Gesundheitsrisiko: Koalition einigt sich auf Fracking-Verbot

Union und SPD haben sich auf ein unbefristetes Verbot des unkonventionellen Frackings verständigt, bei dem durch Einpressen von Flüssigkeiten Gas aus Gesteinsschichten gefördert wird.

Der von den Fraktionsspitzen und den Fachleuten am Dienstag erzielte Kompromiss sollte am Nachmittag von den Fraktionen beraten werden, wie SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann mitteilte. SPD-Umweltexperte Matthias Miersch sprach von einem Riesenerfolg. Das Verbot sei unbefristet. Im Gesetz werde stehen, dass der Bundestag 2021 entscheide, ob das Verbot dann noch angemessen sei. Probebohrungen dürften nur bei Zustimmung der jeweiligen Landesregierung stattfinden.

Unions-Fraktionschef Volker Kauder und der nordrhein-westfälische CDU-Chef Armin Laschet bestätigten, dass ein Einigungsvorschlag vorliege. Dieser werde am Dienstagnachmittag in der Unions-Fraktion diskutiert.

Nach derzeitiger Rechtslage ist unkonventionelles Fracking wie in den USA, also das Aufbrechen von Gestein in flacheren Schichten unter hohem Druck und Einsatz von Chemikalien, in Deutschland möglich. Es wurden aber praktisch keine Bohrungen mehr genehmigt. Dies trifft auch das seit vielen Jahren in Niedersachsen angewandte konventionelle Fracking in tiefen Gesteinsschichten.

In der Vergangenheit gab es einige Studien, die auf die gesundheitlichen Gefahren durch Fracking hinwiesen. Wissenschaftler der Yale Universität und der University of Washington hatten bei Menschen, hatten gezeigt, dass Menschen, die in der Nähe von Bohrstellen für Frackingbohrungen lebten, häufiger an Atemwegs- und Hauterkrankungen litten als andere. Für die Studie wurden 492 Menschen in Pennsylvania befragt. In Pennsylvania gibt es mehr als 600 Frackingbohrlöcher.

Mit dem Abstand zur Borhstelle nahmen die Erkrankungen ab. Von den  Menschen, die weniger als einen Kilometer von einem solchen Bohrloch entfernt lebten, gaben 39 Prozent an, Haut- bzw. Atemwegserkrankungen zu haben. Ab einem Abstand von zwei Kilometer waren es nur noch 18 Prozent, bei mehr als 2 Kilometern 13 Prozent. Die Studie kann jedoch nicht als absolut objektiv gelten, da nicht Ärzte die Erkrankungen festgestellt hatten, sondern die Bewohner es angaben.

Wissenschaftler in Deutschland fordern deshalb eine Offenlegung der zum Fracking verwendeten Substanzen. „Eine Offenlegung der Zusammensetzung aller verwendeten chemischen Substanzen kann dazu beitragen, die Fracking-Operationen zu verbessern und sicherer zu machen“, sagt Kathrin Hölzer von der Duke Universität. Nur so könne beurteilt werden, welche neuen Verbindungen sich aus unterirdischen chemischen Reaktionen bilden können. Denn, obwohl einige flüssige Zusatzstoffe anfangs nicht toxisch sind, wäre es möglich, dass diese sich nach Einspeisung in ein Bohrloch durch Reaktionen mit dort vorhanden Substanzen zu potenziell schädlichen Stoffen umwandeln.

Bereits im vergangenen Herbst  hatte sich die Regionalgruppe Rotenburg der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW) in einem offenen Brief an den Niedersächsischen Ministerpräsident Stephan Weil gewandt.

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  1. Rudolf Steinmetz sagt:

    WETTEN DAS Merkel ein Hintertürchen erfindet? So wie beim Ausstieg aus dem Atom-Ausstieg. MIT PARTEIEN ist kein Staat zu machen, das wusste schon PLATON, siehe dessen Kritik an der Demokratie.