Ehemaliger SNB-Chef: Schweiz soll an 1.000-Franken-Note festhalten

Die EZB hat angekündigt, den 500-Euro-Schein bald nicht mehr zu drucken. Im Zuge dessen wird die Forderung laut, dass auch die Schweizer Nationalbank die größte Banknote des Landes abschaffen sollte. Der ehemalige Notenbankchef Jean-Pierre Roth hingegen fordert den Erhalt des 1.000-Franken-Scheins. Ein Abschaffen werde die Kriminalität nicht verringern. Tatsächlich stecke der Versuch, die Menschen zum Konsum zu bewegen, hinter derartigen Entschlüssen, so Roth.

Ende 2018 soll der 500-Euro-Schein aus dem Verkehr gezogen werden. Das bekräftigte EZB-Chef Draghi in dieser Woche noch einmal. Die Aktion der EZB hat nicht nur im Euroraum für Aufmerksamkeit gesorgt. Auch in der Schweiz und den USA setzt man sich mit diesem Plan auseinander. Tatsächlich hat der EZB-Plan dazu geführt, dass die internationale Forderung, auch den 1.000-Franken-Schein abzuschaffen, lauter geworden ist.

Als Argument der EZB und auch der Politiker wird gemeinhin angegeben, dass diese hohen Notenscheine meist nur von Kriminellen genutzt werden. Außerdem, so die Kritiker, würden die normalen Bürger von einer derartigen Maßnahme in ihrem Lebensumfeld kaum tangiert. Der ehemalige Notenbank-Chef, Jean-Pierre Roth sieht das anders. „Es ist eine Illusion, zu glauben, dass man Kriminalität und Steuerhinterziehung durch das Abschaffen von Banknoten mit hohem Geldwert verringern kann, schreibt er in einer Analyse.

Zwar stimme es, dass die großen Banknoten bei Kriminellem beliebt seien, aber wer die Behörden umgehen will, schaffe das auch ohne diese Banknoten. Er werde andere Zahlungskanäle – wie etwa Bitcoin – finden. Und so sei es „überraschend“, dass ausgerechnet der ehemalige amerikanische Finanzminister, Larry Summers, mehr Transparenz einfordere und die SNB dahingehend unter Druck setze, so Roth. Schließlich seien es ja die USA, die ja selber das CRS-Abkommen der OECD-Länder zum automatischen Informationsaustausch nicht unterzeichnet hätten.

In der FT hatte Summers die SNB aufgefordert: „Als Erstes muss die Welt verlangen, dass die Schweiz aufhört, 1.000-Franken-Noten zu drucken.“  Wer brauche in der heutigen Welt noch Cash für eine legitime Transaktion in der Höhe von 5.000 Dollar, so Summers weiter.

Roth argumentiert weiter, dass die Abschaffung des 1000-Franken-Scheins in jedem Fall auch Auswirkungen auf die Bürger haben würde. Schließlich sei Geld ein Mittel zur Werterhaltung. Gerade bei kleinen Sparern seien diese sehr begehrt, weil „sie es als Möglichkeit erachten, ihr Vermögen zu sichern.“ Es macht die Sparer unabhängig von den Finanzsystemen. „Wollen wir ihre Bewegungsfreiheit einschränken“, fragt Roth. „Wir könnten uns auch fragen, ob nicht der wahre Grund zur Abschaffung der Banknoten mit hohen Nennwert nicht der Wunsch ist, die bereits existierende, finanzielle Repression zu verstärken“, so Roth. Die finanzielle Repression, die „die Sparerbenachteiligt, indem sie sie zwingt, negative Zinsen zu ertragen.“

Die geplante Aktion der EZB wird Roth zufolge auch schon deshalb nicht den gewünschten Erfolg erzielen, weil die 500er Noten weiterhin als Zahlungsmittel genutzt werden dürfen, auch wenn neue 500er Noten nicht mehr gedruckt werden. Vielmehr werde das nämlich dazu führen, dass die großen Noten „in der Öffentlichkeit noch begehrter und akribisch gehortet werden“. Und so werde man „sie immer noch unter den Matratzen oder in den Safes finden“, schreibt Roth. In der Schweiz sind das derzeit immerhin etwa 42 Milliarden Franken.

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