Überkapazitäten vermiesen Lufthansa Cargo das Geschäft

Lufthansa Cargo leidet wegen Überkapazitäten in der Luftfrachtbranche unter einem Preiseinbruch. Der durchschnittliche Ertrag je Kilogramm Fracht liege in diesem Jahr 15 bis 20 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres, sagte Peter Gerber, Chef der Lufthansa-eigenen Cargo-Airline.

„Es ist ein Erdrutsch.“ Grund sei, dass die Beförderungskapazitäten wegen des schnellen Expansionskurses von Fluggesellschaften vom Persischen Golf derzeit drei Mal schneller wachsen als die Nachfrage. Zum anderen verliere der globale Handel an Schwung. Als Reaktion baut das Frankfurter Unternehmen wie bereits bekannt 800 Stellen ab.

Lufthansa Cargo fliegt mit fünf Boeing 777 und zwölf Flugzeugen vom Typ MD-11 von Frankfurt aus Güter in alle Welt. Zwei weitere der MD-11 sind derzeit nicht in Betrieb. „Unsere Flotte hat derzeit die richtige Größe, doch wissen wir nicht, wie sich die Zukunft entwickeln wird“, sagte der frühere Personalchef des Lufthansa-Passagiergeschäfts.

Auch vom wachsenden Online-Handel über die Kontinente hinweg will Lufthansa Cargo profitieren und hat dazu Kooperationen mit großen Versandhändlern wie Amazon im Auge. «Da sind wir dran», sagte Gerber. Vor allem die wachsenden Mittelschichten in Indien und China verlangten nach hochwertigen Waren, die zunehmend per Luftfracht an ihren Bestimmungsort gebracht würden.

Im klassischen Luftfrachtgeschäft zeigt die Entwicklung weiter nach unten. Die Durchschnittserlöse seien seit einem Jahr etwa um 15 bis 20 Prozent gesunken, berichtete Gerber. Die Vorteile durch günstigen Treibstoff müsse LufthansaCargo komplett an die Geschäftskunden weitergeben.

Lufthansa Cargo versucht, mit starken Kürzungen durch die Krise zu kommen. Bis zu 800 der insgesamt 4600 Arbeitsplätze sollen wegfallen, davon 500 in Deutschland. Mit bis zu 400 gestrichenen Jobs wird das Drehkreuz Frankfurt am härtesten getroffen. Die jährlichen Kosten sollen um 80 Millionen Euro sinken.

Das sei notwendig, um wieder wettbewerbsfähig zu werden und in die Zukunft zu investieren, sagte Gerber. LufthansaCargo solle somit weiter in der Spitzengruppe der Luftfracht-Gesellschaften weltweit mitspielen und «vielleicht auch wieder die Nummer eins werden».

Was aus dem lange geplanten und zuletzt auf unbestimmte Zeit verschobenen Bau eines neuen Frachtzentrums in Frankfurt wird, bleibt derweil offen. Lufthansa Cargo prüfe derzeit «Alternativplanungen», etwa hinsichtlich der Größe, sagte Gerber.

 

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