Investorenstiftung will Volkswagen zu Vergleich bewegen

Nach dem Dieselskandal bei Volkswagen denkt der Konzern über eine außergerichtliche Einigung nach. Dieser Schritt könnte eine Flut von Klagen eindämmen. Garantiert ist der Erfolg für VW jedoch nicht.

Die Stiftung für im Dieselskandal geschädigte VW-Anleger will auf der Hauptversammlung des Konzerns am Mittwoch auf ihre Forderung nach einem außergerichtlichen Vergleich pochen. Volkswagen könnte so zu geringeren Kosten eine Welle von Schadensersatzklagen abwenden, erklärte Henning Wegener, Vorsitzender der nach niederländischem Recht gegründeten Stiftung „Stichting Volkswagen Investors Claim“, am Montag in Frankfurt. „Wenn Volkswagen nicht auf den Stiftungsvorschlag eingeht, ist eine Lawine von Klagen unvermeidlich“, sagte er. Eine freiwillige Entschädigung von Aktionären und Anleihebesitzern könnte VW außerdem helfen, den großen Ansehensverlust durch die Manipulation von Millionen Dieselautos zu überwinden.

Stichting steht so wie tausende Kläger weltweit auf dem Standpunkt, dass VW die Manipulation der Dieselmotoren im September letzten Jahres zu spät eingestanden hat. Dem Konzern seien der Gesetzesverstoß und die finanziellen Risiken durch Geldbußen und Rückrufaktionen früher bekannt gewesen. Der Aktienkurs rauschte nach Bekanntwerden der Vorwürfe der US-Umweltbehörde EPA am 18. September in die Tiefe. Nach Ansicht der Stiftung entstand durch das Verschleppen der Informationen ein Schaden von 65 Euro je Vorzugs- und von knapp 57 Euro je Stammaktie. Bei Volkswagen stoße der Appell zu einer außergerichtlichen Einigung allerdings auf taube Ohren, sagte Wegener. Einige Wochen nach der ersten Aufforderung zu Verhandlungen im Oktober habe der Konzern geantwortet, es gebe keinen Anlass zu Vergleichsgesprächen, da keine Kapitalmarktregeln verletzt worden seien. Seither hat Stichting nichts mehr aus Wolfsburg gehört.

Zulauf von institutionellen Investoren

Die Stiftung wurde nach niederländischem Recht gegründet, weil in Deutschland keine Sammelklagen möglich sind und ein Vergleich in den Niederlanden durch ein Gericht in Amsterdam für allgemeinverbindlich erklärt werden kann. Kläger weltweit müssten dann innerhalb von einigen Monaten aktiv den Vergleich ablehnen, wenn sie den Gerichtsweg gehen wollten, erklärte der für Stichting arbeitende Anwalt Eric Breiteneder. In den vergangenen Wochen schlossen sich der Stiftung rund 150 institutionelle Investoren – vor allem Pensionsfonds aus Asien und den USA mit VW-Anleihen im Bestand – an, nachdem der bekannte US-Investorenberater Institutional Investor Service (ISS) das empfohlen hatte. Die Großinvestoren vereinen ein Investitionsvolumen von 12,6 Milliarden Euro. Hinzu kommen rund 6500, überwiegend deutsche Kleinaktionäre mit VW-Aktien im Wert von 250 Millionen Euro.

Eine Schadenssumme oder die Namen der beteiligten Fonds will Stichting nicht nennen. Grob geschätzt könne sie sich auf mindestens ein Viertel der Investitionssumme von knapp 13 Milliarden Euro belaufen, sagte Breiteneder. Bei einem Vergleich müsste Volkswagen rund 70 Prozent der Summe von dann etwa drei Milliarden Euro für die Entschädigung der Anleger und die Verfahrenskosten aufbringen. Eine Garantie, dass damit alle Gerichtsprozesse abgeschlossen wären, hätte der Konzern jedoch nicht. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) unterstützt zwar den Vergleichsplan, rät Aktionären aber trotzdem zu klagen. Denn die Verjährungsfrist für Ansprüche in Deutschland werde womöglich am 18. September ablaufen, sagte DSW-Vertreterin Jella Benner-Heinacher.

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