Voestalpine setzt auf Spezialstahl in der Automobilindustrie

Trotz der anhaltenden Stahlkrise überlegt der Stahlkonzern Voestalpine, ein neues Edelstahlwerk in Österreich zu bauen. Der Konzern kann sich noch gut halten, die Erlöse gingen zuletzt um 1,1 Prozent zurück. Vermehrt konzentriert sich Voestalpine daher auf Spezialstahl und hier vor allem auf Automobile.

Überkapazitäten, Dumping-Löhne, Rabattschlachten – sowohl der Stahlmarkt als auch der Automarkt kämpfen derzeit mit sinkenden Preisen und Schwierigkeiten bei der Neuausrichtung. Genau in diesen beiden Bereichen sieht Voestalpine jedoch weiterhin die besten Chancen. Tatsächlich überlegt das Unternehmen, noch ein neues Edelstahlwerk in Österreich zu bauen – Kostenpunkt zwischen 250 und 300 Millionen Euro. Im kommenden Jahr soll darüber entschieden werden. Die Rahmenbedingungen und die technischen Details müssten noch geklärt werden.

Das Unternehmen wächst: Voestalpine war am Bau des Gotthard-Basistunnels in der Schweiz beteiligt. Mit der Beteiligung am Bau der Pipeline Nord Stream 2 sicherte sich Voestalpine dieses Jahr einen weiteren Großauftrag. „2015 sorgte ein Auftrag über 95.000 Tonnen Röhrenbleche für ein Erdgasprojekt in den Vereinigten Arabischen Emiraten für eine solide Auslastung im Geschäftsbereich Grobblech“, so der Konzern.

In Texas ist eine Direktreduktionsanlage kurz vor der Fertigstellung. Im Sommer soll die Anlage den Betrieb aufnehmen. Es ist die größte Auslandsinvestition des Unternehmens. Schon jetzt macht Nordamerika neun Prozent des Umsatzes aus (Geschäftsjahr 2014/15). Im NAFTA-Raum gibt es mittlerweile 64 Standorte (Kanada, USA, Mexiko).

In China wurde das Unternehmen Advanced Tooling Tek (ATT) aus Shanghai gekauft. Ähnlich wie bei dem geplanten neuen Edelstahlwerk und bei der „voestalpine Automotive Body Parts“ Division geht es hier vor allem um Spezialstahl für Automobile. „Mit den Übernahmen von ATT und Sermetal folgen wir unserer Strategie, vor allem in der Zukunftsbranche Mobilität weiter zu wachsen und die Wertschöpfungskette in Richtung Endkunden konsequent zu verlängern“, so Vorstandsmitglied Franz Rotter.

Im Gegensatz zu Thyssen Krupp konnte Voestalpine im vergangenen Geschäftsjahr seinen Gewinn um 1,2 Prozent auf 602,1 Millionen Euro steigern. Die Erlöse fielen um 1,1 Prozent auf 11,1 Milliarden Euro. Vor allem die zunehmende Konzentration des Konzerns auf Form- und Präzisionsstahl stützte die Ergebnisse des vergangenen Geschäftsjahrs.

Der Bereich Mobilität aggregiert 47 Prozent des Umsatzes, wobei zwei Drittel dieses Umsatzes auf den Bereich Automotive entfällt. Dazu gehören beispielsweise Drähte als Vormaterial für den Einsatz in Kugellagern oder für Ventilfedern, Schweißzusatzmittel sowie Struktur- und Außenhautteilen. „Mit einem Zielwert von 50 Prozent am Gesamtumsatz hat der Bereich Mobilität für die voestalpine auch in den kommenden Jahren oberste Priorität“, so Vorstandsmitglied Wolfgang Eder.

Das Unternehmen rechnet mit einer weltweiten Steigerung der Autoverkäufe um 3,8 Prozent pro Jahr und einer Verfünffachung des Marktes für Automobil-Leichtbau-Komponenten bis 2025. Hier wird entscheidend sein, wie gut sich Voestalpine auf dem Markt der E-Autos platzieren kann. Leichtbau, vor allem in Verbindung mit Carbon, ist bereits jetzt schon ein wichtiges Thema in diesem Zusammenhang. BMW beispielsweise setzt bei seinen E-Autos i3 und i8 auf Carbon und hat sogar mit der SGL Group in den USA eine eigene Fabrik.

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