Streiks in Frankreich erhöhen Dieselpreis in Deutschland

In Frankreich wird das Benzin knapp. Grund sind Proteste gegen die Arbeitsmarktreformen. Streiks an Öl-Raffinerien des französischen Konzerns Total führten zudem zu kurzzeitigen Hamsterkäufen an Tankstellen. In Deutschland haben die Streiks in Frankreich zu höheren Dieselpreisen geführt.

Mehr als 300 Zapfstationen von insgesamt 2200 Total-Tankstellen hatten laut Branchenverband UFIP nicht mehr genügend Benzin, um die Nachfrage besorgter Autofahrer zu bedienen. Total betreibt jede fünfte Tankstelle in Frankreich. Der Konzern musste wegen der Proteste einige Raffinerien vorübergehend stilllegen. Außerdem wurden Öldepots von Demonstranten blockiert. Die europäischen Konkurrenten Shell und Eni waren nicht betroffen.

Der Unmut von Demonstranten und Gewerkschaften richtet sich gegen gelockerte Arbeitsgesetze, die Unternehmern nach Willen von Präsident Francois Hollande auch betriebsbedingte Kündigungen erleichtern sollen. Die Regierung hofft, mit dieser Flexibilität die Hürde für Neueinstellungen zu senken und so die hohe Erwerbslosigkeit in den Griff zu bekommen. Die Maßnahmen treffen jedoch in dem Land mit einer hohen Jugendarbeitslosigkeit auf Widerstand.

Durch die Streiks an Ölraffinerien in Frankreich steigen die Kraftstoffpreise auch an deutschen Tankstellen leicht an. Der Preisunterschied zwischen Rohöl und Diesel erhöhte sich in der vergangenen Woche um zwei Dollar pro Barrel (159 Liter) der Öl-Sorte Brent, wie aus einer Analyse der Commerzbank hervorgeht, die am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP vorlag. Heruntergerechnet auf einen Liter Diesel bedeutet das einen Preisanstieg von einem Cent. Die Mineralölwirtschaft befürchtet jedoch keine größeren Auswirkungen für deutsche Autofahrer.

Der deutsche Mineralölwirtschaftsverband (MWV) sieht die Entwicklung gelassen: „Der Dieselpreis steigt und fällt auch ohne Streiktage in Frankreich“, sagte Verbandssprecher Alexander von Gersdorff AFP. Richtig sei aber, dass es zwischen den Streiks unter anderem an den Raffinerien von ExxonMobil bei Le Havre oder von Total bei Nantes eine „auffällige Korrelation“ zur Entwicklung des für Europa maßgeblichen Preises an der Rotterdamer Ölbörse gegeben habe. „Ein Zusammenhang mit Frankreich ist möglich“, sagte von Gersdorff.

Für den Preis in Deutschland bedeute dies aber grundsätzlich nicht viel: „Die Versorgung der Raffinerien, der Tankstellen und Heizölhändler in Deutschland ist unabhängig von der in Frankreich“, erklärte von Gersdorff.

Auch die Gefahr, dass der Preis in Deutschland regional aufgrund französischer Hamsterkäufe entlang der Grenze steigen könnte, sehe der MWV nicht. Die Kraftstoffversorgung sei etwa aus den Niederlanden oder aus Russland gesichert. Auch werde die deutsche Total-Raffinerie bei Leuna nicht bestreikt, was die Versorgung im Land weiter sichere.

Zwar habe der MWV keinen Einblick in gesamteuropäische Lagerbestände und halte auch eine kurzfristige und geringfügige Preisteigerung für möglich. „Ein Cent ist schon drin“, räumte der Verbandssprecher ein. Die Gefahr für größere Auswirkungen auf Deutschland durch die Streiks in Frankreich hält er aber für äußerst gering.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *