Gegen „Swiss Made“: Schweizer Start-up greift Uhren-Branche an

Das Schweizer Uhren-Start-up Goldgena will das Niedrigpreis-Segment der etablierten Hersteller angreifen, indem es sich bewusst gegen die etablierte Bezeichnung „Swiss Made“ stellt.

Das junge Start-up Goldgena versucht, das Niedrigpreis-Segment etablierter Schweizer Uhrenmacher anzugreifen. Dabei verfolgt das Unternehmen – das von dem ehemaligen Designer der Marken TAG Heuer, Parmigiani Fleurier und Montblanc, Claudio D’Amore, gegründet wurde – eine eigenwillige Strategie. Es lehnt das Marketing mit der Herkunftsbezeichnung „Swiss Made“ ab – welche international mit hochwertiger Schweizer Uhrmacherkunst assoziiert wird. Stattdessen wird bewusst auf die meist asiatische Herkunft vieler verbauter Teile hingewiesen, wie Bloomberg schreibt.

„Swiss Made ist ein Witz“, wird d’Amore von Bloomberg zitiert. Es sei vollkommen klar, dass auch die Uhren großer Schweizer Premium-Hersteller, die unter 2500 Franken zu haben seien, Bauteile aus asiatischer Fertigung beinhalten würden. Goldgenas Strategie besteht darin, vollautomatische Uhren ab einem Preis von etwa 700 Franken auf den Markt zu bringen und den im Vergleich zu vielen anderen Herstellern günstigeren Preis offen mit der Verwendung asiatischer Bauteile zu erklären. So stammt das Uhrwerk aus japanischer Produktion, die Montage findet in China statt und auf Vertriebspartner wird gänzlich verzichtet. Dadurch könne die Konkurrenz mit qualitativ gleichwertigen Produkten im Preis unterboten werden, hofft d’Amore.

Hersteller dürfen ihre Uhren als „Swiss Made“ bezeichnen, wenn mindestens die Hälfte des Werts des Uhrenwerks aus der Schweiz stammt und wenn die Uhr in der Schweiz zusammengebaut wurde, schreibt Bloomberg.

Goldgena setzt darauf, dass der Bezug zur Schweiz für viele Kunden kein sonderlich wichtiges Kriterium darstellt. Aus einer auf der Website des Unternehmens durchgeführten Umfrage geht jedoch hervor, dass 63 Prozent der Befragten „Swiss Made“ wichtig finden. Immerhin 348 der 947 Befragten gaben dagegen an, dass „Swiss Made“ nicht wichtig sei – eine substantielle Nachfrage nach Uhren aus asiatischer Manufaktur scheint in der Schweiz demzufolge vorhanden zu sein. Goldgena will die Präferenzen der Kunden noch einige Wochen analysieren und dann entscheiden, ob man der gegen „Swiss Made“ gerichteten Strategie folgen wird.

Edouard Meylan, Chef von H. Moser & Cie., geht davon aus, dass die Goldgena-Uhren nur Druck auf das Niedrigpreis-Segment zwischen 500 Franken und 2000 Franken ausüben könnten. „Das Risiko ist aber nicht so groß, weil ich davon ausgehe, dass viele Kunden das Goldgena-Projekt nicht wahrnehmen und aufnehmen werden“, wird er von Bloomberg zitiert. Falls die Strategie jedoch Erfolg habe, könnte es andere Marken dazu bringen, vom „Swiss Made“-Label abzurücken.

Die Schweizer Uhrenbranche befindet sich seit einiger Zeit in einer Krise – neben dem starken Franken und einer zurückgehenden Nachfrage aus Asien werden dafür auch neue Technologien wie „Smartwatches“ verantwortlich gemacht. Im Vorjahr musste der erste Umsatzrückgang seit dem Krisenjahr 2009 hingenommen werden. Der Wert der Exporte schrumpfte um rund drei Prozent auf 21,5 Milliarden Franken. Seit zehn Monaten sinken die Ausfuhren zudem. Nach Angaben des Arbeitnehmerverbands der Schweizer Uhrenindustrie sind in der Branche innerhalb eines Jahres 1000 von insgesamt 59.000 Arbeitsplätzen durch Kündigungen weggefallen, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Mit nicht erneuerten Zeitarbeitsverträgen und anderweitig nicht ersetzten Arbeitskräften sei die Zahl noch höher.

 

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