überhaupt nicht beantwortet, genauso wenig wie die Frage nach notwendigem Arbeitsschutz oder der Gefährdung von Anwohner und Anwohnerinnen.  Ein Punkt lässt das Statement besonders fragwürdig erscheinen: entscheidende Positionen in dieser Arbeitsgruppe von WHO und FAO wurden an Personen mit bekanntermaßen engsten Verbindungen zur Agrochemie-Industrie vergeben. Monsanto hat 500.000 Dollar an das Institut des Vorsitzenden der Arbeitsgruppe gespendet. Das lässt zumindest einige Zweifel am Urteil aufkommen.

Widerlegt dieses Statement Ihrer Meinung nach die Ergebnisse der Krebsforschungsagentur der WHO (IARC)?

Anton Hofeiter: Keineswegs, den die Warnung „wahrscheinlich krebserregend“ bleibt ja bestehen. Solange eine Gefährdung nicht ausgeschlossen werden kann, muss das Vorsorgeprinzip zur Anwendung kommen. Das heißt: die Belastung der Menschen mit Glyphosat muss so weit wie möglich reduziert werden.

Wie steht es um andere Inhaltsstoffe von Pflanzenschutzmitteln, die in Europa eingesetzt werden. Ist hier mit Bestimmtheit keine krebserregende Wirkung zu finden?

Anton Hofeiter: Andere Mittel können aus anderen Gründen problematisch sein, aber jetzt steht mit Glyphosat für die Gesundheit viel auf dem Spiel, denn die Entscheidung über die weitere Anwendung dieses Pflanzenschutzmittels steht jetzt an. Und Glyphosat ist mit Abstand das meistverwendete Pestizid in Deutschland, Europa und weltweit.

Ist es wirklich Glyphosat an sich, dass die Diskussion bestimmt oder geht es hauptsächlich eben auch darum, dass ein großer Konzern wie Monsanto mit dem Pflanzenschutzmittel Roundup so erfolgreich ist?

Anton Hofeiter: Uns interessiert die Gesundheit der Menschen und die Artenvielfalt. Das sollte unserer Meinung nach mehr Gewicht haben als wirtschaftliche Interessen.

Wie beurteilen Sie die regierungsinterne Diskussion über die Glyphosatzulassung?

Anton Hofeiter: Eigentlich wäre ein klares Bekenntnis der gesamten Bundesregierung gegen gesundheitliche Risiken und damit gegen Glyphosat fällig gewesen.

Glauben Sie, die SPD wird bei ihrem Nein zur Glyphosat-Zulassung bleiben?

Anton Hofeiter: Eine Kehrtwende der SPD würde die Partei viel Glaubwürdigkeit kosten. Es wäre ein gutes Signal, wenn sie standhaft bleibt.

 

Kommentare

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  1. Robbie sagt:

    Endlich spricht ein Politiker mal Klartext, denn es gibt dutzende Studien von unabhängigen Wissenschaftlern, die belegen, dass Glyphosat bei Mensch und Tier Krebs fördert, das Erbgut schädigt und Hormone beeinflusst. Auf der Webseite der Agrarkoordination kann jeder eine Übersicht dieser Studienergebnisse auf Deutsch nachlesen.

    http://www.agrarkoordination.de/projekte/roundup-co/glyphosat-infos/gesundheits-risiken/

    Auch ARD, WDR, ARTE oder Lobbycontrol… haben in zahlreichen Reportagen und Berichten aufgedeckt, wie gesundheitsschädlich Glyphosat ist, und wie die Chemieindustrie Lobbyarbeit bei EU und deutschen Behörden betreibt.

    https://www.lobbycontrol.de/2015/06/efsa-bfr-gefaehrden-unsere-gesundheit-zugunsten-der-industrie/

    Zudem sitzen zahlreiche ehemalige Mitarbeiter der Chemiekonzerne in WHO, FAO, Efsa und BfR, wie auch Der Spiegel in dem Artikel „Lobbying – Wie Genmais Gigant Monsanto Politik macht“ aufgedeckt hat.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/lobbying-wie-genmais-gigant-monsanto-politik-macht-a-482238.html

    Denn Efsa und BfR werten vorwiegend die Studien der Hersteller aus, die nicht öffentlich sind, da sie angeblich Betriebsgeheimnisse enthalten.

    Erst vor ein paar Tagen, hat The Guardian in dem Artikel „UN/WHO panel in conflict of interest row over glyphosate cancer risk“ aufgedeckt, wie Monsanto EU Entscheider mit Spenden versorgt hat. 

http://www.theguardian.com/environment/2016/may/17/unwho-panel-in-conflict-of-interest-row-over-glyphosates-cancer-risk

    Die EU Entscheidung ist kritisch, denn es geht für Monsanto und Co um Milliardeneinnahmen, die wegfallen würden. Zudem setzt Monsanto in Zukunft auch noch mehr auf patentiertes gentechnisch verändertes Saatgut, das noch resistenter gegen Glyphosat ist, denn es vermehren sich in den USA bereits sogenannte SuperUnkräuter, die gegen Glyphosat resistent sind.

    All diese Infos kann jeder im Internet selber nachprüfen – auch ohne Experte zu sein.

  2. H. J. Weber sagt:

    Ja- die Grünen.
    Sie fordern von der Opositionsbank aus das zu unterbinden, was sie selber machen würden, wenn sie an der Macht wären.
    Diese Pazifisten-Partei, die aus der NATO austreten wollte, hat, kaum an der Macht, zusammen mit der NATO, einen völkerrechtswidrigen Krieg angefangen.
    Kann man diese Leute/Partei noch erst nehmen.

    Viele Grüße
    H. J. Weber