EU-Kommission: Österreicher müssen länger arbeiten

Die EU-Kommission hat in dieser Woche ihre länderspezifischen Empfehlungen veröffentlicht und entsprechend neue Forderungen an die jeweiligen nationalen Regierungen gestellt. Österreich hat auf dem Arbeitsmarkt und im Rentensystem einen erheblichen Nachholbedarf, so die EU-Kommission.

Besonders kritisch bewertet die EU-Kommission im Länderbericht zu Österreich den Arbeitsmarkt. Bei den 55- bis 64-Jährigen liegt die Beschäftigungsquote lediglich bei 46,3 Prozent und damit deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 53,3 Prozent.

Hier müsse es vor allem für Frauen eine deutlich bessere Eingliederung in den Arbeitsmarkt geben, so die Kommission. Denn diese Schwierigkeiten bei der älteren Bevölkerung belasten das angeschlagene Rentensystem des Landes zusätzlich. Noch immer liegt das Renteneintrittsalter in Österreich unter dem EU-Durchschnitt – und das bei einer wachsenden Bezugszeit aufgrund der demografischen Entwicklung im Land. Das niedrige Renteneintrittsalter zusammen mit einer längeren Bezugszeit sind zwei Risikofaktoren für das österreichische Rentensystem. Entsprechend werden die Pensionsausgaben bis 204 um 0,8 Prozent des BIP gegenüber dem Wert aus dem Jahr 2013 steigen. Aus diesem Grund solle das „gesetzliche Pensionsantrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt“ werden, um die Tragfähigkeit des Gesundheits- und Pensionssystems zu gewährleisten.

Das niedrige tatsächliche Pensionsantrittsalter impliziere, dass qualifizierte, erfahrene Arbeitskräfte verhältnismäßig früh aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden, wodurch das Arbeitskräfteangebot beeinträchtigt werde. „In Verbindung mit der abnehmenden Gesamtfaktorproduktivität schränkt dies das Potenzialwachstum ein.“

Anstatt sich auf die dringendste Herausforderung einer nachhaltigen Reduktion der viel zu hohen Arbeitslosigkeit zu konzentrieren, empfiehlt die EU-Kommission (EK) neuerlich Maßnahmen zur Ausweitung des Arbeitskräfteangebots, wodurch die hohe Arbeitslosigkeit noch verschärft würde, kritisiert Rudi Kaske, der Präsident der Arbeiterkammer: „ Die österreichische Politik tut gut daran, derartigen Empfehlungen weiterhin nicht zu folgen und stattdessen den eingeschlagenen Weg der Absicherung guter öffentlicher Pensionen bei gleichzeitig deutlicher Anhebung des faktischen Pensionsalters und Harmonisierung der Pensionssysteme konsequent fortzusetzen.“  Bei solchen Empfehlungen dürfe sich niemand über das hohe Maß an Skepsis und Verdrossenheit gegenüber der EU wundern, sagt Kaske.

Zusätzlich dazu fordert die EU-Kommission, die Erwerbsbeteiligung der Frauen zu erhöhen. „Eine Steigerung der Erwerbsquote älterer Arbeitskräfte und von Frauen würde zur Verbesserung der langfristigen Verfügbarkeit ausreichend qualifizierter Arbeitskräfte beitragen“, heißt es im Länderbericht der EU-Kommission. Das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen liege deutlich über dem EU-Durchschnitt – und dies hat sich im vergangenen Jahrzehnt nicht maßgeblich verändert.

Positiv bewertete die EU-Kommission hingegen die Schuldentragfähigkeit des Landes. Im Gegensatz zu vielen anderen Mitgliedsländern konnten sowohl die Haushalte als auch die Nichtfinanzunternehmen ihren Schuldenstand weitgehend auf Vorkrisenniveau halten.

Völlig unbeachtet lässt die EU-Kommission aber die Problematik mit der zunehmenden Digitalisierung. Der Vorstoß der Industrie 4.0 kann zukünftig dazu führen, dass es für die ältere Bevölkerung noch schwieriger wird, den Arbeitsplatz zu behalten bzw. einen zu erhalten. Hier müssten zusätzliche Bildungsangebote zum Umgang mit der Technik geschaffen werden.

Kommentare

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  1. Hans von Atzigen sagt:

    Die EU Granden werden so scheint es langsam aber sicher
    erheblich wirr im Kopf.
    Die Industrie 0.4 reduziert den Arbeistkräftebedarf.
    eigentlich Logo = Rationalisierungseffekt.
    Gleichzeitig soll das Arbeitskräfte- Angebot ausgeweitet werden,
    Pluss Lacher auch noch durch Zuwanderung( Flüchtlingszwangsaufnahme) zusätzlich
    ausgeweitet werden. So nach Marktgesetz bedeutet das geringere Einkommen,
    dies wiederum heisst für die Altersvorsorge stehen weniger Mittel zur verfügung.
    Gleichzeitig sinkt die Kaufkraft pro Kopf, für die Kapitalbildung ( Sparen) steht auch weniger zur Verfügung. Ohne Sparen keine Kapitalbildung für Investitionen.
    Und so als Dreingabe betreibt die EZB mit ihrer( durch die Umstände erzwungen) auch noch eine Geldpolitik die den Geldwert, auch Kapitalwert, grins müsste logo sein,,verdünnt,,.
    Und dann noch das ,,Sahne- Häubchen,, wird Wachstum angestrebt, gepredigt.
    WIE denn dieser ganze offensichtlich wiedersprüchliche Kuchen am Ende auch
    noch schlüssig aufgehen soll, Gigalacher, das wissen diese Klugsch. wie man unschwer erkennen kann auch nicht so recht.
    Die sind, so scheint es, Ideologiewahngestört auf Blindflug in einer Nebelsuppe.
    Geht es noch irrer und blind Chaotischer??? Na ja mal abwarten wie lange das noch funktioniert und kann, dieses (Entschuldigung) Irrenhausgebaren.
    Na ja???
    Die UDSSR hat es hinter sich.( Glück gehabt,Zeitlich)
    Die EUDSSR hat es wie es scheint vor sich.
    ( Das ganze zu einem deutlich schlechteren Zeitpunkt, Weltwirtschaftslage.)
    Der Nakte, total Irre Wahnsinn.
    Freundliche Grüsse

  2. ReH sagt:

    Empfehlung der Österreicher an die EU-Kommission: Wer Zeit genug hat, sich mit dem Krümmungsgrad von Gurken oder der Abschaffung von Glühbirnen zu beschäftigen kann eigentlich gar nicht ausgelastet sein.
    Und nach Jahrzehnten des Sozialabbaus sollte man sich mal wie die Schweizer ums Grundeinkommen kümmern.

    • Hans von Atzigen sagt:

      Grundeinkommen.
      Noch so eine absurde Theorie mehr.
      Das vereinzelt auch noch Dozenten so Unsinn mittragen
      stimmt denn doch sehr nachdenklich und wirft
      grundsätzliche Fragen auf.
      Wie würde die Umsetzung dieser Schnapsidee wirken?
      Damit würde die ohnehien heiss laufende Geldpumpe-
      Politik enorm beschleunigt.
      Grins, der ohnehien längst über der zulässigen
      Drehzahl laufende ,,Motor,, würde in
      Rekordzeit in die Selbstzerlegung gedreht.