Lieferprobleme: Qatar Airways storniert ersten A320neo

Erzürnt über die Lieferverzögerungen des Flugzeugbauers Airbus hat Qatar Airways die Bestellung des ersten A320neo storniert. Der Grund seien die Verschiebungen aufgrund der Triebwerksprobleme, erklärte Qatar-Chef Akbar al Baker am Freitag in Dublin. Diese würden sich auf den Gewinn der Araber auswirken. Entschädigung will die Fluglinie allerdings nicht fordern.

Sein Haus müsse die Zahl der Verbindungen von Doha aus reduzieren, weil es an Maschinen mangele. „Uns fehlen fünf Flieger in diesem Sommer. Deswegen schlagen wir Krawall, weil es einen großen Effekt auf unseren Gewinn hat“, erklärte al Baker am Rande der IATA-Luftfahrtkonferenz im irischen Dublin. „Wir stecken in einer Sackgasse. Wir haben unseren ersten A320neo storniert, weil er eine bestimmte Frist zu spät dran ist. Deshalb haben wir die Ausstiegsklausel genutzt.“

Er hoffe, dass die zehn Modelle des Langstreckenjets A350 wie versprochen im laufenden Jahr kämen. „Uns bleibt nichts anderes als Flugzeuge zu mieten. Wir waren auf die letzte Antwort von Airbus“, sagte Al Baker. Sollten die Probleme mit Airbus fortbestehen, werde Qatar beim Rivalen Boeing Maschinen vom Typ 737 bestellen.

Angesichts der Probleme mit Zulieferungen von Turbinen und Kabinenteilen seien die Ziele zwar „eine große Herausforderung“, sagte Airbus-Vorstand Tom Williams am Montag am deutschen Produktionsstandort in Hamburg. Bis 2018 will der Konzern pro Monat zehn seiner Langstreckenjets vom Typ A350 bauen. Bis April baute Airbus sechs von den Modellen, für das Gesamtjahr sind 50 angepeilt. „Ich habe das Gefühl, dass wir auf einem guten Weg sind.“ Wegen der Probleme in der Zulieferkette waren zuletzt Zweifel aufgekommen, ob Airbus die angestrebten insgesamt 650 Auslieferungen im laufenden Jahr überhaupt erfüllen kann.

Derzeit befinden sich laut Airbus-Manager Klaus Richter über 40 A350 in der Endmontage in Toulouse. „Die Fluggestelle sind da, jetzt ist es ein Rennen gegen die Uhr, was die Innenkabine und die Fertigstellung betrifft“, erklärte er. Williams beteuerte, es habe bei einzelnen Modulen Qualitätsprobleme gegeben. Ähnliche Schwierigkeiten wie bei der Verkabelung des Riesenfliegers A380 bestünden indes nicht.

Die Nachfrage nach dem größten Zivilmodell des Konzerns verläuft schleppend, die Zukunft des Programms ist fraglich. Zuletzt ließ Vorstandschef Tom Enders Fertigungsgebäude für den A380, etwa in Hamburg, für den Bau des beliebten Mittelstreckenjets A320neo umrüsten. Die Produktion dieses Typs geriet zuletzt wegen Verzögerungen beim Triebwerkshersteller Pratt & Whitney ins Stocken. Richter zufolge sind Turbinen ab Juli und August verfügbar, die Zahl der Auslieferungen soll dann sprunghaft ansteigen.

 

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