Brexit: Wirtschafts-Institute senken Prognose für deutsches Wachstum

Trotzdem sich Großbritannien noch in der EU befindet, wird deutsche Wirtschaft die ersten Auswirkungen des Brexits schon in diesem Jahr spüren.

„In der zweiten Jahreshälfte könnte die Konjunktur deutlich an Schwung verlieren, vor allem weil die Exporte nach Großbritannien merklich zurückgehen könnten“, sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner am Mittwoch. Im ablaufenden zweiten Quartal habe sich die Wirtschaft noch stabil entwickelt und sei wohl um 0,3 Prozent gewachsen – „aber das war vor der Entscheidung über den Brexit“, betonte der Ökonom.

Die Entscheidung der Briten für einen Austritt aus der EU dürfte die deutschen Exporte zunächst vor allem wegen der zu erwartenden Produktionsrückgänge bei britischen Unternehmen sowie der bereits zu beobachtenden deutlichen Abwertung des britischen Pfunds belasten. Ein Rückgang der britischen Importe um ein Achtel würde nach DIW-Berechnungen die deutschen Exporte für sich genommen um einen Prozentpunkt dämpfen. Unterm Strich würde dies das Wachstum der deutschen Wirtschaft um einen halben Prozentpunkt drücken. „Für die exportabhängige deutsche Industrie ist die Entscheidung, das Brexit-Verfahren in Gang zu setzen, eine Hiobsbotschaft“, sagte Fichtner.

Auch das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) snekte die Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes auf 1,3 von 1,5 Prozent. Ohne Brexit wäre die Prognose hingegen auf 1,8 Prozent angehoben worden. Für dieses Jahr erwarten die Forscher 1,6 Prozent. „Die kurzfristigen Auswirkungen des Brexit sind in Deutschland nicht katastrophal, aber doch schmerzlich genug“, sagte IMK-Direktor Gustav Horn. „Die deutlich gewachsene Unsicherheit trifft uns an einem ganz empfindlichen Punkt: Gerade sah es so aus, als ob die Unternehmen ihre hartnäckige Zurückhaltung bei den Investitionen langsam aufgeben würden. Das dürfte sich jetzt erledigt haben.“ Sollten die Turbulenzen an den Finanzmärkten anhalten, könne das Wachstum künftig sogar geringer als ein Prozent ausfallen.

Der Dämpfer werde sich auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen. Trotz Zuwanderung sinke die Zahl der Arbeitslosen dieses Jahr im Schnitt um 60.000. 2017 dürfte sie hingegen bei weiter steigender Beschäftigung um rund 290.000 zunehmen und im Jahresdurchschnitt wieder knapp über drei Millionen liegen.

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