Österreichs Investoren zieht es nach Deutschland

2015 ist die Zahl der Projekte, die ausländische Investoren in Österreich umgesetzt haben, noch einmal angestiegen.

Europa hat auch 2015 wieder zahlreiche Investoren angezogen. Die Zahl der Investitionsprojekte stieg mit einem Plus von 17 Prozent auf einen neuen Rekord. Auch Österreich konnte einen erneuten Anstieg der Projekte verbuchen. So stiegen die Anzahl der hierzulande von ausländischen Investoren umgesetzten Projekte von 39 auf 41. Damit liegt Österreich im guten Mittelfeld auf Platz 24 von 47. Die Zahl der durch die Projekte geschaffenen Jobs ist allerdings um 7,1 Prozent auf 1.357 zurückgegangen.

„Das ist ein klares Indiz dafür, dass die Größenordnung der Investitionsprojekte schrumpft und Österreichs Unternehmen weniger von der allgemein hohen Investitionsbereitschaft profitieren als Betriebe aus anderen europäischen Ländern“, sagt Helmut Maukner von EY Österreich. „Aktuell zieht Österreich daher deutlich weniger Investitionsprojekte an, als heimische Unternehmen selbst im europäischen Ausland umsetzen.“ 49 Prozent der ausländischen Investoren in Österreich kamen dabei aus Deutschland. Die USA und Japan folgen mit 10 und 7 Prozent auf Platz Zwei und Drei.

Die deutschen Direktinvestitionen in Österreich beliefen sich der Wirtschaftskammer zufolge auf 2,223 Milliarden Euro. Nimmt man den Umfang der US-amerikanischen Investitionen in Österreich überhaupt, sind diese sogar noch höher als die deutschen: 3,680 Milliarden Euro.

Gleichzeitig stiegen auch die Projekte im Ausland, die österreichische Investoren umgesetzt hatten, auf 91 Prozent. Das entspricht einem Zuwachs von 91 Prozent. Dabei konzentrieren sich die österreichischen Unternehmen vor allem auf Deutschland (35 Prozent), Großbritannien (8 Prozent) und Russland (7 Prozent). Im Zuge dessen wurden im europäischen Ausland mehr als 5.000 Jobs geschaffen – mehr als doppelt so viele wie noch 2014.

In Europa insgesamt wurden 5.082 Investitionsprojekte gestartet, was außerdem zur Schaffung von mehr als 217.000 neuen Arbeitsplätzen beigetragen hat. „Dieser Aufschwung liegt vor allem daran, dass Investoren in Europa im Vergleich zu den Schwellenländern immer noch auf eine hohe politische, soziale und rechtliche Stabilität vertrauen können, was gerade in politisch und wirtschaftlich unruhigen Zeiten ein entscheidendes Kriterium ist“, so Maukner. Mit Abstand am attraktivsten waren Großbritannien, Deutschland und Frankreich.

Die meisten der rekordverdächtigen Investitionen wurden von Investoren aus Europa selbst getätigt. Mehr als die Hälfte der Gelder kamen von europäischen Investoren. Die US-Investoren waren für knapp ein Viertel der neuen Projekte verantwortlich. Auf Länderebene sind die USA weiterhin der größte Investor in Europa.

Der Foreign Direct Investment Confidence Index zeigt ein etwas trüberes Bild. Hier belegt Österreich weltweit gesehen nur Platz 24 der Top 25 Investitionsziele für ausländische Direktinvestitionen. Damit rutschte das Land gegenüber dem Vorjahr um drei Plätze ab. Deutschland belegt nach den USA, China und Kanada Platz Vier. Großbritannien rutschte auf Platz Fünf ab. Die Platzierung gründet sich auf einer Befragung von Top-Managern und Vorständen der 1.000 weltweit größten Unternehmen.

Insgesamt sei das Volumen 2015 um 36 Prozent auf 1,7 Billionen Dollar gewachsen. Noch ist die europäische Union, angeführt von Deutschland, für Investoren ein Garant für Stabilität und Wachstum“, sagt der Zentraleuropachef von A.T. Kearney Sonnenschein. „Das Vertrauen der Investoren basiert auf Kontinuität und verlässlichen Rahmenbedingungen, die Europa seit langer Zeit bis heute bietet. Doch Vertrauen ist ein fragiles Gut: Früher oder später könnte die innereuropäische Zerreißprobe auch die Attraktivität der europäischen Wirtschaft für internationale Investoren überschatten.“

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