Elektronische Haut macht Hand zum Display

Neben Kleidung wird auch der Körper immer öfter zum Experimentierfeld für digitale Ideen. Wissenschaftler der University of Tokyo haben eine künstliche Haut entwickelt, die die menschliche Hand zum Display machen kann.

Der Smartphone-Boom ist nach Meinung der meisten Experten vorbei, die Zukunft der Kommunikationstechnologie liege vielmehr in den sogenannten Wearables, also Geräte die man wie Kleidung direkt am Körper trägt. Die Smartwatch ist dafür das aktuell bekannteste Beispiel, doch mit dem kleineren Bildschirm verringern sich auch die Möglichkeiten zur Interaktion. Um dieses Problem der Bildschirmgröße zu lösen, hat das französische Start-up Cicret das Konzept dieser sogenannten „Wearables“ einen Schritt weiter getrieben und will den Unterarm selbst in ein Tablet verwandeln.

Äußerlich betrachtet ist das Cicret ein schmales Armband, das den Fitness-Trackern wie Jawbone und Co sehr ähnlich sieht. Das Armband ist jedoch mit einem winzigen Pico-Projektor ausgestattet, ebenso mit zahlreichen Sensoren, die in Richtung des Unterarms ausgerichtet sind. Das Gerät soll es Benutzern ermöglichen, E-Mails zu senden und zu empfangen, im Internet zu surfen und Spiele zu spielen. Es wird auch möglich sein, das Cicret mit einem vorhandenen Smartphone oder Tablet zu verbinden, eingehende Anrufe zu beantworten und die Freisprech-Funktion auf dem Smartphone zu aktivieren. Das Gerät wird mit einer Drehung des Handgelenks aktiviert und projiziert auf Wunsch auch eine Art Spiegelung eines Tablets oder Smartphones auf den Arm des Nutzers. Die Näherungssensoren erkennen, wo auf der Projektion sich die Finger des Benutzers befinden, und ermöglichen so, über diese Android-Schnittstelle mit dem angeschlossenen Gerät zu interagieren.

Zusätzlich bietet das Cicret Armband demnach einen Beschleunigungsmesser und ein Vibrationsmodul zusammen mit einer LED-Leuchte für Benachrichtigungen. Die Verbindung wird über WLAN, Bluetooth oder einen Micro-USB-Port sichergestellt. Es soll in zwei Modellen mit 32 oder 64 Gigabit verfügbar sein und 250-300 Dollar kosten.

Gewöhnliche Gegenstände oder in diesem Fall Gliedmaßen in mobile Geräte zu verwandeln, bietet zwar theoretisch viele Vorteile, allerdings mangelt es den projizierten Touchscreens typischerweise an Reaktionsschnelligkeit, ebenso wie an der visuellen Klarheit, die Nutzer von den Glasscheiben gewohnt sind.

Cicret ist davon überzeugt, die Technologie jedoch so entscheidend zu verbessern, dass die Nutzer sie problemlos verwenden. Seit dem Start der Kampagne Anfang 2015 erntete das Projekt von Technologie-Blogs jedoch viel Skepsis, zumal Gelder via Crowdfunding zunächst ohne funktionierenden Prototypen gesammelt wurden. Inzwischen soll es jedoch laut Unternehmen einen funktionierenden Prototypen geben und das Finanzierungsziel von 500.000 Euro sei fast erreicht.

Cicret sind allerdings nicht mehr die einzigen, die diese Idee eines Touchscreens auf der Haut verfolgen: Auch die Konkurrenz hat das Konzept inzwischen entdeckt und der Tech-Riese Samsung hat Anfang des Jahres ein eigenes Patent dazu eingereicht, wie der Blog Hackread berichtet.

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