Deutsche Autobauer kämpfen mit schwächelndem US-Automarkt

Die US-Kunden halten sich mit Autokäufen zurück - im Mai musste die Branche ein deutliches Absatzminus verkraften. Steuert der von Billigsprit und Niedrigzinsen befeuerte Boom auf ein Ende zu?

Flaute in den US-Autohäusern: Nach einer langen Boom-Phase hat es im Mai einen überraschend herben Dämpfer beim Neuwagen-Absatz in den USA gegeben. Große Hersteller wie General Motors (GM), Ford, Toyota oder Honda mussten erhebliche Abstriche machen. Besonders heftig erwischte es erneut den vom Abgas-Skandal gezeichneten deutschen Autobauer Volkswagen. Auch Daimler und BMW taten sich schwer.

Die Autos mit dem VW-Logo sind im Zuge der Affäre um manipulierte Emissionswerte weiter Ladenhüter in den USA. Der Neuwagen-Absatz der Marke sackte im Mai um 17,2 Prozent im Jahresvergleich auf 28 779 Fahrzeuge ab, wie VW am Mittwoch mitteilte. Damit schrumpften die Verkäufe wieder kräftiger als im Vormonat. Nach Bekanntwerden des Abgas-Skandals hatte VW den Verkauf von Dieselautos in den USA gestoppt.

Die VW-Premiumtöchter Audi und Porsche hingegen wurden im letzten Monat 1,6 Prozent und 7,3 Prozent mehr Neuwagen in den USA los als im Vorjahreszeitraum. Insgesamt fiel der Mai-Absatz auf dem zweitgrößten Automarkt der Welt aber enttäuschend aus. Das spürten auch die deutschen Oberklasse-Anbieter Daimler und BMW, deren Verkaufszahlen im Jahresvergleich um 1,9 und 8,8 Prozent sanken.

Noch schlechter lief es für US-Branchenführer GM. Die Opel-Mutter brachte 18 Prozent weniger neue Autos auf die Straße als im Vorjahreszeitraum. Konkurrent Ford hatte mit einem Minus von 6,1 Prozent ebenfalls wenig zu lachen. Und auch andere Schwergewichte verkauften unerwartet wenig. So ging der US-Absatz des weltgrößten Herstellers Toyota um 9,6 Prozent zurück. Honda und Nissan büßten 4,8 und 1,0 Prozent ein.

Der italienisch-amerikanische Branchenriese Fiat Chrysler konnte seine Verkäufe immerhin um 1,7 Prozent ausbauen. Das war zwar der geringste Zuwachs seit langem, markiert aber dennoch den 74. Monat mit einem Plus in Serie. Nach vorläufigen Berechnungen des Fachblatts Automotive News sanken die US-Autoverkäufe im Mai insgesamt um rund sieben Prozent auf etwa 1,45 Millionen Neuwagen.

Als Gründe für den deutlichen Rückgang machten Analysten vor allem zwei Verkaufstage weniger als im Vorjahr aus. Zudem hätte das verlängerte Wochenende um den Feiertag Memorial Day, den die Anbieter gewöhnlich mit Rabatten zum Abverkauf von Restbeständen und als Auftakt der Sommersaison nutzen, nicht den erhofften Erfolg gebracht. Trotzdem dürfte der Auto-Boom in den USA nach Einschätzung von Experten anhalten.

„Der Ausblick deutet nach wie vor auf ein weiteres Rekordjahr hin“, sagte Analystin Stephanie Brinley vom Branchendienst IHS Automotive. SUV und Pick-up-Trucks blieben im Umfeld niedriger Spritpreise und günstiger Finanzierungszinsen gefragt. „Unsere Jahresprognose liegt bei 17,8 Millionen Neuwagen, was einem Anstieg von 1,8 Prozent zum Vorjahr entspricht.“ 2015 waren in den USA mit knapp 17,5 Millionen Stück soviele Autos wie nie zuvor in einem Jahr verkauft worden.

Die zunehmende Beliebtheit von Tesla wird es den deutschen Autobauern in den kommenden Jahren noch schwerer machen, Marktanteile zu sichern. Bis 2020 will Tesla eine Million Fahrzeuge seines neuen Modells 3 produzieren.

 

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