Studie: Schweizer Mittelstand mit neuer M&A-Dynamik

Die Schweizer Mittelständler melden für das erste Halbjahr deutlich mehr Fusionen und Übernahmen als im Vorjahreszeitraum

Schweizer kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU) verzeichneten im ersten Halbjahr 2016 einen Anstieg der M&A-Transaktionen (97 Transaktionen gegenüber 90 im ersten Halbjahr 2015, dies entspricht einer Steigerung von 8 Prozent), wie aus einer Untersuchung der Unternehmensberatung Deloitte hervorgeht.

KMU bleiben damit der wichtigste Antriebsfaktor der Schweizer M&A-Aktivität: Sie waren an 86 Prozent der Mehrheitstransaktionen zur Übernahme eines Schweizer Unternehmens (Inbound- und Inlandstransaktionen) beteiligt. Nach dem Frankenschock Anfang 2015 mussten viele KMU umstrukturieren und ihre Widerstandsfähigkeit unter Beweis stellen. Der jüngsten Deloitte-Umfrage zufolge hat sich ihre Situation inzwischen weitgehend stabilisiert, und die Firmen schätzen die wirtschaftlichen Perspektiven ihrer Unternehmen optimistischer ein.

Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass das Wachstum durch die besseren Beschäftigungsaussichten in der Eurozone und die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, welche die Zinsen auf historisch niedrigen Niveaus belässt, gestützt wird. Die stabilsten Unternehmen führen vermehrt Akquisitionen im Ausland durch, denn aufgrund der geldpolitischen Unsicherheit der letzten anderthalb Jahre sahen sich Schweizer KMU gezwungen, ihre Flexibilität und ihre Effizienz zu steigern. Dieser anhaltende Druck veranlasste sie, kontinuierlich Innovationen voranzutreiben, indem sie fortschrittliche Technologien entwickelten und integrierten. Durch diese Anpassung der Schweizer KMU an das schwierige Wirtschaftsumfeld entstanden neue Chancen außerhalb der Schweiz.

Jene Unternehmen, die sich am schnellsten anpassten, profitierten davon, strategisch attraktive Transaktionen im Ausland durchzuführen (37 Outbound-Transaktionen im ersten Halbjahr 2016, ein Plus von 16 Prozent). Das erste Halbjahr 2016 charakterisierte sich auch durch eine deutliche Erholung der Inbound-Transaktionen gegenüber dem ersten Halbjahr 2015 (30 Transaktionen, +20 Prozent). Obwohl sich schweizerische Vermögenswerte für ausländische Unternehmen verteuert haben, besteht ihrerseits hohes Interesse an Schweizer KMU. Hingegen ist bei der inländischen M&A-Aktivität ein Rückgang zu beobachten (30 Transaktionen, -9 Prozent). Diese anhaltende Abschwächung (-21 Prozent seit 2014) lässt sich dadurch erklären, dass die Schweizer Unternehmen stärker darauf ausgerichtet sind, ihre Aktivitäten im Ausland auszuweiten sowie jene auf dem Schweizer Markt zu verringern, und daher Outbound-Transaktionen bevorzugen.

SMN-Inbound

Wie bereits 2015 war Westeuropa auch im ersten Halbjahr 2016 die Haupt-Zielregion für Akquisitionen von Schweizer KMU im Ausland (Outbound). Dabei war Deutschland weiterhin der wichtigste Partner: Auf das Land entfielen 9 Transaktionen (24 Prozent der Outbound-Transaktionen), gefolgt von den USA mit 8 Transaktionen. Das Interesse der Schweizer KMU an Deutschland ist nichts Neues. Schließlich ist das Nachbarland der führende Handelspartner der Schweiz. Durch die guten Wachstumsaussichten in Deutschland ergeben sich attraktive Investitionschancen für Schweizer Unternehmen, die ihr Geschäft auf der anderen Rheinseite ausweiten möchten.

Die hohe Übernahmeaktivität Schweizer KMU in den USA zeigt die Nähe der beiden Länder in Bezug auf globale Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsfähigkeit. Wie im Jahr 2015 entfielen die Transaktionen von Schweizer KMU hauptsächlich auf den Industriesektor (35 Prozent der Outbound-Transaktionen). Dies ist hauptsächlich auf die höhere Kaufkraft sowie die niedrigeren Produktionskosten und die Qualität einiger ausländischer KMU zurückzuführen. Zudem sind auch Akquisitionen im Technologie-, Medien- und Telekommunikation-Sektor (TMT) bei Schweizer KMU beliebt, vordergründig um neue Technologien einzukaufen.

Wie bei den Outbound-Transaktionen spielen die europäischen Partner auch bei der Übernahme von Schweizer KMU die wichtigste Rolle. Die Inbound-Transaktionen im ersten Halbjahr 2016 sind von einer hohen Aktivität französischer Unternehmen gekennzeichnet (11 Transaktionen, das entspricht 30 Prozent der gesamten Inbound-Transaktionen). Im Jahr 2015 hatten sie nur 6 Transaktionen durchgeführt. Diese Akquisitionen fanden in unterschiedlichen Sektoren statt und entfielen hauptsächlich auf den französischsprachigen Teil der Schweiz (7 von 11 Transaktionen).

Auf Frankreich folgen die üblichen Investorenländer Großbritannien, Deutschland und die USA. Die bei Schweizer und ausländischen Investoren beliebten Unternehmen gehören überwiegend zu den Sektoren Unternehmensdienstleistungen, Konsumdienstleistungen und TMT. Diese drei Sektoren verzeichneten 62 Prozent der Inbound- und Inlandstransaktionen. Das spiegelt die hohe Qualität der Dienstleistungen und die starke Ausrichtung Schweizer KMU auf technologische Innovation wider. Zudem entfielen 16 Transaktionen, das entspricht 27 Prozent der Inbound- und Inlandstransaktionen, auf KMU, die im Industriesektor tätig sind. Damit bleibt der Sektor ein attraktives Ziel der Investoren, was insbesondere seiner starken Wertschöpfung und dem umfassenden Einsatz von Technologie zu verdanken ist.

Während die Lage im Allgemeinen stabiler war als 2015, schwebte auch im ersten Halbjahr 2016 eine gewisse Unsicherheit über den Finanzmärkten, die auf den Brexit, die schwache Performance der Finanzwerte, das Risiko einer Konjunkturabkühlung in China und den anhaltenden niedrigen Ölpreis zurückzuführen war. Dies wirkte sich auf die Schweizer Indizes aus: der SMI zeigte einen Verlust von 12 Prozent in der ersten Jahreshälfte 2016. Die schwachen Aktienmarktergebnisse belasteten auch den Deloitte Small & Mid Caps. Nachdem er Ende 2015 ein Rekordniveau erreicht hatte, verzeichnete der Index eine leichte Korrektur und sank auf einen EV/EBITDA-Multiplikator von 7.2x (-13 Prozent) per Ende Juni 2016.

Schweizer KMU sind sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene attraktive strategische Investitionen. Die Nachfrage nach Schweizer KMU steigt, vor allem von Seiten chinesischer Unternehmen. Allerdings kann auch eine erhöhte Nachfrage von Private-Equity-Fonds beobachtet werden, die über viel Liquidität verfügen und nach Anlagegelegenheiten suchen. Aufgrund der makroökonomischen Unsicherheiten, im Speziellen im Zusammenhang mit den Konsequenzen des Brexit, war der relative Optimismus im ersten Halbjahr 2016 mit einer gewissen Vorsicht verbunden. In diesem Zusammenhang dürfte die M&A-Aktivität in den nächsten Monaten weiterhin volatil

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