Gegen Polizei-Gewalt: Blutige Ausschreitungen bei Protesten in den USA

Mehrere Heckenschützen haben während einer Protestaktion gegen Polizeigewalt in der US-Metropole Dallas fünf Beamte erschossen. Sechs weitere seien verletzt worden. Am Donnerstagabend hatten sich in mehreren Großstädten in den USA zahlreiche Demonstranten weitgehend friedlich versammelt, um gegen Polizeigewalt zu protestieren. Auslöser waren zwei Vorfälle in Minnesota und Louisiana, wo in dieser Woche zwei Schwarze von Polizisten erschossen worden waren.

Tödliches Ende einer friedlichen Demonstration gegen Polizeigewalt in den USA: Heckenschützen haben in Dallas fünf Polizisten getötet. Dies teilte die Polizei der texanischen Großstadt am Freitagmorgen auf Twitter mit. Mindestens sechs weitere Beamte seien verletzt worden. Die Schützen feuerten während eines Protestmarsches am Donnerstagabend (Ortszeit) auf die Beamten. Anlass für den Protestmarsch war der Tod von zwei Schwarzen, die in anderen US-Städten durch Polizeischüsse ums Leben gekommen waren.

Polizeichef David Brown sagte zu der Schießerei im Stadtzentrum von Dallas: „Die Schützen wollten so viele Gesetzeshüter wie möglich verletzen oder töten.»“Das Motiv ist nach Angaben der Polizei noch unklar. „Es ist eine verheerende Nacht gewesen“, teilte die Polizei über Twitter mit, als sie den Tod eines fünften Beamten bestätigte.

Ein Verdächtiger hielt sich nach Angaben von Brown am frühen Morgen zunächst noch in einem Parkhaus verschanzt. Der Mann habe auf die Polizei geschossen, Verhandlungen seien zunächst erfolglos geblieben. Der Verdächtige habe angegeben, dass in der Stadt Bomben versteckt seien. «Er hat gesagt, er wird weitere von uns töten», sagte Brown am frühen Morgen vor der Presse. Bombenexperten hätten ein verdächtiges Paket untersucht, twitterte die Polizei.

US-Präsident Barack Obama wurde beim Nato-Gipfel in Warschau über die Lage in Dallas unterrichtet. Das teilte sein Sprecher Josh Earnest mit. Der Präsident habe sein Team gebeten, ihn laufend über die Situation in der Stadt zu informieren.

Die Polizei nahm drei Verdächtige fest. Dabei handelte es sich nach den Worten von Brown um eine Frau, die in der Nähe des Parkhauses festgenommen wurde, und zwei Männer, die in einem Wagen geflüchtet waren. «Wir sind aber noch nicht vollständig sicher, dass wir alle Verdächtigen in Gewahrsam haben», sagte Brown. Zur Identität der Festgenommenen machte die Polizei zunächst keine Angaben. Bürgermeister Mike Rawlings forderte die Bevölkerung auf, den Tatort zu meiden.

Die Polizei hatte die Öffentlichkeit zuvor um Hilfe bei der Suche nach Verdächtigen gebeten und ein Foto veröffentlicht. Es zeigt einen Mann, der eine Waffe bei sich hat, und ein T-Shirt in Camouflage-Farben trägt. Er stellte sich, wurde inzwischen aber wieder freigelassen, wie die «Dallas Morning News» berichtete.

Zuvor hatte es in der Stadt friedliche Demonstrationen wegen der jüngsten Polizeigewalt gegen Afroamerikaner gegeben. Anlass war der Tod von zwei Schwarzen durch die Polizei innerhalb von zwei Tagen. In Falcon Heights (Minnesota) war der 32 Jahre alte Philando Castile im Krankenhaus gestorben, nachdem ein Polizist bei einer Fahrzeugkontrolle auf ihn geschossen hatte. In Baton Rouge (Louisiana) hatten zwei Polizisten den 37-jährigen Alton Sterling auf einem Parkplatz zu Boden gezwungen und aus nächster Nähe erschossen.

Der Tod zweier Schwarzer durch Polizeikugeln ist nach Ansicht von US-Präsident Barack Obama ein Ereignis, das alle Amerikaner gleichermaßen angehen muss. „Wir erleben so etwas viel zu oft“, sagte Obama unmittelbar nach der Landung in Warschau, wo er in der Nacht zum Freitag zum Nato-Gipfel eintraf.

In Falcon Heights (Minnesota) starb Philando Castile (32) im Krankenhaus, nachdem ein Polizist bei einer Fahrzeugkontrolle auf ihn geschossen hatte. 48 Stunden zuvor hatten in Baton Rouge (Louisiana) zwei Polizisten Alton Sterling (37) auf einem Parkplatz zu Boden gezwungen und ihn aus nächster Nähe erschossen.

Emotional zitierte Obama mehrere Statistiken, die die Benachteiligung von Afroamerikanern im US-Alltag belegen. „Menschen guten Willens können das besser“, sagte Obama. „Der Wandel passiert zu langsam. Wir müssen dem mehr Dringlichkeit verleihen.“

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