Kion kauft Logistik-Spezialisten Dematic

Der Gabelstapler-Hersteller Kion will mit einem milliardenschweren Zukauf sein Geschäft vor allem in den USA deutlich ausbauen. Kion werde für Dematic, einen Spezialisten für Automatisierung und Lieferketten-Optimierung, abzüglich bestimmter Verbindlichkeiten voraussichtlich einen Kaufpreis von etwa 2,1 Milliarden US-Dollar zahlen.

Der Wiesbadener Gabelstapler-Konzern Kion kauft den Maschinen- und Anlagenbauer Dematic und verbreitert damit sein Angebotsspektrum für die Logistik-Branche. Kion zahlt für den Hersteller von Förder- und Lagersystemen sowie Sortieranlagen und die zugehörige Software 2,1 Milliarden Dollar (umgerechnet 1,85 Milliarden Euro) an die nordamerikanischen Investoren AEA und OTPP, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Kion wolle durch dem Zukauf Maschinen für den gesamten Materialfluss anbieten können, erklärte Vorstandschef Gordon Riske. „Wie kein anderer in unserer Branche können wir jetzt jeden Kunden nahtlos auf seiner Reise in Richtung Industrie 4.0 und Intralogistik 4.0 begleiten, und das weltweit.“

Die frühere Mannesmann- und Siemens-Tochter Dematic gehört seit Anfang 2013 dem US-Finanzinvestor AEA und dem kanadischen Pensionsfonds OTPP, so Reuters. Sie hatten vor gut drei Jahren Schätzungen zufolge rund 800 Millionen Euro an die Beteiligungsgesellschaft Triton bezahlt, die Dematic als Sanierungsfall übernommen hatte. Heute gilt das Unternehmen als weltweit führend in der Logistik-Automatisierung. Die Branche profitiert unter anderem vom stark wachsenden Online-Handel.

Im vergangenen Jahr kam Dematic mit rund 6000 Mitarbeitern auf 1,8 Milliarden Dollar (1,6 Milliarden Euro) Umsatz und einen um Sondereffekte bereinigten operativen Gewinn (Ebit) von 166 Millionen Dollar (147 Millionen Euro). Offizieller Firmensitz ist Luxemburg, das Deutschland-Geschäft wird aus Heusenstamm bei Frankfurt gesteuert.

Finanzieren muss Kion inklusive der Schulden von Dematic rund drei Milliarden Euro, zunächst über einen Brückenkredit. Später ist eine Kapitalerhöhung um zehn Prozent geplant, die zum Schlusskurs vom Montag rund 480 Millionen Euro einbringen würde. Die Kion-Aktie gab im Frühhandel 1,6 Prozent auf 48 Euro nach. Der chinesische Großaktionär Weichai Power, der mit 38,3 Prozent an Kion beteiligt ist, unterstütze den Schritt, erklärte der Konzern. „Der starke Cash Flow und die Verringerung der Verschuldung der Kion Group in den Jahren seit unserem Börsengang hat die Bilanzkraft für eine solch transformierende Transaktion geschaffen“, sagte Finanzvorstand Thomas Toepfer.

Dematic solle zum Kern einer neuen, fünften Sparte von Kion werden, hieß es in der Mitteilung. Der Wiesbadener Konzern hatte bereits zwei kleinere Anbieter von Automatisierungslösungen gekauft, Egemin Automation und Retrotech. Geführt werden soll die Sparte von Dematic-Chef Ulf Henriksson.

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