Niedriger Ölpreis verstärkt Abhängigkeit von Saudi Arabien

Der Anteil der OPEC-Staaten am Ölmarkt hat sich im Zuge der fallenden Ölpreise deutlich erhöht. Während beispielsweise in Europa und in den USA die Ölförderungen zur Stabilisierung des Ölpreises gedrosselt wurden, halten die OPEC-Staaten an ihren Fördermengen fest. Das führt zu mehr Öl aus OPEC-Staaten wie Saudi-Arabien und birgt auf Dauer die Gefahr einer gefährlichen Abhängigkeit für die westlichen Staaten.

Mit 48,40 Dollar je Barrel WTI  49,56 Dollar  für Brent  hat sich der Ölpreis zwar wieder etwas stabilisiert, doch erst ab 60 Dollar je Barrel ist mit einer wirklichen Verschnaufpause für die Branche zu rechnen.  Angesichts der hohen Mengen Öl, die in den OPEC-Staaten noch gefördert werden, kann ein neuerlicher Preissturz jedoch nicht ausgeschlossen werden. Und die Erfahrungen der vergangenen sechs Monate zeigen, dass selbst ein Preis von weniger als 30 Dollar je Barrel Länder wie Saudi-Arabien nicht davon abhalten, weiter große Mengen Öl zu fördern. Der Ölpreisfall und die darauffolgende Drosselung der Fördermengen in Europa und den USA hat die OPEC-Staaten in eine günstige Position gebracht, von der vor allem Saudi-Arabien profitiert. Mittlerweile haben die Ölproduzenten aus dem Mittleren Osten den größten Anteil am weltweiten Ölmarkt seit dem Embargo von 1970 erreicht, sagte Fatih Birol, der Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur (IEA) der FT.

Der niedrige Ölpreis hat zu einer erhöhten Nachfrage nach Öl geführt und gleichzeitig die Unternehmer vom Markt abgeschnitten, die mit dem niedrigen Ölpreis nicht konkurrenzfähig waren. Vor allem die USA haben darunter gellitten, hier hatte der Ölpreisverfall auch zu einer Krise in der so hochgelobten Frackingindustrie beigetragen. „Der Mittlere Osten ist die erste Quelle für Importe“, so Birol. „Je stärker die Nachfrage wächst, umso mehr werden wir importieren müssen. Mittlerweile machen die Anteile der OPEC-Staaten am weltweiten Ölmarkt 34 Prozent aus.31 Millionen Barrels pumpen sie jeden Tag in den Markt, wie die Daten der IEA aufzeigen. Das ist der höchste Anteil der OPEC-Staaten seit 1975. Nach dem Embargo viel deren Anteil von 36 auf 19 Prozent. Birol rechnet damit, dass der Mittlere Osten in den nächsten zwanzig Jahren drei Viertel des weltweiten Ölbedarfs decken werde.

Der hohe Anteil am Ölmarkt schwächt nicht nur die Branche in den westlichen Staaten, sondern versetzt die westlichen Staaten zugleich in eine gefährliche Abhängigkeit gegenüber Staaten wie Saudi Arabien, so Birol. Eine Abhängigkeit, die durch den Investitionsschwund der vergangenen Monate verstärkt wird. Der niedrige Ölpreis hat dazu geführt, dass viele Unternehmen aus der Ölbranche ihre Investitionen zurückgefahren haben, um Kosten zu sparen. Diese Zurückhaltung kann sich jedoch rächen. Während viele westliche Firmen sparten, investierten die OPEC-Staaten.

Darüber hinaus hat die Niedrigpreispolitik der OPEC-Staaten beim Öl auch erhebliche Einflüsse auf andere Branchen. Hohe Benzinkosten hatten vor allem in den USA dafür gesorgt, dass die Verbraucher nach Alternativen zu Verbrennungsmotoren gefragt haben.

In den USA konnte sich dadurch die Elektromobilität schneller etablieren als in Europa. Doch der billige Ölpreis hat die Benzinpreise gedrückt und die zumindest finanzielle Notwendigkeit zur Elektromobilität erst einmal wieder untergraben. Gerade die spritfressenden SUVs erfahren gerade eine Renaissance – auch in China. China und die USA sind die beiden größten Ölkonsumenten. Entsprechend müssten die westlichen Staaten darauf setzen, stärkere Energieziele zu verabschieden, für die Elektromobilität und für einen sinkenden Ölbedarf. Nur so wären sie in der Lage, die Abhängigkeit zu Staaten wie Saudi Arabien wieder zu verringern.

 

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