Chinas Investitionen in der Schweiz werden größer und zahlreicher

Firmen und Beteiligungsgesellschaften aus China investieren immer häufiger in der Schweiz. Die Summen, um die es dabei geht, werden seit einigen Jahren außerdem immer größer. Experten glauben, dass es in Zukunft noch mehrere Kaufangebote in der Größenordnung des Angebots für Syngenta geben dürfte.

Die Schweiz stellt für chinesische Investoren ein attraktives Zielland dar. Das aktuellste und wichtigste Beispiel stellt die geplante Übernahme des Basler Agro-Chemieunternehmens Syngenta durch das Staatsunternehmen ChemChina dar. ChemChina bietet insgesamt rund 44 Milliarden Franken – die Syngenta-Aktionäre haben noch bis zum 18. Juli Zeit, das Angebot anzunehmen. Die angestrebte Übernahme stellt den bisher größten Zukauf eines chinesischen Unternehmens im Ausland dar.

In der jüngeren Vergangenheit hatte es in der Schweiz jedoch bereits zahlreiche Übernahmen oder Beteiligungen chinesischer Firmen gegeben. Im April wurde bekannt, dass das chinesische Luftfahrt-Unternehmen HNA rund 1,4 Milliarden Franken für die Catering-Firma Gategroup aus Kloten bietet. Der chinesische Hersteller Haers kaufte im Februar das Frauenfelder Traditionsunternehmen Sigg einer amerikanischen Beteiligungsgesellschaft für rund 16 Millionen Franken ab.

Im vergangenen Jahr tätigten sechs chinesische Unternehmen in der Schweiz Käufe oder beteiligten sich an Schweizer Unternehmen, wie die Handelszeitung schreibt. Europaweit liege die Schweiz damit auf dem neunten Rang, wie eine im Februar veröffentlichte Studie zeige. Für rund 2,7 Milliarden Franken kaufte die chinesische HNA im vergangenen Juli den Flughafen-Dienstleister Swissport. Im Februar ging zudem der weltgrößte Sportrechtehändler Infront Sports & Media aus Zug für rund 1,05 Milliarden Euro an die chinesische Wanda-Gruppe.

Experten zufolge wird die Serie an Übernahmen und Beteiligungen in den kommenden Jahren sowohl in der Schweiz als auch in Europa an Fahrt aufnehmen. Während im Jahr 2005 noch 34 Firmen in Europa von Chinesen übernommen wurden, waren dies 2015 bereits 179, wie aus einer Studie des Beratungsunternehmens EY hervorgeht.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen wurden viele Staats-Unternehmen von der Regierung zu Käufen im Ausland ermuntert, um die heimische Wirtschaft breiter aufzustellen. Ein anderer wichtiger Grund für die Expansion besteht in der Aussicht, an technisches Know-How und Innovationen zu kommen. Die Schweiz verfügt dabei ähnlich wie Deutschland über einen ausgezeichneten Ruf, was die Qualität der Produkte und die Leistungen der Ingenieurskunst anbelangt.

Der Finanzprofessor Ding Yuan verweist in einem Interview noch auf einen anderen Grund. „Man will sich mit ausländischen Produkten Vorteile im heimischen Markt verschaffen. Wer heute in China seine Marge vergrößern will, muss bei den Preisen ansetzen und nicht bei den Produktionskosten. Wer aber den Preis erhöhen will, muss bessere Produkte oder Dienstleistungen anbieten. Das geht am einfachsten, indem man die Marken und Technologien im Ausland einkauft und nach China verpflanzt.“

Die Notwendigkeit, vom Know-how anderer zu profitieren, hat indes auch Vorteile. „Für Angestellte ist eine Übernahme aus China gut. Den Aktionären mag es egal sein, aber für die anderen Stakeholder ist es sicher die bessere Nachricht, als eine Übernahme durch Amerikaner. Amerikanische Firmen wollen die Kosten senken und greifen deshalb schnell zu Entlassungen und Restrukturierungen. Die Chinesen dagegen brauchen das Know-how der Mitarbeiter und wollen diese deshalb behalten“, wird der Finanzprofessor von Bilanz zitiert.

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